Polizei Dortmund blitzt jeden 22. Fahrer - aber Blitzmarathon war Erfolg

Dortmunds Polizeipräsident Norbert Wesseler (re.) besuchte eine Messstelle in Mengede beim zweiten Blitz-Marathon am 3. Juli 2012. Links Einsatzleiter Günther Overbeck.
Dortmunds Polizeipräsident Norbert Wesseler (re.) besuchte eine Messstelle in Mengede beim zweiten Blitz-Marathon am 3. Juli 2012. Links Einsatzleiter Günther Overbeck.
Foto: WNM
Was wir bereits wissen
Die endgültige Bilanz der Polizei Dortmund nach dem zweiten Blitz-Marathon fällt nicht so günstig für die Autofahrer aus: Jeder 22. Gemessene war zu schnell. „Spitzenleistungen“ wurden auf den Autobahnen erzielt, der Schnellste war 76 km/h „drüber“. Es gab Fahrverbote, Drogendelikte und einen Haftbefehl.

Dortmund.. Nach der vorläufigen Bilanz liest sich das Gesamtfazit der Polizei Dortmund doch etwas anders als am Vortag. Beim ersten Blitzmarathon im Februar 2012 war „nur" jeder 53. gemessene Autofahrer zu schnell, bei der Folge-Aktion am Dienstag jedoch jeder 22. Autofahrer. Besonders auf den Autobahnen gab manch einer richtig Gas. Trotz der frühzeitigen Ankündigung in den Medien hielten sich 3118 Fahrzeugführer nicht an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen und wurden verwarnt bzw. angezeigt. Vier „Raser“ müssen nach dem Blitzmarathon mit einem Fahrverbot rechnen.

Im Vergleich zum ersten Blitzmarathon im Februar diesen Jahres mit 45.575 gemessenen Autos an 105 Messstellen und 863 Verstößen hat die Polizei Dortmund bei der Folge-Aktion 69.658 Fahrzeuge an 146 Messstellen (115 Bürgermeldungen) kontrolliert und 3118 Verstöße festgestellt.

24 Stunden waren mehr als 250 Beamte des Polizeipräsidiums Dortmund im Rahmen des landesweiten Blitzmarathons in den Städten Dortmund, Lünen und auf den Autobahnen unterwegs. Auch die Stadt schickte einige Messfahrzeuge mit 16 Ordnungsamt-Mitarbeitern „ins Rennen“.

Raserei auf Autobahnen

„Schnellster“ im Zuständigkeitsgebiet: Mit 156 km/h war ein Autofahrer auf der A45 im Bereich Dortmund-Süd unterwegs. Er raste durch eine Baustelle, in der nur 80 km/h gefahren werden darf. 76 km/h zu schnell bedeuten: Fahrverbot. Auch auf der A1 überschritt ein Fahrzeugführer die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei zulässigen 60 km/h: Nach Abzug der Toleranz war er mit 128 um 68 km/h mehr als doppelt so schnell. Schon am Nachmittag hatte Einsatzleiter Günther Overbeck gemutmaßt: „Vor allem an einer Nachtbaustelle auf einer Autobahn wird’s rappeln“, so der der Leitende Polizeidirektor, der für 2012 noch einen dritten Blitz-Marathon in Aussicht stellte.

Im innerstädtischen Bereich war es nicht besser. Auch hier müssen zwei „Raser“ den Führerschein abgeben. In einer 30er Zone in Lütgendortmund (Volksgartenstraße) blitzte die Polizei einen Dortmunder mit 61 km/h: Für die Überschreitung um 31 km/h setzte es ein Fahrverbot. 35 km/h schneller war ein anderer Fahrer bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h unterwegs. Auch hier droht ein Fahrverbot.

Spitzenreiter außerorts 39 km/h zu schnell

Der Spitzenreiter außerhalb geschlossener Ortschaften wurde mit 89 km/h bei erlaubten 50 km/h auf der Stockumer Straße geblitzt. Großes Glück hatte ein Motorradfahrer: Der rauschte mit geschätzten 200 Sachen bei erlaubten 100 km/h an einer Messstelle vorbei, doch die Beamten hatten das Messgerät noch nicht startklar.

Blitz-Marathon Zusätzlich stellten die Beamten 40 Gurtverstöße fest. Vier Autofahrer standen unter Drogeneinfluss und mussten sich eine Blutprobe abgeben. Zu 26 sonstigen Verstößen gehörten Telefonieren während der Fahrt und Verstöße gegen das Zulassungsrecht. Die Beamten konnten bei ihren Überprüfungen auch einen Haftbefehl vollstrecken.

Bilanz des Ordnungsamtes der Stadt Dortmund

Die beiden Schichten der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung des Dortmunder Ordnungsamtes hatten am Dienstag von 6 bis 22 Uhr insgesamt 26 Messstellen eingerichtet. Dabei wurde die Geschwindigkeit von 6988 Fahrzeugen kontrolliert.

Davon waren 349 Autofahrer zu schnell unterwegs und müssen nun mit Post vom Ordnungsamt bzw. der Bußgeldstelle rechnen. Die Verkehrsteilnehmer hätten sich laut städtischer Mitteilung „äußerst diszipliniert verhalten“. Dies sei sicherlich auch auf die starke mediale Begleitung dieser erneuten Aktion zurückzuführen.

Polizeipräsident Wesseler in Mengede vor Ort

Auch Dortmunds Polizeipräsident Norbert Wesseler schaute in der Mengeder Straße seinen „sehr motivierten Beamten“ über die Schulter. Bei guter Stimmung tappte hier erst nach 45 Mess-Minuten der erste Verkehrssünder in die Radarfalle. „Wir können das natürlich nicht jeden Tag machen, aber wenn sich so das Geschwindigkeitsniveau senken lässt und angepasstes Fahren so in die Köpfe der Leute kommt, haben wir unser Ziel erreicht.“ Ab und zu müsse man das durch solche Aktionen in Erinnerung rufen. „Fraglich ist aber, ob man die Hardcore-Raser dabei erwischt.“

Auch Overbeck hält die konzertierte Aktion für angemessen: „Nach dem ersten Marathon ging die überhöhte Durchschnitts-Geschwindigkeit, die davor bei 12,5 Prozent lag, auf etwa zehn zurück. Jetzt zog es im Mai wieder an, insofern kam der zweite Blitzmarathon zur rechten Zeit.“

„Wutpunkte“ sei ein unglückliches Wort

„Wir sind froh über direktes Feedback der Bürger, auch wenn mir das Wort Wutpunkte nicht gefällt“, meinte Wesseler. „Und im Übrigen ist es ja auch unser Tagesgeschäft, Hinweisen selbstverständlich nachzugehen und nicht nur an Tagen wie diesen darauf zu reagieren.“

„Die Resonanz aus der Bevölkerung beim zweiten Blitzmarathon hat mich überrascht. Wir haben durchweg nur positive Rückmeldungen an den Kontrollstellen und auch in den Blitzermeldungen erhalten“, dankte Overbeck den Bürgern für die „rege Teilnahme.

Durchwachsene Bilanz für die Polizei

Nahe liegt für die Polizei, dass die von den Bürgern vorgeschlagenen „Raserstrecken“ durchaus richtig gewählt waren. Trotz der vorherigen Ankündigung der Radar- und Laserkontrollen haben sich einige Autofahrer nicht beeindrucken lassen.

„Wir haben dennoch festgestellt, dass sich viele Verkehrsteilnehmer an die Verkehrsregeln gehalten haben“, teilte die Polizei abschließend mit. „Dadurch war die gesamte Verkehrslage flächendeckend entspannter.“