Professor beschimpft Studenten der TU Dortmund als „hirnlose Hinterbänkler“
23.12.2011 | 06:00 Uhr 2011-12-23T06:00:00+0100
Dortmund. Besinnliche Weihnachtszeit – denkste. Marketing-Professor Hartmut Holzmüller bezeichnete einige seiner Studenten als „hirnlose Hinterbänkler“. Anlass: Ein Gastvortrag eines hochrangigen Managers wurde offenbar massiv gestört. Holzmüller sieht einen „beträchtlichen Imageverlust“ für die TU Dortmund.
Die Reihen sind dicht gedrängt, als am Mittwoch der hochrangige Henkel-Manager Hans-Willi Schroiff im Wirtschaftswissenschaften-Modul „Markt und Absatz“ einen Gastvortrag hält. Doch viele Studenten interessieren sich nicht für den Vortrag, sind mit den Gedanken und Gesprächen bei den Weihnachtsferien.
Das alleine ist nichts Neues in diesen Tagen, wäre wohl kaum einen Bericht wert. Doch der Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der TU Dortmund, Hartmut Holzmüller, war nach der Vorlesung bedient. Der Gast-Vortrag geriet offenbar zur Farce.
In einer äußerst empörten E-Mail richtete sich der Professor am Donnerstagmorgen an seine Studenten – und sprach von einem Verhalten, das „völlig unakzeptabel“ sei. Er vermisste „jede Form einfacher Höflichkeit“, kritisierte „laute und fortwährende Gespräche“, die den Auftritt des Marketing-Managers Schroiff (offizieller Titel bei Henkel: Vice President Market Research/Business) gestört hätten. „Alle Studierenden, die den Vortrag durch für mich unerklärliche Disziplinlosigkeit gestört haben, haben dem Standort Dortmund sehr geschadet“, erklärt Holzmüller. Viele hätten „offensichtlich nicht begriffen, dass Herr Schroiff ein Meinungsführer in der Branche ist“. Er werde mit einem „sehr negativen Eindruck“ zu Henkel zurückkehren und „kein gutes Bild unserer Fakultät zeichnen“. Damit, so Holzmüller weiter, „werden Versuche vereitelt, das Image unserer Fakultät in der Fachöffentlichkeit zu verbessern.“
Und Holzmüller legt nach: „Eine Gruppe von hirnlosen Hinterbänklern schadet damit dem gesamten Standort und verschlechtert für alle Absolventen die Aussicht auf Anstellung bei renommierten Unternehmen.“ Nicht unerwähnt möchte er lassen, „dass Sie meine Motivation, in dieser Lehrveranstaltung gute Lehre anzubieten, gegen Null gefahren haben.“
Papierflieger, Sonne reflektieren und kein Respekt
Dass gerade in den Wirtschaftswissenschaften an der TU Dortmund Lehrende mit respektlosen Studenten konfrontiert sind, ist kein neues Phänomen. In der Einführungsveranstaltung „Markt und Absatz“ werden Papierflieger gebaut, mit denen Professoren abgezielt werden sollen – und werden. Ebenfalls beliebt bei einigen Studenten: Sobald die Sonne scheint, werden die auf das Ziffernblatt von Uhren fallenden Strahlen in das Gesicht des Lehrenden reflektiert. Auch in den Sekretariaten des Lehrstuhls ist die Stimmung angespannt. Die Mitarbeiterinnen vermissen Respekt, Umgangsformen und Anreden und Klarnamen in E-Mails.
Holzmüller war am Donnerstag auf Nachfrage unseres Mitarbeiters nicht erreichbar. Auch der Gastredner Schroiff ist bereits im Weihnachtsurlaub. Den derzeit wohl alle Beteiligten, Studenten wie Lehrende, gut gebrauchen können.
23:53
und da sollen Studenten/Innen noch Hochachtung vor einem Inlands-Jobvernichter haben?
