Politik lehnt Loveparade in Dortmund ab
22.01.2010 | 23:14 Uhr 2010-01-22T23:14:00+0100
Dortmund. Mit seinem Vorstoß, der Loveparade im Falle eines Rückziehers des diesjährigen Ausrichters Duisburg in Dortmund Asyl zu gewähren, sorgt Dortmunds oberster Kassenwart Jörg Stüdemann für Verwirrung. Die Ratsfraktionen aber lehnen die Idee ab - aus Geldmangel.
Wie berichtet, hängt die Loveparade in Duisburg am seidenen Faden, weil die unter Haushaltsaufsicht stehende Rhein-Stadt ihren Eigenanteil von rund 840 000 Euro nicht aufbringen kann (oder will). Grundsätzlich gebe es in Dortmund ja die Bereitschaft, die Loveparade nach 2008 noch einmal in die Stadt zu holen, so Stüdemann im Gespräch mit der WAZ. Das habe er den Kollegen in Duisburg schon vor Wochen signalisiert.
Und die Kosten? Summen wie die jetzt in Duisburg diskutierte seien in Dortmund auch 2008 nicht bezahlt worden. „Das Geld hätten wir jetzt definitiv nicht.” Angesichts der Kassenlage müsse man über andere Finanzierungsmodelle eventuell mit Sponsoren nachdenken. Der Kämmerer, der auch Kulturdezernent ist, nimmt das Thema aber so ernst, dass er es in die nächste Sitzung des Verwaltungsvorstandes am kommenden Dienstag einbringen will. Stüdemann: „Es muss doch klar sein: Wenn die Loveparade nach Bochum im letzten Jahr schon wieder ausfällt, ist sie tot.”
Doch dieser Logik will man im Rathaus ganz und gar nicht folgen. Dass Dortmund noch einmal Gastgeber einer Love-Parade werden könnte, können sich weder Stadtdirektor Siegfried Pogadl, amtierender Verwaltungs-Chef, noch irgendeine Ratsfraktion vorstellen. „Da haben wir gar kein Geld für”, so die erste Reaktion des SPD-Fraktionsvorsitzenden Ernst Prüsse. „Wir stecken in einer haushaltslosen Zeit; da sind uns zusätzliche freiwillige Ausgaben untersagt.” Zudem könne Dortmund „nicht immer wieder einspringen, wenn andere Städte 'was nicht auf die Reihe kriegen”. Und: Dass die B 1 innerhalb weniger Wochen zweimal voll gesperrt werden könnte, hält Prüsse schlichtweg für eine „Zumutung”. Hintergrund: Schon am 18. Juli wird die Hauptschlagader des Reviers für die Tausend-Tische-Aktion der Kulturhauptstadt komplett gesperrt.
Was das Geld angeht, ist die Bezirksregierung ganz nah bei SPD-Mann Prüsse. „Dortmund fährt keinen genehmigten Etat. Daher ist es für die Stadt zurzeit nicht angezeigt, Verpflichtungen im Rahmen einer zusätzlichen freiwilligen Leistung auf sich zu nehmen”, sagt Jörg A. Linden, Sprecher des Regierungspräsidenten.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einem entsprechenden Beschlussentwurf der Verwaltung im Rat zustimmen könnten”, reagiert auch Mario Krüger, Fraktionssprecher der Grünen, überrascht auf die Initiative des Kulturdezernenten. Genaue Zahlen kennt auch Krüger nicht, geht aber von einer Mehrbelastung des städtischen Haushalts von mehreren 100 000 Euro aus.
„Loveparade erneut nach Dortmund? Auf gar keinen Fall!” reagiert Dr. Annette Littmann, Vorsitzende der Fraktion von FDP und Bürgerliste, verständnislos. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Fraktion einer zweiten Veranstaltung zustimmen würde”, ergänzt Frank Hengstenberg, Vorsitzender der CDU-Fraktion.
Und Verwaltungschef Siegfried Pogadl? Er hat in den letzten Tagen oft mit Stüdemann telefoniert. „Aber die Loveparade war kein Thema”, reagiert Pogadl überrascht. Dem Stadtdirektor sind die Proteste der B1-Anwohner über „verschmutzte” Vorgärten und Hauseingänge noch in Erinnerung. „Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Lieber nicht”.
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