Polizei Dortmund nutzt Facebook zur Eigenwerbung — nicht zur Fahndung
21.09.2011 | 09:00 Uhr 2011-09-21T09:00:00+0200
Dortmund.Mehr als 30 000 Fans hat die Polizei Hannover auf ihrem Facebook-Profil. Die Kollegen in Dortmund haben in dem Sozialen Netzwerk weniger als 300 Freunde. Ursache für die größere Sympathie der Hannoveraner Gesetzeshüter auf Facebook: Die Kollegen aus Niedersachsen verbreiten auf ihrem Profil seit Februar dieses Jahres Fahndungsmeldungen und ermöglichen anderen Facebook-Nutzern diese zu teilen und dadurch weiterzuverbreiten.
Mit Erfolg: Schon acht Fälle aus verschiedenen Bereichen wie Sexualdelikte oder Vermissten-Meldungen konnten mit Unterstützung der Facebook-Jünger aufgeklärt werden, so Thorsten Schiewe von der Polizei Hannover.
Das Facebook-Profil der Dortmunder Polizei wird hingegen vorrangig zur Personalwerbung genutzt. Die Pinnwand-Einträge sind größtenteils Verlinkungen auf den Azubi-Blog der offiziellen Internet-Präsenz. Statt Fahndungsfotos lächelt einem dort der Dortmunder Polizei-Nachwuchs entgegen.
Dortmunder Polizei hadert mit dem Datenschutz
Die Facebook-Offensive in der niedersächsischen Landeshauptstadt startete zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes bis Ende August und wird nun fortgeführt. „Derzeit wird der Bericht über das Projekt im niedersächsischen Landesministerium geprüft“, sagt Schiewe – unter anderem auch dahingehend, ob es „datenschutzrechtlichen Forderungen standhält“, so der Polizeisprecher.
Der Datenschutz sei gerade einer der Gründe, warum die Dortmunder Beamten den Schritt in die (soziale) Netzwerk-Fahndung noch nicht angetreten haben, so Cornelia Weigandt. „Wir warten auf eine landesweite Regelung, damit wir aus datenschutzrechtlicher Sicht in trockenen Tüchern sind“, sagt die Pressesprecherin.
Einheitlicher Auftritt aller 50 Polizeibehörden in NRW
Wann es diese landesweite Regelung geben wird, ist aus dem NRW-Innenministerium nicht zu erfahren: „Wir sind gerade in intensiven Überlegungen, in die Planungen einzusteigen“, gibt sich Wolfgang Beus vom Innenministerium vage. Neben der Einhaltung des Datenschutzrechts müsse auch das einheitliche Auftreten der 50 Polizeibehörden in NRW gewährleistet sein – und: „Wir müssen überlegen, welche Kanäle wir bedienen, und einem Wildwuchs Einhalt geben“, so Beus.
20:44
Da wo die staatlichen Institutionen ihr Hoheitsgebiet verlassen und auf ein Netzwerk setzen, dem der Begriff Datenschutz gänzlich fremd erscheint, sollte man allerdings sehr kritisch sein.
EInmal da Profil gehackt, und man hat beinahe keinerlei Einfluss mehr auf das, was da verbreitet wird.