Polizei widerspricht Gerüchten um Dortmunder Stadtbahnunfall

In der Nacht zu Pfingstsonntag geriet ein 20-jähriger Fußgänger in Dortmund unter eine Straßenbahn und wurde mehr als drei Kilometer mitgeschleift.
In der Nacht zu Pfingstsonntag geriet ein 20-jähriger Fußgänger in Dortmund unter eine Straßenbahn und wurde mehr als drei Kilometer mitgeschleift.
Foto: Helmut Kaczmarek
Was wir bereits wissen
Nach dem schweren Unfall der Dortmunder Stadtbahn, bei dem ein Mann mitgeschleift wurde, hat die Polizei nun Details zum Ablauf veröffentlicht.

Dortmund.. Nach dem schweren Unfall eines 20-jährigen Dortmunders auf der Stadtbahnlinie U43 hat die Polizei jetzt Gerüchten widersprochen, die den Begleiter des Opfers betreffen. Sein Freund war unter die Bahn geraten und wurde mitgeschleift. Den Notruf wählte der Begleiter daraufhin aber nicht - dafür alarmierte seinetwegen jemand die Polizei.

Der 20-Jährige war am vergangenen Samstag (24.5.) aus noch unbekanntem Grund zwischen zwei gekoppelte Straßenbahnen gestürzt. Er wurde in der vorderen Achse des angehängten Wagens eingeklemmt. Bei dem Unglück verlor er beide Beine und einen Arm.

Polizei: Keine schnelle Aufklärung

Die Polizisten protokollieren jetzt Zeugenaussagen und bewerten die Spuren am Fahrzeug. Unfallspezialisten des Verkehrskommissariates untersuchen die Karosserie und weitere Bauteile der Bahn, in deren Achse der junge Mann eingeklemmt worden war. "Der genaue Unfallhergang lässt sich nicht in kürzester Zeit aufklären", sagt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt.

Unfall Die Polizei widersprach am Mittwoch Gerüchten, wonach ein Begleiter des verunglückten 20-Jährigen und damit Zeuge des Unfalls unmittelbar den Notruf 110 gewählt habe. Die Bahn hatte die Haltestelle "Knappschaftskrankenhaus" um 23.56 Uhr verlassen. Zwei Minuten später meldete ein Anrufer der Polizei einen am Boden sitzenden und hilflos und verwirrt wirkenden Mann. Wie sich später herausstellte, war er der Begleiter des Unfallopfers und hatte das Unglück gesehen.

Kiosk-Betreiber meldete Unfall

Ein Streifenwagen fuhr die Haltestelle "Knappschaftskrankenhaus" an. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei allerdings noch keine Informationen über den Unfall. Erst um 0.05 Uhr meldete ein Kiosk-Betreiber an der Haltestelle "Von-der-Tann-Straße" dem 110-Notruf die Hilferufe des eingeklemmten Unfallopfers.

Nach einer fast elf Minuten dauernden Fahrt auf insgesamt 3300 Metern zog ein Fahrgast die Notbremse. Die Feuerwehr befreite den Schwerverletzten. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Mehrere Fahrgäste und der Bahnfahrer mussten wegen eines Schocks behandelt werden. Gegen den Fahrer ermittelt die Polizei nicht.

Als Betreiber der Bahnlinie wertet später auch das Verkehrsunternehmen DSW21 die Untersuchungsergebnisse aus. Wie nach allen Unfällen wollen die Verantwortlichen klären, ob Betriebsabläufe oder Sicherheitssysteme verbessert werden müssen.