Prozess gegen Dortmunder filmenden Frauenarzt ist geplatzt

Der 55 Jahre alte ehemalige Frauenarzt beim Prozessauftakt. Er ist angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs in mindestens 50 Fällen. Foto: Medienbüro Artikel 5
Der 55 Jahre alte ehemalige Frauenarzt beim Prozessauftakt. Er ist angeklagt wegen sexuellen Missbrauchs in mindestens 50 Fällen. Foto: Medienbüro Artikel 5
Foto: Medienbüro Artikel 5
Was wir bereits wissen
Eklat im Prozess um den Frauenarzt, der in Dortmund heimlich Patientinnen gefilmt haben soll: Ein wichtiger Sachverständiger gilt als befangen.

Dortmund.. Nach einem Eklat ist am Montag der Prozess gegen den offenbar heimlichen filmenden Frauenarzt vorerst geplatzt. Der medizinische Sachverständige, auf dessen vorläufigen Einschätzungen weite Teile der Anklageschrift beruhen, war möglicherweise nicht völlig unparteiisch. Wir erklären, wie es jetzt weitergeht.

Prozess Im Prozess hatte der Professor zuletzt erklärt, bei der Bewertung der auf Video festgehaltenen Untersuchungen des Gynäkologen habe er "versucht, eine Grundlage für eine Anklage der Staatsanwaltschaft zu finden". Zusammen mit seinen Verteidigern Clemens Louis und Oliver Allesch hatte der Angeklagte den Sachverständigen daraufhin als befangen abgelehnt.

Der Professor habe deutlich gemacht, dass er nicht unvoreingenommen an seinen Auftrag herangegangen sei. Die Richter gaben diesem Antrag am Montag statt. Auch sie sparten nicht mit Kritik an dem Sachverständigen: "Der Gutachter sah seine Aufgabe offenbar darin, belastende Umstände festzustellen und den Angeklagten zu überführen. Damit hat er seine Aufgabe gründlich missverstanden. Er sah sich offenbar in der Rolle eines Staatsanwalts oder Richters und nicht in der eines unabhängigen Gutachters."

Im September könnte es weitergehen

Die Richter müssen nun einen neuen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragen. Auch dieser Mediziner wird dann die Filmaufnahmen auswerten, die der Angeklagte heimlich von seinen Patientinnen gemacht haben soll. Der Prozess wird damit frühestens im September wieder komplett von vorne beginnen.

Kommt der neue Gutachter zu dem Schluss, dass der angeklagte Frauenarzt doch keine sinnlosen und damit rein sexuell motivierten Untersuchungen vorgenommen hat, könnte sich der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs möglicherweise schon im Vorfeld als haltlos erweisen.