Polizei setzt noch mehr Personal in der Nordstadt ein

Anwohner und Einzelhändler der Münsterstraße erkennen keine großen Fortschritte in ihrem Quartier, obwohl die Polizei und die Stadt Dortmund mit viel Druck gegen Kriminelle vorgehen. Jetzt sollen noch mehr Polizisten für Sicherheit sorgen.

Dortmund.. Polizeipräsident Gregor Lange spricht von einem "kriminogenen Ort" mit 949 Straftaten im vergangenen Jahr und erläutert: "Schlechter geworden ist es an der Münsterstraße nicht. Wir haben keine neue Lage. Aus unserer Sicht ist dieser Bereich nicht gekippt."

Dennoch: Gregor Lange will in Absprache mit dem nordrhein-westfälischen Innenministerium mit noch mehr Personal gegensteuern und den bisher aufgebauten Druck anders verteilen. Der Jurist schränkt ein: "Langfristig ist immer mehr Personal keine Lösung. Die Ursachen der Kriminalität können wir nicht beseitigen und die Folgen einer negativen Entwicklung nur abmildern."

Schlechte Integrationschancen

Es reiche nicht aus, wenn sich die Polizei repressiv auf Personen stürze. Schlechte Integrationschancen oder fehlende Bleibeperspektiven seien so nicht zu verbessern, sagt der Polizeipräsident mit Blick auf ausländische Straftäter, die im Bereich Münsterstraße und im Keuning-Park mit Drogen handeln und andere Straftaten begehen.

Lange: "Es muss für grundlegende Veränderungen gearbeitet werden. Das ist eine politische Aufgabe." Von den Problemen betroffen ist auch das "Roxy"-Kino an der Münsterstraße 209. Direkt neben dem Eingang warten die Drogenhändler auf ihre Kunden.

Fehlender Respekt

"Viele Leute haben einen unangemessenen Respekt vor der Nordstadt", sagt Sascha Kirchhoff als einer der beiden Roxy-Geschäftsführer. Doch die verunsichert reagierenden älteren Stammkunden kann der Programmkino-Betreiber verstehen.

"Die Polizei hat mehr zu tun, als sie bewältigen kann", sagt der 36-Jährige - und ergänzt: "Vor einem Jahr hätte ich nicht gesagt, dass ich mich über noch mehr Polizei freuen würde." Das Roxy kämpfe Jahr für Jahr ums Überleben. Die Szenerie vor der Tür schade dem Geschäft. Der Überlebenskampf sei deshalb härter. Ein türkischer Lebensmittelhändler beklagt einen Umsatzrückgang von 40 Prozent.