Vice President Market Research/Business werden in der freien Marktwirtschaft und auf Leitungsebenen ohne echte Funktionen nur noch solche Leute genannt oder dazu befördert, die nichts mehr zu sagen haben (besser nichts mehr verwertbares darauf haben!) und die man nicht mehr so schnell und preiswert los wird, weil sie zu viel an Unternehmen-"Internas" wissen! Außerdem: Die Sahne von heute ist der Käse von morgen!
02:44
Im Bereich BWL, zu dem ja auch Maketing gehört, sind die eigentlichen "hochwertigen Anschlüsse" sowieso an den privaten Hochschulen zu finden, an den öffentlichen Unis dürften in disem Fachgeiet eigentlich nur die Leute zu finden sein, die sich die privaten nicht leisten können.
15:34
wenn dem Prof nichts anders einfällt als: „offensichtlich nicht begriffen, dass Herr Schroiff ein Meinungsführer in der Branche ist“...
...tja, dann ist ihm nicht mehr zu helfen. Jedem selbst denkenden Bürger sollte bekannt sein, daß BWL der hirnloseste Quatsch ist, der ausschließlich Wichtigtuern weiterhilft. Wer nicht mit Fakten überzeugen kann, braucht wohl sowas wie "Meinungsführerschaft".
Super Pauschalurteil. Wohl noch nie im Leben was mit Betriebswirtschaft zu tun gehabt, geschweige denn Teilbereiche davon verstanden...
13:00
Zu Studenten die Manager ausbuhen, da kann ich nur sagen: Prima, Prima, Oberprima!
12:42
Und wieso ist das jetzt ne Nachricht wert? Der Prof hat sich per Email bei den Studenten beschwert ... und ist damit nicht ins TV gegangen oder zum örtlichen Rundfunk ... aber offenbar ist da einer der Studenten (oder sogar mehrere) kein bißchen kritik- und reflektionsfähig und muss diese Email jetzt an die große Glocke hängen. Also erst Sch**** bauen und sich dann noch empören, wenn sie zurecht gewiesen werden ... doch, durchaus gute Vorraussetzungen, um später in der Wirtschaft (oder gar Politik) Fuß zu fassen.
Man muss sich inzwischen schon fast schämen, Akademiker zu sein, bei all den Pöbeln mit Abschluss.
hilft diesen verzwirbelten Persönlichkeiten aber auch nicht. Der Fehler liegt wohl darin, dass eine bestimmte Quote an Abiturienten politisch gewollt ist.
Unter dieser Maßgabe leidet sowohl die Qualität als auch die soziale Kompetenz einiger Studenten.
Wenn ich mir die Berichte meiner Kinder und ihrer Bekannte anhöre, die vom Alltag an den Universitäten berichten, kann ich nur den Kopf schütteln. Da scheinen in der Tat einige niveaubefreite Zonen an den Unis zu sein.
Allerdings, und das ist wahr und tröstlich, verlassen die *Halbgebildeten* die Hochschulen recht zügig... was allerdings andere Probleme schafft.
Ein Teufelskreis !
11:10
Ich möchte mich hier auch einmal zu Wort melden, da ich bei besagter Vorlesung anwesend war. Zuerst einmal: Dass der Hörsaal gefüllt gewesen sein soll mit 17 jährigen "Kindern", kann ich so überhaupt nicht bestätigen. Ein Großteil der anwesenden Studenten war über 20. Des Weiteren kann ich auch den von Herrn Prof. Dr. Holzmüller bemängelten Geräuschpegel so eigentlich nicht bestätigen. Dass in einem Hörsaal, der um die 700 Studenten fasst, ein gewisser Geräuschpegel herrscht, ist meiner Meinung nach unvermeidbar und keine Neuigkeit. Tatsächlich war bei eben dieser Vorstellung möglicherweise der Geräuschpegel geringfügig größer als gewohnt, muss aber sagen, dass ich es selbst nicht als so schlimm empfunden habe, wobei ich persönlich auch relativ weit hinten saß und dies möglicherweise unten auf der Präsentationsfläche als deutlich schlimmer wahrgenommen wurde. Trotzdem war der Gastdozent zu jedem Zeitpunkt gut zu verstehen.
