Prozess um gefährliche K.o.-Tropfen beim Liebesdate

Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung muss eine Schülerin zwei Wochen Jugendarrest absitzen, ihr Ex-Freund (20) muss zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Die zur Tatzeit 16-Jährige hatte einen Geschäftsmann mit K.o.-Tropfen betäubt, damit ihr Freund die Wohnung leer räumen konnte.

Dortmund.. Romantisches Essen zu Zweit, als Aperitif gab es in dem luxuriösen Penthouse einen Wodka-Drink: Der wohlhabende Düsseldorfer Geschäftsmann war nach der Verabredung im Internet bestens für eine heiße Liebesnacht gerüstet. Doch das Abenteuer hätte ihn beinahe das Leben gekostet: Schachmatt gesetzt durch K.o.-Tropfen im Wodka, wäre er fast auf seiner Dachterrasse erfroren – und in der Zwischenzeit wurde seine Wohnung ausgeräumt.

Jener Abend des 15. April 2011 hatte gestern für eine junge Dortmunderin und ihren Ex-Freund bereits zum zweiten Mal ein Nachspiel vor Gericht. Die zur Tatzeit 16-jährige Schülerin und der Drahtzieher des Komplotts wurden schon vor dem Amtsgericht wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt: Die heute 17-Jährige zu zwei Wochen Jugendarrest, ihr erheblich vorbelasteter Freund muss zwei Jahre und drei Monate ins Jugendgefängnis. Ein Urteil, das die 31. Große Jugendkammer des Landgerichtes gestern bestätigte. Der ältere Cousin des Angeklagten sitzt als dritter im Bunde bereits eine Haftstrafe von mehr als drei Jahren ab.

„Wir dachten, der schläft nur ein bisschen“

„Wir dachten doch, der schläft nur ein bisschen und wird in zehn Minuten wieder wach. Deshalb haben wir auch nur schnell ein paar Sachen mitgenommen, wir dachten, wir hätten keine Zeit“, sagte das Mädchen auf der Anklagebank. In dem perfiden Plan, den sich ihr Ex-Freund ausgedacht hatte, gab sie den perfekten Lockvogel ab: Im Internet präsentierte sich die hübsche Schülerin als 23-Jährige, die solvente Herren gerne auch zu Hause verwöhnt. Aus Verliebtheit, so ihr Verteidiger Michael Titze, hat sie die kriminelle Idee ihres Freundes blind ausgeführt.

Opfer erwachte erst um sechs Uhr auf der Dachterrasse

Denn eines war von Anfang an klar: Man hatte es auf finanzstarke Opfer abgesehen – und mit dem Düsseldorfer Geschäftsmann biss genau der dicke Fisch an, den man sich gewünscht hatte. Stereo-Anlage, iPod, diverse Uhren: Der Wert der Beute betrug rund 10.000 Euro.

Doch dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte: Der durch K.o.-Tropfen schachmatt gesetzte Geschäftsmann erwachte erst um 6 Uhr morgens auf seiner Dachterrasse. Ein Rechtsmediziner hatte im Prozess erklärt, der Mann hätte in der kalten Aprilnacht auch erfrieren können.

„Das wollten wir wirklich nicht“

„Das wollten wir wirklich nicht“, beteuerte der Drahtzieher des Komplotts, der an der Seite seines Verteidigers Jens Jansen nach sechs Verwarnungen vergeblich um eine Bewährungsstrafe kämpfte. Da nutzte auch der zu Herzen gehende Appell seiner Mutter an das Gericht nichts, der mit den Worten schloss: „Bei einer Mutter stirbt die Hoffnung ja immer zuletzt.“