Polizei in Dortmund setzt beim Fußball-Einsatz auf Teamwork

Die Dortmunder Reiterstaffel beim Fußballeinsatz vor dem Signal Iduna Park.
Die Dortmunder Reiterstaffel beim Fußballeinsatz vor dem Signal Iduna Park.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Die Planungen für einen Fußballeinsatz der Polizei beginnen oft schon Wochen vor dem Anpfiff. Denn Fußball ist Teamwork, nicht nur auf dem Rasen, auch für die Ordnungshüter. Die WR begleitete die Polizei beim Einsatz anlässlich des Champions League-Spiels zwischen dem BVB und Manchester City.

Dortmund.. Fußball ist Teamwork, nicht nur auf dem Rasen, auch für die Polizei. Oft Wochen vor dem Anpfiff beginnen die Planungen für die „Besonderen Lagen“. Planungen bis ins letzte Detail mit einem eingespielten Team. Mensch, Tier und Technik müssen passgenau aufeinander abgestimmt werden. Da müssen viele Rädchen ineinander greifen. Das Ziel: ein Aufeinandertreffen gewalttätiger Fans verhindern. Zwischen den Fanlagern: an manchen Tagen weit über 1000 Polizisten.

Planungsphase

„Unsere ersten Vorbereitungen haben mit der Auslosung der Gruppen begonnen“, erklärt Polizeikommissar Sven Sauerländer, einer der Einsatzsachbearbeiter – bei einem großen Treffen der UEFA mit allen beteiligten Mannschaften im August. Erfahrungs- und Informationsaustausch mit den Kollegen aus Madrid, Manchester und Amsterdam. Generell sind Fragen zu klären wie: Welche Fans kommen? Wie verhalten sie sich? Zünden sie Pyrotechnik? Sind Schlägereien an der Tagesordnung? Wie haben sie sich bislang verhalten?

2900 Manchester-Fans

Erste Antworten für Manchester: Rund 2900 Fans kommen, kaum gewaltbereite Gruppen. „Kommunikation und Transparenz sind für uns das A & O“, betont Einsatzleiter Andreas Wien. Parallel dazu kommen Informationen über die Zentrale Informationsstelle Sport (ZIS), die Woche für Woche Infos über Fanverhalten bundesweit sammelt. Mit der Aussage „die Briten wollen kommen, um friedlich zu feiern und Glühwein zu trinken“, soll Sauerländer Recht behalten. Natürlich sei bei der Planung auch wichtig: Wie brisant ist ein Spiel? Geht’s um den Gruppensieg, um die Meisterschaft, den Abstieg? Steht ein Derby an? Und da gebe es auch keine Unterschiede zwischen Bundesliga- oder 3. Liga, Champions League oder Pokal. „Entscheidend ist“, so Wien: „Wie heißt der Gast?“

Szenekundige Beamte (SKB)

Sie kennen ihre Pappenheimer bestens, sind „offensiv zivil“ unterwegs, so Polizeioberkommissar Dirk Burmann, einer der SKBs. Egal ob bei Heim- oder Auswärtsspielen – sie sind dicht dran an den Problemfans, erkennen, wie sich deren Verhalten entwickelt und können schnell uniformierte Kräfte herbeirufen. „Wir können schnell Personen aus der Anonymität herausholen“, sagt Burmann. Das führe dazu, dass man Straftäter schneller überführen könne. Und Manchester? „Die Fans freuen sich auf ,The German Weihnachtsmarkt’. Keine Probleme.“ Erfahrung sei wichtig. Denn gewisse Regeln müsse man beherzigen. So könne man Hooligans direkt ansprechen, Ultras nur über deren Anführer. Es gebe immer wieder neue Gruppierungen mit 10 bis 15 Personen, „die nur zum Fußball kommen, um Randale zu machen“. Je eher man diese fest im Visier habe, desto näher komme man dem Ziel eines friedlichen Fußballfest.

Einsatzhundertschaft (EHu)

„Ein Einsatz in normaler Uniform ist seit einigen Jahren nicht mehr möglich“, blickt Polizeihauptkommissar Dirk Puppe, Leiter der Einsatzhundertschaft auf die zunehmende Gewaltbereitschaft einiger, weniger Fans. Deshalb Einsatzanzug, darunter Protectoren, so Puppe, der mit seinen Kollegen stets die Fan-ströme im Blick hat. Und wenn’s hart auf hart kommt, dann stehen sie zwischen den gewaltbereiten Fans, um sie zu trennen. Eng sei die Verzahnung mit den SKBs. Doch auch seine EHu-Kollegen, die wie viele andere Kollegen oft stundenlang im Dauereinsatz sind, würden mittlerweile die Dortmunder Problemfans kennen. „Doch das ist angesichts von 80.000 Fußballfans zum Glück nur ein geringer Anteil“, so Dirk Puppe.

Reiterstaffel

„Wir können schon mal einen Bösewicht zur Seite schieben“, erklärt Roman Leyendecker, Chef der Reiterstaffel. Vom Rücken der Pferde habe man die beste Übersicht, könne auch in einiger Entfernung sehen, wie sich Fanströme entwickeln. „Unser Einsatz hat nichts mit einem romantischen Ausritt bei Sonnenuntergang zu tun“, so Leyendecker. Das sei harte Arbeit, höchste Anspannung. Denn die Situation könne jederzeit eskalieren.


Befehlsstelle im Stadion

„Hier laufen alle Informationen zusammen“, erklärt Polizeihauptkommissar Robert Grosch in der Befehlsstelle. Vollgestopft mit modernster Kommunikations- und Videotechnik ist diese Leitzentrale. „Bei Risikospielen ist manchmal so viel zu tun, dass wir gar nicht den Spielstand kennen“, so der PHK. Herzstück ist die Videoanlage. Zum einen sind da sogenannte 25 Dome-Kameras, mit denen man alles im und außerhalb des Stadions aufnehmen kann. „Zudem verfügen wir seit Saisonbeginn über drei hochauflösende Panomera-Kameras“, so Grosch.

Und diese filmen die komplette Süd- oder Nordtribüne ab, sind ständig eingeschaltet. So könne man erkennen, wer Schlägereien angezettelt oder Pyrotechnik gezündet habe. Das sei wichtig für die Beweissicherung für Gerichtsverfahren. „Und die Auflösung der neuen Kameras ist so hoch, dass man sehr gute Fahndungsbilder hat“, erklärt Grosch.