Ich persönlich fand den Vortrag von Herrn Prof. Schroiff sehr interessant und durchaus lehrreich.
08:23
Ich weiss nicht, was peinlicher ist, die Studierenden oder der Professor? Das was nicht stimmt mit diesen Studierenden ist evident und ich würde es als einen klassischen Fall von Reifeverzögerung verbuchen. Leider kann ich nichts über den Inhalt und die Form des Vortrages sagen, aber vielleicht war der auch nicht so ganz spannend. Die Reaktion des Profs aber ist interessant. Die beleidigte Leberwurst spielen, weil seine Studierenden seine Beziehung zur Industrie nicht zu würdigen wussten. Genau so albern wie seine Studierenden!
07:31
und wir haben in den Anfängervorlesungen auch Schwalben geworfen. Irgendwie war es allerdings so, daß die die Zahl der Papierflieger umgekehrt proportional zur Qualität der Vorlesung war. Je besser der Prof, desto ruhiger war seine Veranstaltung.
Wenn sich Prof. Holzmüller über eine große Zahl von Papierfliegern beschwert, dann haben seine Studis vielleicht nicht erst jetzt seine "Motivation, in dieser Lehrveranstaltung gute Lehre anzubieten, gegen Null gefahren".
Noch ein Wort an die Studentinnen und Studenten: Wenn Euch eine Vorlesung nicht interessiert, und keine Anwesenheitspflicht besteht: Einfach nicht hingehen! In der Unibiliothek gibt´s mit Sicherheit guten Lesestoff zum gleichen Thema.
mit Ihrem letzten Absatz eine richtige, konsequente Aussage formuliert. Dieser Empfehlung kann man zustimmen.
Mein Studium liegt schon länger als 20 Jahre zurück, allerdings kann ich mich, bei allem Schabernack, den wir getrieben haben, an keine Aktion erinnern, die annähernd so niveaubefreit war, wie kollektives Werfen von Papierfliegern. Zudem ist ein solcher *Streich* doch nur beim ersten Mal lustig, danach wird es eine billige Wiederholung.
Ich glaube vielmehr, dass der Einfluss der modernen Medien auf die Studenten viel zu groß geworden ist und ihr Verhalten negativ geprägt hat.
02:35
Eine soziale Qualifikation als RTW-Fahrer oder Zivi kann durchaus nützlich für den weiteren Berufsweg sein, im Studium allerdings spielen Selbstdisziplin und eigene Lernbereitschaft ohne Verschulungs-Zwang eine weitaus bedeutendere Rolle.
Ein WiWi-Absolvent, der trotz einer für ihn sinnlosen Veranstaltung an dieser aus reinem Zeitvertreib teilnimmt, wird später im Job selten mehr vergütbare Arbeit als die Hilfstätigkeit eines Beamer-Aufstellers in Meetings bekommen. Und sich dann fragen, warum man ausgerechnet dafür 5-6 Jahre seines jungen Lebens verschwendet hat.
02:25
Du kannst Dir sicher sein, dass diese Studenten - die übrigens zum Regelstudium ihre Volljährigkeit nachweisen müssen - genau diese Titelgeilheit als Ziel haben. Anders lässt sich mit hohlem Geschnatter und Papierflieger-Bauen nämlich kein Geld verdienen.
sehr schön bemerkt. Die meisten BWL Studenten haben wenig in der Birne aber einen gepflegten sozialen Hintergrund und meinen, es sei für sie einfach angemessen, daß sie irgendwann mal einen Führungsposten übernehmen.
;-) Haste auch wieder recht ...