Poststreik in Dortmund: Ende ist nicht in Sicht

Rund 250 Streikende haben am Donnerstag eine stille Kundgebung vor dem Briefzentrum der Post in Marten abgehalten. Wir haben das Streiklokal besucht - ein Ende des Konflikts ist eher nicht in Sicht.

Dortmund.. Donnerstagmorgen, in aller Frühe zwischen 4 und 5.30 Uhr, haben sich nach ihren Angaben rund 250 streikende Post-Mitarbeiter vor dem Briefzentrum der Post an der Revierstraße versammelt. Diese stille Kundgebung habe die anwesenden Führungskräfte der Post doch ziemlich beeindruckt, schilderten Teilnehmer hinterher.

Streiklokal der Post-Leute in der Schützenhalle

Ihr Streiklokal haben die sich im Ausstand befindlichen Mitarbeiter des Briefzentrums gut 300 Meter Luftlinie entfernt bezogen: in der Halle der Kirchlinder Bürger-Schützen von 1896. Wo sich sonst Grünröcke mit Bier zuprosten und ihren König küren, trinken in diesen Tagen gelb Uniformierte Kaffee und planen neue Streik-Aktionen.

"Wir wollen alle arbeiten", sagt der stellvertretende Arbeitskampfleiter Thorsten Burgsmüller - nur gehe die Post nicht auf die Forderungen von Verdi ein.

Gegen Paketzustellung durch "Delivery"

Es gehe, das will Burgsmüller noch einmal betonen, nicht in erster Linie darum, dass die Mitarbeiter mehr Lohn haben wollen. Das komme bei vielen Kunden so an. Wichtigste Forderung sei, dass die Post ihre Entscheidung zurücknimmt, die Paketzustellung von ihren neuen Tochterfirmen "Delivery" abwickeln zu lassen. Verdi rügt das als Tarifflucht.

Zumal die Gewerkschaft und viele Mitarbeiter fürchten, dass die Post mittelfristig auch die Briefzustellung in Töchter auslagert (das bestreitet die Post vehement). "Wenn die Post mit der Tarifflucht durchkommt, wäre das für andere Unternehmen ein Vorbild. Das darf nicht sein", sagt Verdi-Streikposten Thorsten Heimann. Ein Ende des Ausstands, das sagen die Streikenden in der Schützenhalle, sei derzeit nicht in Sicht.

Viele leere Briefkästen in Dortmund

Nach wie vor melden sich viele Dortmunder aus allen Teilen der Stadt in der Redaktion: Seit Tagen kommt bei ihnen keine Post an. Die Post betont zwar, dass 80 Prozent aller Briefe mehr oder weniger pünktlich ankommen.

Die vielen Meldungen von Lesern zu seit Tagen verwaisten Briefkästen lassen deutliche Zweifel daran aufkommen. Am Montagabend hatte unsere Redaktion elf Testbriefe zu Redaktionsmitgliedern nach Hause geschickt. Drei der Briefe sind am Donnerstag im Kaiserviertel, in Lütgendortmund beziehungsweise in Lüdenscheid angekommen.

Vergangenen Sonntag (21. Juni) hatte die Post deutschlandweit tausende Helfer Briefe und Pakete zustellen lassen. Auch in Dortmund kam Post an. Auf Anfrage verriet ein Post-Sprecher am Donnerstag nicht, ob für den kommenden Sonntag (28. Juni) wieder eine Zustellung geplant ist. Nach Informationen unserer Redaktion wurden allerdings zumindest Helfer dafür angefragt.