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Rentner (69) bestreitet Hasch-Anbau in Polen

10.09.2012 | 16:32 Uhr
Rentner (69) bestreitet Hasch-Anbau in Polen
Foto: WAZ

Dortmund.   Der 69-Jährige beschreibt sich als fleißigen Häuslebauer, der sich in Polen den Traum vom Eigenheim erfüllte. Die Staatsanwaltschaft hingegen sieht in dem Rentner einen ausgebufften Drogendealer: Er soll auf seinem Grundstück eine ertragreiche Hasch-Plantage betrieben und Stoff nach Dortmund geliefert haben.

Ein Rentner, der mit 69 Jahren wegen Drogenanbaues und Drogenhandels auf der Anklagebank landet, ist allein schon außergewöhnlich. Doch der frühere Schlosser setzt noch eins drauf: Laut Anklage bewies er seinen grünen Daumen zum Anbau von Cannabis-Pflanzen in Polen – neben seinem Haus, das er laut eigener Aussage in jahrelanger Eigenarbeit mit Hilfe von Verwandten hochgezogen hat.

Staatsanwalt Ulrich Schepers sieht in dem bieder wirkenden Häuslebauer einen ausgebufften Drogendealer, der von Januar 2005 bis November 2011 rund 20 Kilo Hasch an den Mann brachte – unter anderem auch in Dortmund.

Kronzeuge ist „Stammgast“ vor Gericht

Zusammen mit einem Komplizen soll er den Stoff in elf Fällen weiterverkauft haben, das Kilo für rund 3000 Euro. So sieht es die Anklage, die sich vor allem auf die Aussagen jenes Komplizen stützt – ein mittlerweile verurteilter Kronzeuge, der in diversen Drogen-Prozessen vor der 36. Großen Strafkammer mittlerweile als „Stammgast“ gilt.

So auch in dem Verfahren gegen einen Musikprofessor aus Unna, der sich seit 15 Verhandlungstagen vor Gericht verantworten muss. Den Zaun zu dessen Villa, die auch eine höchst ertragreiche Haschplantage beherbergt haben soll, hat übrigens der jetzt angeklagte Rentner für rund 30 000 Euro errichtet. Doch das sei, so behauptet der 69-Jährige, wirklich der einzige Kontakt gewesen.

Angeklagter sieht sich als Opfer falscher Verdächtigung

Seit nunmehr sechs Monaten sitzt der Mann in U-Haft. „Ich weiß von keiner Plantage, weder in Derne noch in Polen“, beteuerte er wortreich seine Unschuld an der Seite seines Verteidigers Peter Schwarzhoff. Die Anzeige sei ein Rachefeldzug seines Bekannten, der ihn früher häufiger in Polen besucht und dabei auch eine Garage bei ihm angemietet habe. Als er, der Rentner, dahintergekommen sei, dass dort illegal CD’s hergestellt wurden, habe er dem Mann gekündigt. „Er war sauer, sagte: Wenn man mich packt, dann sage ich aus. Je mehr ich sage, desto weniger Strafe kriege ich selbst.“

Angeblich gab es auch eine Hasch-Plantage in Derne

Jener Kronzeuge – er wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt und kam aus dem Offenen Vollzug ins Gericht – hatte auch gestern wieder viel zu sagen: Dass es schon früher neben der Schlosserei des Angeklagten in Derne eine Hasch-Plantage gegeben habe, man aber wegen der aufmerksam gewordenen Nachbarn „die Sache einstellte“. Später will er dann beim Anbau in Polen geholfen haben. Für den Prozess sind zahlreiche Verhandlungstage vorgesehen.

Kathrin Melliwa

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