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Problemfall Massen-Praktikum

14.12.2012 | 18:25 Uhr
Problemfall Massen-Praktikum
Beim Thema Praktikum haben viele Schüler Fragezeichen vor Augen.Foto: Thomas Schild

Dortmund.  Jedes Jahr bewerben sich bis zu 5000 Dortmunder Schüler - weil immer mehr leerausgehen, reagiert die Arbeitsagentur mit einem neuen Service.

Bis zu 5000 Dortmunder Schüler haben jedes Jahr beides: die Chance und die Schwierigkeit, ein Schülerpraktikum in Klasse 9 zu absolvieren. Die Chance: Weil Unternehmen mit Weitblick schon heute die Azubis von morgen kennenlernen können – und die Schüler ihren künftigen Beruf. Die Schwierigkeit: Die Hürden, einen der begehrten Plätze zu bekommen, werden von Jahr zu Jahr höher. Weil die Anfragen zunehmen, sind Plätze Mangelware. Eine Komplett-Übersicht des Angebots? Fehlanzeige. Die Arbeitsagentur will gegensteuern.

Warten auf Rückläufer

Elmar Schebaum, Rektor der Emscherschule in Aplerbeck, bedauert: Die Schüler aus den neunten Klassen hätten zuletzt massiv Probleme gehabt, überhaupt einen Praktikumsplatz zu finden. „Es ist ein Problem der Menge, wir haben mehr Schüler denn je, die ein Praktikum machen wollen - so viele Angebote gibt es bei uns nicht“.

Volker Maibaum, Hauptschullehrer und Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW sieht noch mehr Baustellen: „Die Schüler haben keinen großen Radius, sie suchen oft nur in der Nachbarschaft.“ Manche hätten nur vage Vorstellungen, was sie nach der Schule machen wollen. Manche wüssten schlicht nicht, wo und wen sie fragen sollen. Andere scheiterten an den hohen Anforderungen für beliebte Praktikumsstellen: „Wer zu Mercedes will, muss auch eine gute Bewerbung abgeben.“ Und viele zudem noch frühzeitig, weil Firmen, aber auch der Arbeitgeber wie die Stadt(-töchter) Vorlauf bräuchten.

Überhaupt spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle: Fast alle Schulen legen die Praktika in den Herbst oder Winter. „Die Abstimmung zwischen den Schulen ist schwierig.“ Zudem fingen die Schulen heute früher denn je an, mit den Schülern über Berufsvorstellungen zu sprechen. „Das geht schon in Klasse 5 los“, sagt Maibaum. An Hauptschulen gingen Schüler oft in Klasse 9 und 10 ins Praktikum. Eintagespraktika. Langzeitpraktika (ein Tag die Woche über Monate)... – „Das ist für manche Unternehmen zu viel.“

Numerus Clausus für Schülerpraktikum?

Wenn man nicht über „Vitamin B“ verfüge oder aus purer Not im Nagelstudio nebenan nachfragt – könne es eng werden, weiß Stefan Steinkühler, Bereichsleiter Berufsberatung bei der Arbeitsagentur: „Unternehmen haben von November bis Januar Tausende Anfragen.“ Manche legten die Messlatte so hoch, dass sie nur Schüler nehmen, die die Mittlere Reife haben/bekommen. Oder: Nur solche, die sie sich vorm Zug als Azubis für ihr Unternehmen vorstellen können.

Sabine Hanzen-Paprotta, Sprecherin der Arbeitsagentur: „Die Schüler haben keine Übersicht über alle Angebote, weil es die bisher einfach nicht gibt.“ Deshalb haben Arbeitsagentur, Jobcenter , Schulamt, IHK und HWK die Köpfe zusammengesteckt und beschlossen: alle 3500 ausbildungsberechtigten Unternehmen in Dortmund anzuschreiben mit der Bitte, ihre Praktikumsplätze zu nennen. „Dann können die Schüler endlich zielgerichtet suchen.“

Die Ergebnis-Übersicht soll so schnell wie möglich auf der Seite der Arbeitsagentur in der Jobbörse zu finden sein. Mit den genauen Zeiträumen. Mit den genauen Berufsbildern, die man kennenlernen kann. Mit konkreten Ansprechpartnern. „Sobald die ersten 200 Rückläufer da sind, legen wir los“, freut sich Steinkühler.

Peter Ring



Kommentare
16.12.2012
11:47
Problemfall Massen-Praktikum
von xxyz | #4

Es gibt sehr starke Unterscheide bzgl. der Schülerleistungen.

Es gibt Kids ab 14, die von den Eltern durch die Welt geschleppt werden, und viel in der Freizeit für ihre Bildung tun. Das Programm der Kids überschreitet die Zeiten von vielen Arbeitenden. Die Leistungen und Aussagen sind hier extrem gut.

Dann gibt es noch die unter 1-3 beschriebenen Leistungen.

Es fehlt der Mittelbau.

16.12.2012
07:57
Problemfall Massen-Praktikum
von bladimeri | #3

Man muss nur mal zu den entsprechenden Zeiten mit dem Bus fahren. Anhand der Gespräche zwischen den Schülern kann man deren Herkunft kaum ableiten - alle sprechen, als hätten sie einen Migrationshintergrund. Verständliche Sätze werden da nicht verwendet, es ist eine Mischung aus einfachsten Sprachniveau und Schimpfwörtern. Das gilt auch für Schülerinnen und Schüler, die an Gymnasien den Bus verlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nach Betreten der Schule auf verständliches Hochdeutsch umschalten werden.

15.12.2012
14:18
Problemfall Massen-Praktikum
von runningvalentino | #2

füge ein "s" ein, zu flink getippt :-)

15.12.2012
14:16
Wer genau...
von runningvalentino | #1

will es den Unternehmen verdenken, dass Sie Praktikanten, die möglicherweise ins Unternehmensprofil passen, bevorzugen?

Und die Messlatte soll mit der Vorgabe "Bitte FOR (mittlere Reife) " sehr hoch sein?

Die kognitiven Fähigkeiten des Durchschnittsschülers mit FOR sind heutzutage sehr, sehr überschaubar; im affektiven Bereich würde ich noch nicht einmal jeden Schüler nehmen, der die AHR attestiert bekommen hat.

Ganz sicherlich gibt es auch Ausnahmen, ohne Frage und meine Einlassung soll keinesfalls eine grobe Verallgemeinerung sein. Aber aus unsäglicher persönlicher Erfahrung und aus den Rückmeldungen durch die Betriebe weiß ich , das die Endprodukte schulischer Erziehung nicht selten "Ausschuss" sind. Das mag hart klingen, aber, wer mir nicht glauben will, möge einmal in diversen Betrieben nachfragen.

Oder auch gerne bei den Universitäten, unter dem Stichwort "Anspruch und Wirklichkeit".

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