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Reden ohne Herzklopfen

19.10.2012 | 08:00 Uhr
Reden ohne Herzklopfen

Dortmund.   Erstmal tief durchatmen. Und den Blick all dieser Augenpaare, die auf einen gerichtet sind, aushalten. Die erwartungsvolle Stille. Warten, bis sich der Klumpen im Magen aufgelöst hat, das Herzklopfen verebbt, bis die Hände nicht mehr schwitzen. Und dann – reden.

Vor dem freien, gelassenen Sprechen steht immer die Angst, sagt Roland Steinke – und er weiß, wovon er spricht. Kennt die Symptome, die auf einer Skala zwischen sozialer Phobie und Schüchternheit rangieren, nur zu genau. Hat sie bei sich selbst – erfolgreich – bekämpft. „Es macht mir nichts mehr aus“, sagt er, „ich halte ja jetzt auch Vorträge oder Seminare“. Und hat zusammen mit einem interessierten Grüppchen „Sprechwerk“ gegründet. Einen Verein, bei dem es nicht ums Dampfplaudern geht, weniger auch um rhetorische Techniken oder mechanisches Üben.

Denn: „Frei sprechen bedeutet nicht, auswendig Gelerntes vorzutragen und so zu tun, als sei es gerade erschaffen worden“, sagt Steinke. „Frei sprechen bedeutet, dass ich das, was ich sage, in diesem Moment neu erfinde“.

Frei sprechen ganz locker erlernen

Wie’s angefangen hat? Mit dem Nachbarn. Der quasi ein halbes Jahr lang schlecht geschlafen hatte vor Lampenfieber, weil er als Brautvater die Hochzeitsrede halten sollte. „Wir haben trainiert. Mit und ohne Kamera. Atmen. Stehen.“ Und zum guten Schluss eben: reden. Dass viele Menschen diese Hemmungen haben? Wenn es um den Umgang mit Autoritäten geht, mit Kunden, in der Vorstellungsrunde? Bibbern, wenn man den Chef um eine Gehaltserhöhung bittet, wenn man auch mal „Nein“ sagen muss?

Muss nicht sein, sagen die Sprechwerker und laden ein zum Training – für selbstsicheres Auftreten, egal ob beim Small Talk oder beim Vortrag. Wer durch diese Schule geht, soll anschließend locker und gelassener in Gesprächssituationen gehen. Und mit Schule hat der Trainingsabend nichts zu tun. „Es gibt keinen Konkurrenzdruck“, sagt Steinke, „eher haben wir viel Spaß“, fügt er schmunzelnd hinzu. Was sie machen? Sprechen im geschützten Raum. Witze erzählen. Reden halten. Lernen, auf das Gegenüber zu reagieren. Mit Worten.

Von Anja Schröder


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