Randale bei Revierderby - "Kriegserklärung" an die Polizei

Rund um das Revierderby am Signal Iduna Park in Dortmund am vergangenen Wochenende musste die Polizei gegen gewaltbereite Fans von Schalke und dem BVB vorgehen.
Rund um das Revierderby am Signal Iduna Park in Dortmund am vergangenen Wochenende musste die Polizei gegen gewaltbereite Fans von Schalke und dem BVB vorgehen.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Nach der Randale beim Revierderby zwischen Schalke 04 und dem BVB in Dortmund am Samstag fordert die Gewerkschaft der Polizei eine härtere Gangart gegen gewaltbereite Fans im Fußball. Arnold Plickert, stellvertretender Vorsitzende der GDP in NRW, sprach von einer Kriegserklärung an die Polizei.

Essen.. Vom 141. Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und dem BVB am Samstag in Dortmund bleibt aus sportlicher Sicht der Sieg von Schalke in Erinnerung. Für die Teams hieß es bereits am Sonntag 'abhaken' und sich vorbereiten auf die beiden internationalen Begegnungen in der Champions-League in dieser Woche. Für die Gewerkschaft der Polizei ist hingegen das letzte Wort noch nicht gesprochen. Mit enormer Aggressivität hatten mehrere Hundert Gewaltfans beider Lager vor dem Derby in der Innenstadt und am Stadion randaliert.

"Wir brauchen eine härtere Gangart gegen Gewalt-Fans", forderte am Montag Arnold Plickert, der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. "Beamte wurden mit Pflastersteinen, Flaschen, Stühlen und Pyrotechnik beworfen", berichtet Pickert. Für ihn Ausdruck "einer Kriegserklärung gegen die Polizei".

Gewalttäter waren mit Pfefferspray, Mundschutz und Quarzhandschuhen ausgerüstet

BVB-Schalke Insgesamt 180 Gewaltfans - Hooligans, Ultras - wurden von der Polizei vor dem Spiel in Gewahrsam genommen. Bei Ihnen wurden Pfefferspray, Quarzhandschuhe, Sturmhauben, Beißschienen und Mundschutz sicher gestellt. Zudem hatten sich viele der Gewalttäter mit Sturmhauben, Tüchern oder Schirmkappen und Sonnenbrillen vermummt. Für Plickert lässt das nur eine Interpretation zu: "Hier wurde gezielt die Gewalt gesucht, und auch gezielt gegen die Polizei."

Die Gewerkschaft fordert nun unter anderem eine Verschärfung des Polizeigesetzes - wie zuletzt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Aus Angst vor Krawallen wurden damals Gewalttäter per Meldeauflagen von den Stadien ferngehalten, erinnert Plickert. Die Randale beim Derby in Dortmund zeige, "dass wir das jetzt wieder brauchen!", meint Plickert. Er fordert auch, dass polizeibekannten Gewalttätern künftig Aufenthaltsverbote, etwa bei Auswärtsspielen, auferlegt werden.

Polizei-Gewerkschaft fordert "Fußball-Staatsanwälte"

Bundesweit werden etwa 14.000 Fußball-Anhänger als gewalttätig oder gewaltbereit gezählt. In NRW dürften es laut Plickert 4000 sein. Beim Derby in Dortmund zählte die Polizei am Samstag insgesamt 1500 'Fans' aus dem aggressiven Spektrum, die in der Stadt marodierten - "da waren sozusagen alle verfügbaren Mann beider Vereine aufgelaufen", sagt Plickert.

Der Gewerkschafter fordert auch auf Seiten der Justiz eine 'Professionalisierung' in punkto Fan-Gewalt: "Wir brauchen spezielle Fußballstaatsanwälte", sagt Plickert. Mit Blick auf das Revierderby vom Samstag, heißt das: Wenn nun die Videoaufzeichnungen, etwa vom Stadionvorplatz, ausgewertet werden, dürfte es Monate dauern, bis eventuelle Verfahren gegen Gewaltfans tatsächlich vor Gericht landen. Viel zu lange, meint Plickert: "Täter haben dann keine Beziehung mehr zur Tat. Und die Beweisführung wird schwieriger". Gewalttäter im Fußball müssten eine schnelle Verurteilung fürchten. Doch der Rechtsbereich des "Landfriedensbruchs", aus dem heraus etwa Stein- oder Flaschenwürfe gegen Polizisten geahndet werden würden, sei juristisch kompliziert - deshalb die Forderung nach Staatsanwälten, die sich auf diesem Gebiet besonders auskennen.

"Wir stehen in dieser Saison am Scheideweg in Sachen Gewalt"

Ausschreitungen Mit Blick auf das Rückspiel in ein paar Monaten sieht Plickert nun "die üblichen Rituale" nahen: Etwa Appelle an die Vernunft der Fans durch die Vereine und die Polizei. Und Debatten an den "runden Tischen" gegen Fan-Gewalt. Alles sinnvoll, meint Plickert: Doch es helfe nicht mehr, wenn die Gewalttäter in dieser Massivität auftreten, wie am Samstag in Dortmund. Denn die Gewaltfans "sprechen nicht mehr mit der Polizei", sagt Plickert.

"Wir haben vor der Saison gesagt, wir stehen am Scheideweg in Sachen Gewalt", erklärt Plickert am Tag zwei nach dem Revierderby: "Die beiden Lager in Dortmund und Gelsenkirchen haben sich am Wochenende entschieden: Sie wollen in die Gewalttätigkeit wandern."

Kommentar Damit sieht Plickert auch die Vereine in der Pflicht, etwa indem sei ein "Folgeraster" verfügen: Vereinsanhänger, die als Gewalttäter auffallen, müsste der Rückhalt in den Vereinen entzogen werden, meint Plickert. Der Schaden für den Fußball sei sonst enorm, prophezeit Plickert und argumentiert mit einem Blick auf die Statistik: In der 1. und der 2. Fußball-Bundesliga gebe es pro Jahr knapp 18 Millionen Besucher in den Stadien, die überwiegende Mehrheit davon verhält sich friedlich. Plickert: "Man darf sich den Fußball nicht durch 14.000 Gewalttäter kaputt machen lassen."