Professor beschimpft Studenten der TU Dortmund als „hirnlose Hinterbänkler“

Zoff an der TU Dortmund: Der Lehrstuhl-Inhaber für Marketing  beschimpfte einige Studenten als „hirnlose Hinterbänkler“. Nicht die erste Auseinandersetzung dort.
Zoff an der TU Dortmund: Der Lehrstuhl-Inhaber für Marketing beschimpfte einige Studenten als „hirnlose Hinterbänkler“. Nicht die erste Auseinandersetzung dort.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Besinnliche Weihnachtszeit – denkste. Marketing-Professor Hartmut Holzmüller bezeichnete einige seiner Studenten als „hirnlose Hinterbänkler“. Anlass: Ein Gastvortrag eines hochrangigen Managers wurde offenbar massiv gestört. Holzmüller sieht einen „beträchtlichen Imageverlust“ für die TU Dortmund.

Dortmund.. Die Reihen sind dicht gedrängt, als am Mittwoch der hochrangige Henkel-Manager Hans-Willi Schroiff im Wirtschaftswissenschaften-Modul „Markt und Absatz“ einen Gastvortrag hält. Doch viele Studenten interessieren sich nicht für den Vortrag, sind mit den Gedanken und Gesprächen bei den Weihnachtsferien.

Das alleine ist nichts Neues in diesen Tagen, wäre wohl kaum einen Bericht wert. Doch der Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der TU Dortmund, Hartmut Holzmüller, war nach der Vorlesung bedient. Der Gast-Vortrag geriet offenbar zur Farce.

In einer äußerst empörten E-Mail richtete sich der Professor am Donnerstagmorgen an seine Studenten – und sprach von einem Verhalten, das „völlig unakzeptabel“ sei. Er vermisste „jede Form einfacher Höflichkeit“, kritisierte „laute und fortwährende Gespräche“, die den Auftritt des Marketing-Managers Schroiff (offizieller Titel bei Henkel: Vice President Market Research/Business) gestört hätten. „Alle Studierenden, die den Vortrag durch für mich unerklärliche Disziplinlosigkeit gestört haben, haben dem Standort Dortmund sehr geschadet“, erklärt Holzmüller. Viele hätten „offensichtlich nicht begriffen, dass Herr Schroiff ein Meinungsführer in der Branche ist“. Er werde mit einem „sehr negativen Eindruck“ zu Henkel zurückkehren und „kein gutes Bild unserer Fakultät zeichnen“. Damit, so Holzmüller weiter, „werden Versuche vereitelt, das Image unserer Fakultät in der Fachöffentlichkeit zu verbessern.“

Und Holzmüller legt nach: „Eine Gruppe von hirnlosen Hinterbänklern schadet damit dem gesamten Standort und verschlechtert für alle Absolventen die Aussicht auf Anstellung bei renommierten Unternehmen.“ Nicht unerwähnt möchte er lassen, „dass Sie meine Motivation, in dieser Lehrveranstaltung gute Lehre anzubieten, gegen Null gefahren haben.“

Papierflieger, Sonne reflektieren und kein Respekt

Dass gerade in den Wirtschaftswissenschaften an der TU Dortmund Lehrende mit respektlosen Studenten konfrontiert sind, ist kein neues Phänomen. In der Einführungsveranstaltung „Markt und Absatz“ werden Papierflieger gebaut, mit denen Professoren abgezielt werden sollen – und werden. Ebenfalls beliebt bei einigen Studenten: Sobald die Sonne scheint, werden die auf das Ziffernblatt von Uhren fallenden Strahlen in das Gesicht des Lehrenden reflektiert. Auch in den Sekretariaten des Lehrstuhls ist die Stimmung angespannt. Die Mitarbeiterinnen vermissen Respekt, Umgangsformen und Anreden und Klarnamen in E-Mails.

Holzmüller war am Donnerstag auf Nachfrage unseres Mitarbeiters nicht erreichbar. Auch der Gastredner Schroiff ist bereits im Weihnachtsurlaub. Den derzeit wohl alle Beteiligten, Studenten wie Lehrende, gut gebrauchen können.