Prostituierte gibt „nur“ Prügel zu
26.07.2011 | 17:33 Uhr 2011-07-26T17:33:00+0200
Dortmund.Wer nicht spurte auf dem ehemaligen Straßenstrich, der bekam ein blaues Auge, verlor einen Büschel Haare oder nach einem Schlag mit der Eisenstange auch mal einen Zahn – so sieht es die Staatsanwaltschaft. Auf der Anklagebank des Landgerichtes saß jedoch gestern kein brutaler Zuhälter, sondern eine Prostituierte. Und eigentich hätten ihr noch drei Kolleginnen Gesellschaft leisten müssen.
Doch die drei bulgarischen Damen, die ebenfalls wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung angeklagt waren, haben im Vorfeld des Prozesses das Weite gesucht – während für die 24-Jährige am 25. Januar 2011 die Handschellen klickten. Abgetaucht sind auch die vier misshandelten Prostituierten. Nach Erstattung der Anzeige haben sie es vorgezogen, den Kontakt zu Polizei und Gericht abzubrechen. „Mit der Zustellung der Post hat es noch geklappt, die Polizei hatte einen relativ guten Überblick über die Szene“, erklärte der Vorsitzende Richter der 35. Großen Strafkammer Thomas Kelm. Doch seit Schließung des Straßenstrichs am 15. Mai gibt es keine offizielle Szene mehr: Angeklagte und Geschädigte seien seitdem schwer zu fassen, merkte auch Verteidigerin Ina Klimpke an.
Angeblich kein „Standgeld“ erpresst
Wie dem auch sei: Die Vorwürfe, so ließ die Angeklagte das Gericht wissen, träfen nur zum Teil zu. So will das Quartett zwar geprügelt, aber nie und nimmer im Auftrag eines Zuhälters gewaltsam von mindestens vier Prostituierten “Standgeld“ erpresst haben. 50 Euro pro Tag und Frau, so heißt es in der Anklage. Eine Dame namens Nina hatte bei der Polizei angegeben, 7500 Euro dafür gezahlt haben, dass sie in Ruhe an der Ravensberger Straße stehen durfte.
Dumpingpreise der Konkurrenz
„Blödsinn. Es ging nicht um dieses Geld“, widersprach die zierliche Frau. Vielmehr darum, sich gegen Dumpingpreise zu wehren und die Konkurrenz gefügig zu machen. „Wir waren etwa 20 Bulgarinnen. Und wir wollten denen sagen, dass sie so nicht arbeiten sollten.“ Denen – das waren jene vier Frauen, die ihre Dienste angeblich auch ohne Kondom anboten. „Ich nahm 20 bis 30 Euro, aber mit Gummi.Da blieben einige Kunden weg.“
„Das haben wir Frauen unter uns ausgemacht“
Also habe das Quartett die Konkurrenz in der Verrichtungsbox beobachtet, sei dann zur Tat geschritten. „Die Box war kaputt, man konnte ‘reingucken.“ Als der Kunde weg gewesen sei, „haben die anderen Nina Tränengas ins Gesicht gesprüht, ich habe sie geschlagen. Aber nur mit den Fäusten“. Und nicht etwa mit Eisenstange und Regenschirm. Ihr Zuhälter habe davon nichts gewusst. „Das haben wir Frauen unter uns ausgemacht.“ Der Prozess ist bisher bis September terminiert. Das Gericht will versuchen, auch Zeugen aus Bulgarien zu laden.
17:00
@ #5
Anders funktioniert es nämlich in unserem Rechtsstaat noch nicht.
Eine persönliche Zustellung durch Polizei- oder Justizbeamte ist jederzeit möglich, wenn es postalisch nicht anders funzt. Und da war die vormals klar definierte Arbeitsstelle eben von Vorteil.
16:24
zu 4: von vaikl, sollen dann die Postzusteller den Straßenstrich abgrasen um die Post zuzustellen?
Anders funktioniert es nämlich in unserem Rechtsstaat noch nicht. Die Beteiligten wären auch nicht greifbar gewesen, wenn der Strich noch existent wäre.
11:58
Ist ja interessant, was Richter und Verteidigerin in Bezug auf die Strichschließung und die resultierende Erschwernis ihrer Arbeit zu sagen hatten. Hat das Jemand schon ins Polizeipräsidium weitergeleitet?
06:52
Warum ergingen gegen die Ausländerinnen keine Sicherungshaftbefehle? M.W. dienen solche -mit dazugehöriger U-Haft- dazu, das Erscheinen vor Gericht zu sichern. Ausländer und Ausländerinnen scheinen im gegenwärtigen Deutschland für sie positive Sonderrechte (und fin. Sonderzuwendungen) zu genießen bzw. genießen zu können.
22:11
@1: Ich bin auch richtig geschockt, wo uns doch die Helfer immer wieder die Ponyhof-Atmosphäre beschrieben hatten.
Wie sieht es eigentlich mit der Einhaltung von Meldegesetzen aus? Interessieren die gar nicht mehr?
18:53
Zuhälter? Schwere räuberische Erpressung? Kann doch gar nicht sein. Laut der unheiligen Allianz aus Kober und Prostituierten war der Do Straßenstrich doch angeblich sicher ... und Standgelder wurden nie nicht gefordert.