Polizei in Dortmund setzte Schlagstöcke gegen Antifa ein

Am Westentor setzte die Polizei Schlagstöcke gegen Antifa-Demonstranten ein - zuvor waren Böller geworfen worden.
Am Westentor setzte die Polizei Schlagstöcke gegen Antifa-Demonstranten ein - zuvor waren Böller geworfen worden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zum zehnten Todestag des Punkers Thomas Schulz zog ein brisanter Demo-Marathon mit Neonazis, gewaltbereiten Hooligans und zahlreichen Gegendemonstranten durch Dortmund.

Dortmund.. Ein Aufmarsch von mehr als 500 Rechtsextremisten in Dortmund ist am Samstag weitgehend friedlich verlaufen. Es kam laut Polizei nur zu kleineren Zwischenfällen – die Beamten leiteten Verfahren unter anderem wegen Körperverletzung und Beleidigung ein.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau dankte am Sonntag allen Bürgern, die friedlich Flagge gegen den Aufmarsch der Neonazis gezeigt hätten. Sie hätten so dem Versuch der Rechtsextremen, einen feigen Mord zu feiern, die Stirn geboten und deutlich gemacht, dass für dieses abscheuliche Gedankengut kein Platz in Dortmund sei.

Großaufgebot der Polizei hielt Gruppen auseinander

Ein Großaufgebot der Polizei hielt den Marsch, der von Mitgliedern der Gruppierung "Hooligans gegen Salafisten" unterstützt wurde, auf Distanz zu mehr als 2000 Gegendemonstranten.

Die Kundgebungen fielen kleiner aus als erwartet. Die Polizei hatte vorher mit mehreren tausend, teils gewaltbereiten Demonstranten auf beiden Seiten gerechnet und einen der schwierigsten Einsätze seit Jahren befürchtet. Allerdings wurden mehrere Polizisten verletzt sowie Messer und Baseballschläger sichergestellt.

Nach Angaben der Polizei kam es im Tagesverlauf zu einzelnen Zwischenfällen. Eine Gruppe Linksautonomer habe versucht, eine Absperrung zu durchbrechen. Später seien Flaschen und Böller geflogen. Zum Abschluss eines Demonstrationsmarsches von Linken, bei denen ebenfalls Böller flogen, griff die Polizei mit dem Schlagstock ein und zog mindestens fünf Teilnehmer aus den Reihen. Die Beamten stellten Personalien fest und erteilten Platzverweise.

Den Schlusspunkt des Neonazi-Aufmarsches setzte ein Rechtsrockkonzert in der Nähe des Signal-Iduna-Parks von Borussia Dortmund, das ebenfalls von der Polizei abgeschirmt wurde. Aus Protest gegen das Konzert schaltete der BVB die sonst weithin sichtbare Stadionbeleuchtung aus. Der Verein wolle Neonazis keine Kulisse bieten, hieß es in einer Mitteilung.

Rechte und Punks geraten in Zug aneinander

Bei der Abreise der Demonstrationsteilnehmer kam es am Abend zu mindestens einem Zwischenfall. Im Regionalexpress Richtung Essen habe eine Gruppe Rechter die Auseinandersetzung mit einer Gruppe von Punks gesucht, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. Die Bundespolizei nahm mehrere Menschen in Gewahrsam und leitete Ermittlungsverfahren ein.

Die Polizei setzte bei den Demonstrationen Tausende Beamte aus ganz Deutschland ein. Ein Aufmarschverbot der Polizei hatten Gerichte zuvor aufgehoben. Anlass der Kundgebungen war ein Jahrestag: Vor genau zehn Jahren hatte ein Dortmunder Rechtsextremist den Punker Thomas "Schmuddel" Schulz in einer U-Bahn-Station erstochen.

Das war der Tag in Dortmund in unserem Liveticker

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