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Mord

Polizei schließt niemals die Akte

18.01.2012 | 12:00 Uhr
Der Mord an Nicole Denise Schalla vom 14. Oktober 1993 ist noch nicht geklärt. Foto: privat

Dortmund. „So ein Fall beschäftigt mich schon über das normale Maß hinaus, wenn ein junges Mädchen, das sein ganzes Leben noch vor sich hat, umgebracht wird“, erzählt Kriminalhauptkommissar Uwe Block. „Wenn man es dann nicht schafft, den Täter zu fassen und man einen so persönlichen Kontakt zu den Eltern hat, dann nagt das schon.“ Gemeint ist der Tod von Nicole Denise Schalla.

Die 16-Jährige wurde am 14. Oktober 1993 in Kirchlinde, nur wenige hundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt, getötet. Nun setzen die Ermittler ihre Hoffnungen in die verbesserten Methoden der DNA-Auswertung, mit der sie hoffen, dem Täter fast zwanzig Jahre nach der abscheulichen Tat auf die Spur zu kommen. „Mord verjährt nicht“, betont Block. Und deshalb greife die Polizei Altfälle immer wieder auf. Den Aktendeckel bei Mord schließe man nie.

Nicole konnte ihren Mörder nicht hören

Der Tattag: Am Nachmittag des 14. Oktobers 1993 macht sich Nicole Denise Schalla mit Bus und Bahn zu ihrem Reitstall nach Bochum auf. Von da fährt sie nach Herne zu ihrem Freund. „Abends“, so fand die Kripo heraus. „ist sie dann auf dem Nachhauseweg in Castrop und in Kirchlinde an der Post umgestiegen.“ Gegen 22.45 Uhr, daran erinnerte sich später der Busfahrer, stieg sie an der Haltestelle Jungferntal aus, nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt, und machte sich auf den Heimweg.

Zu Hause aber kam sie niemals an. Nicole hat ihren Mörder wahrscheinlich nicht kommen hören. Über Kopfhörer hörte sie Musik aus einem Walkman. Der Walkman wurde später am Tatort gefunden. Er war eingeschaltet, die Batterie war leer. Am nächsten Morgen fand eine Zeitungsbotin kurz vor 8 Uhr die Leiche der 16-Jährigen in der Einfahrt zum dortigen Schulgelände.

„Wir wissen nicht, ob auch der Täter in den Bus gestiegen ist“, so der Kriminalhauptkommissar. Der Busfahrer habe berichtet, dass neben der 16-Jährigen noch ein weiterer Fahrgast am Jungferntal ausgestiegen sei. Von ihm wird ein Phantombild gezeichnet, damals noch ohne Computeranimationen, einfach gezeichnet. „Ob er der Täter ist, ob er Nicole gar nicht beachtet hat, das wissen wir nicht“, erklärt Uwe Block.

Keine Spur des Täters

Trotz der markanten Erscheinung kann man den jungen Mann nicht ausfindig machen. Vier Tage nach der Tat finden Kinder den Rucksack des getöteten Mädchens an einer Fußgängerbrücke über die A 45, etwa drei-, vierhundert Meter vom Tatort entfernt. Aus dem Rucksack, so stellt sich später raus, fehlen ein Schirm, ein Knirps, sowie eine O’Neill-Geldbörse. Beide Gegenstände sind bis heute verschwunden.

„Wir haben Hunderte von Spuren und Hinweisen verfolgt“, schildert Uwe Block. Man habe das persönliche Umfeld von Nicole Schalla abgeklopft, Hausbefragungen rund um den Tatort durchgeführt, auch Ermittlungen an den verschiedenen Haltestellen durchgeführt und am Reitstall – „Aber nichts führte zum Täter“, sagt Block. Auch durch eine Ausstrahlung in „XY ungelöst “ und die Auslobung einer Belohnung von 5000 DM kamen keine entscheidenden Hinweise.

„Wir haben den Fall dann 2000 noch einmal aufgegriffen“, erklärt der Ermittler. Schon damals habe es neue Methoden gegeben, um DNA -Analysen vorzunehmen. Doch das erbrachte noch nicht den erhofften Durchbruch. „Heute ist man nochmals ein Stück weiter als im Jahre 2000“, hofft Uwe Block. Mit viel, viel geringen Mengen DNA als früher kann man heutzutage weiterarbeiten und DNA-Muster sichtbar machen. Die Spurenträger von damals sind noch vorhanden. Man warte nun auf die Auswertung.

Regelmäßiger Kontakt zu den Eltern

In den vergangenen Jahren habe er regelmäßig die Eltern besucht, so Uwe Block. Er habe ein sehr gutes und persönliches Verhältnis zu den Schallas aufgebaut, die an jedem Todestag eine Anzeige in der Zeitung aufgeben, um an ihre Nicole zu erinnern. „In Phasen, in denen nichts passiert ist, habe ich ihnen versucht, das zu erklären.“ Die Eltern seien sehr geduldig, hoffen nur, dass der Tod ihrer Tochter einmal aufgeklärt wird. Und eben jetzt habe man wieder Hoffnung geschöpft.

„Natürlich haben wir uns immer wieder mit Appellen an die Öffentlichkeit gewandt“, so Block. Es habe auch immer wieder Hinweise gegeben, aber bislang leider nicht den entscheidenden.

Vielleicht sei ja heute jemand dabei, der sagt: „Damals habe ich die ganze Sache anders gesehen, jetzt bin ich erwachsen und wende mich endlich an die Polizei.“ Das Versprechen für die Belohnung von damals steht noch, bestätigt die Staatsanwaltschaft Dortmund.

Hinweise an die Polizei Dortmund bitte unter der Rufnummer  132 – 7999.

Blaulicht-Report 2011

Andreas Winkelsträter



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