Polizei rechtfertigt Vorgehen bei erfundener Vergewaltigung

Am Dortmunder U soll die Frau in ein Auto gezogen worden und vergewaltigt worden sein - anscheinend eine Lügengeschichte, wie sich kürzlich herausstellte.
Am Dortmunder U soll die Frau in ein Auto gezogen worden und vergewaltigt worden sein - anscheinend eine Lügengeschichte, wie sich kürzlich herausstellte.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Polizei sieht keine Ermittlungsfehler im Fall der vorgetäuschten Vergewaltigung. Anwalt: "Der Blick für solche Täuschungen wurde geschärft."

Dortmund.. Die Dortmunder Polizei hat ihr Vorgehen im Fall der vorgetäuschten Vergewaltigung einer 22-Jährigen verteidigt. Ein Anfangsverdacht sei ausreichend, um mit einer offiziellen Mitteilung auf Zeugensuche zu gehen, so eine Sprecherin der Polizei.

Rückblick: An einem Sonntag Ende Juli meldete sich eine junge Frau aus Soest bei der Dortmunder Polizei und berichtete, sie sei in der vergangenen Nacht am Dortmunder U in ein Auto gezerrt und vergewaltigt worden. Darauf veröffentlichte die Polizei eine Pressemitteilung, um öffentlich nach Zeugen zu suchen - inklusive Beschreibung der vermeintlichen Täter.

Vergewaltigung war nur vorgetäuscht

Inzwischen weiß man: Es hat keine Vergewaltigung gegeben. Die Frau hat sich bei mehreren Vernehmungen in Widersprüche verstrickt und inzwischen eingeräumt, die Vergewaltigung vorgetäuscht zu haben, eine "Schutzbehauptung", wie sie gegenüber der Polizei sagte.

Foto-Fahndung " Wie intensiv eine Aussage geprüft wird, ist vom Einzelfall abhängig", sagte die Polizeisprecherin. Im Fall der 22-Jährigen hätte ihre detaillierte Schilderung der Tat ausgereicht, um die Fahndung zu beginnen.

"Nicht direkt unterstellen, man hätte alles erfunden"

Auch Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht und Rechtsblogger aus Düsseldorf, bewertet die Arbeit der Polizei als korrekt. "Die Polizei verpflichtet sich nun einmal eine Straftat aufzuklären. Und sie hatte nur die Anzeigenerstatterin zur Verfügung", sagt Vetter. "Solche Fälle kommen nicht so oft vor, dass man den Opfern direkt unterstellen sollte, sie hätten alles erfunden".

Bei seiner Arbeit als Strafverteidiger habe Vetter jedoch die Erfahrung gemacht, dass Richter und Polizisten seit dem Prozess um Jörg Kachelmann ihren Blick auf mutmaßliche Sexualstraftaten geschärft hätten. "Es ist eine gewisse Vorsicht eingekehrt", sagt Vetter. Dass Fälle vorgetäuschter Vergewaltigung häufiger in den Medien auftauchen, liegt nach Meinung von Vetter deshalb weniger an einer Zunahme der Täuschungen - sondern eher daran, dass diese häufiger auffliegen.

Keine bewussten Lügen

Franz Bons, Leiter der Opferhilfe "Weisser Ring" im Kreis Mettmann, glaubt, dass man vielen Vergewaltigungsopfern mit solch einem schärferen Blick keinen Gefallen tue. "Viele vergewaltigte Frauen machen erst spontan eine Anzeige und bekommen dann Angst vor dem Strafverfahren - oder dem Täter. Sie glauben: Ich kann das doch eh nicht beweisen und machen dann einen Rückzieher", so Bons. Gerade bei Sexualstraftaten sei die Beweislage oft schwierig.

In den Medien würden die Frauen dann als Lügnerinnen dastehen, aber in seinem 13 Jahre langem Schaffen beim "Weissen Ring" habe Bons noch keinen Fall erlebt, bei dem eine Frau eine Vergewaltigung erlogen hatte, um jemanden zu schaden. "Oft gibt es Fälle, bei denen Frauen nicht bewusst lügen, sondern sich vergewaltigt fühlen - obwohl nach Tatbestand des Strafgesetzbuches keine Vergewaltigung vorliegt", erklärt Bons.

Ob das auch auf den Dortmunder Fall zutrifft? Spekulation. Bons: "Sicher ist nur, dass man bei solch intimen Themen immer ganz vorsichtig sein sollte". Gordon Wüllner

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In einer älteren Fassung des Textes stand in der Einleitung "Die Unwahrheit gesagt, aber keine Fehler erkannt: Die Dortmunder Polizei hat ihr Vorgehen im Fall der vorgetäuschten Vergewaltigung einer 22-Jährigen verteidigt." Da mit dieser Formulierung impliziert werden kann, dass die Dortmunder Polizei wissentlich eine Falschmeldung verbreitet hat, wurde der Satz entfernt. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Die Redaktion