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Premiere - der "Tatort" ist in Dortmund angekommen

18.08.2012 | 01:20 Uhr
In der Dortmunder Mordkommission arbeiten vier Kommissare unter Hochdruck: Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske).Foto: WDR/Willi Weber

Dortmund.  Die Premiere des ersten Dortmunder Tatorts war ein voller Erfolg. Die 1200 Zuschauer im BVB-Stadion applaudierten zum Abspann begeistert, das Ermittler-Quartett kommt gut beim Publikum an. Allen voran Hauptkommissar Faber, gespielt von Jörg Hartmann.

„Dieser Tatort wird Dortmund gut tun“, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau vor der Premiere vor 1200 Zuschauern im Dortmunder Stadion . Er könnte Recht behalten, denn die erste Dortmunder Folge der Kultserie zeigte viele Facetten der Stadt – nicht nur die hässlichen, aber auch kein geschöntes Bild. Der erste Blick über die Stadt offenbart sich nach knapp einer Minute und einem packenden Intro, gemixt aus einer Liebes- und einer Mordszene. Schnitt – der Phoenixsee ist im Bild.

Der OB war nach dem Film denn auch zufrieden. "Dortmund wird nicht verzerrt wiedergegeben", so Sierau. "Alles wirkte authentisch, der Charakter des Peter Faber gefällt mir richtig gut", lautet das Urteil des Oberbürgermeisters. Er sei nun gespannt, wie sich das Ermittler-Team finde und welche Facetten der Stadt noch gezeigt würden.

Mord im Homosexuellen-Milieu

„Alter ego“ heißt die erste Folge des Dortmunder Tatorts und spielt in der Schwulenszene . Doch ebenso wenig wie mit Homosexuellen-Klischees gespielt wird (von ein paar Ausnahmen vielleicht abgesehen), wird die Stadt allzu abziehbildmäßig dargestellt.

Tatort-Team: Dortmund (WDR) (dapd)

Natürlich gibt es rauchende Schlote unterhalb des Deusenbergs. Aber genauso zeigen die Macher herrschaftliche Anwesen und eben ganz viel vom ganz normalen Dortmund. Allerdings konnten sie dann doch nicht ganz aus den bekannten Ruhrpott-Klischees ausbrechen. Zum einen müssen gleich zwei Fördertürme - Zeche Zollern und das Colani-Ei in Lünen - als Kulisse herhalten. Zum Anderen haust gleich hinterm Phoenixsee ein Taubenvater , der geradewegs aus einem Ruhrpottalbum ausgeschnitten worden zu sein scheint. "Ein bisschen viel Klischee", so auch das Urteil von OB Sierau. Doch gerade diesem tapferen Mann gehört das stärkste Zitat des Films: "Warum lassen die Leute einen nicht in Ruhe, wenn man anders ist. Mich stört doch auch nicht, dass die alle gleich sind", klagt der Tauben- (und Mordopfervater) angesichts der vielen Neubauten und Neureichen am Phoenixsee.

"Dortmund ist spannend"

Dieses Spannungsverhältnis aus Alt und Neu gefällt auch Aylin Tezel, die die Nora Dilay verkörpert: "Dortmund ist rau und spannend. Es gibt positive und negative Seiten. Mich fasziniert die Mischung aus Tradition und neuen Entwicklungen. In dieser Stadt ist unheimlich viel Bewegung", so die aus Bünde stammende Deutsch-Türkin.

Ihr Kollege und Film-Vorgesetzter Jörg Hartmann alias Peter Faber sieht es ähnlich und ist sicher, dass die Stadt "nicht zu klischeehaft rüberkommt". In Dortmund zu drehen habe ihm als gebürtigem Herdecker großen Spaß gemacht. Doch erst jetzt habe er die Stadt richtig kennengelernt: "Ich hatte sehr viel Zeit, mich vorzubereiten und bin sehr viel zu Fuß unterwegs gewesen. So konnte ich die Stadt sehr intensiv erleben", schildert Hartmann seine Vorbereitungen auf Rolle und Stadt.

Anders als der erste Schimanski-Tatort "Duisburg-Ruhrort", geht die Dortmunder Serie nicht gleich in die Vollen. Der Film zeigt Figuren, wie es sie überall geben könnte. Dennoch ist die Stadt mehr als nur Kulisse. Das macht sich beim "BVB-Klingelton" bemerkbar, aber auch und gerade beim raubeinigen Hauptkommissar Faber, der angenehm unaufgesetzt ruhrpöttelt und ab und zu sogar ein "woll" in seine Sätze einfließen lässt. Die Nordstadt indes spart der erste Teil noch aus, sie wird in der zweiten Folge, die bereits abgedreht ist, Hauptschauplatz sein.

Premiere Tatort Dortmund

Zwischendurch wirkt Dortmund sogar fast stylisch, wenn bei Zwischenschnitten die Skyline bei Sonnenuntergang gezeigt wird - so setzen deutsche Filmemacher sonst nur Berlin in Szene.

Deutliches Entwicklungspotential haben die Charaktere , wobei Peter Faber allerdings die Riege der Psychos unter den Tatort-Kommissaren um einen äußerst starken Charakterkopf erweitert. Spannend ist die Figur allemal, wenn Faber sich in die Täter versetzt und plötzlich beginnt, das Verbrechen aus der Ich-Perspektive durchzuspielen. Da steht seiner Kollegin Martina Bönisch (gespielt von Anna Schudt) durchaus die Angst ins Gesicht geschrieben. Mit den Opfern hat es Faber nicht so, aber die klären ja auch keine Verbrechen auf. "Es macht großen Spaß, diese Figur mit diesem schwierigen Charakter zu spielen", so Hartmann mit leuchtenden Augen zu DerWesten. Faber macht auf jedenfall neugierig.

Schalker oder nicht Schalker?

Woher die kühle Logik und die spröde und trocken-humorige Art Fabers kommen, wird sich in den nächsten Folgen herausstellen müssen. Da will auch Hartmann nicht zu viel verraten: "Im zweiten Teil passieren richtig heftige Sachen", deutet er an. Bei einem Punkt allerdings hält Hartmann komplett dicht: In einer Szene outet sich Faber als Schalker - ernst gemeint oder nur ein unpassender Spaß, um den eingefleischten BVB-Fan Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske) zu ärgern? "Das verrate ich nicht", so Hartmann. Vielleicht auch besser.

TV-Premiere des ersten Dortmunder Tatorts ist am 23. September 2012, 20.15 Uhr, in der ARD.

Der Tatort in Dortmund

Drehstart für Tatort Dortmund

Das Dortmunder Tatort-Team

Stefan Reinke

Kommentare
20.08.2012
15:54
Premiere
von madedueni | #9

Unglaublich schon wieder die Kommentare hier. Wartet doch erstmal den Film ab bevors mit dem Motzen losgeht!
Und Tatorte sind immer noch...
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Premiere - der "Tatort" ist in Dortmund angekommen
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2012-08-18 01:20
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