Pflegevater wegen sexuellen Missbrauchs in Dortmund angeklagt
02.02.2012 | 17:19 Uhr 2012-02-02T17:19:00+0100
Dortmund. Ein Pflegevater soll drei Mädchen, die ihm das Jugendamt in den Jahren 1994 bis 2007 anvertraut hatte, sexuell missbraucht haben. Die Bemerkung einer Zehnjährigen in der Schule brachte den Stein ins Rollen: Danach hakte die Polizei auch bei den anderen Kindern nach.
Drei Mädchen, die das Jugendamt einst aus ihren Familien nahm, weil sich die leiblichen Eltern nicht kümmern konnten, nicht kümmern wollten. Drei Mädchen, eines davon geistig behindert, die nichts nötiger brauchten als Liebe und Geborgenheit. Sie kamen in eine Pflegefamilie – und sollen dort von 1994 bis 2007 sexuell missbraucht worden sein.
Es sind widerliche Taten, die Staatsanwältin Heike Sudhaus-Coenen dem 50-jährigen Pflegevater seit gestern in über 20 Fällen vor der 31. Großen Strafkammer vorwirft. Bei dem behinderten Mädchen, das bis zu seinem 19. Lebensjahr in der Familie lebte, habe der Mann zudem die „Widerstandslosigkeit ausgenutzt“, so die Vertreterin der Anklage. Bis zum nächsten Verhandlungstag will der Mann aus Eving entscheiden, ob er sich zu den Vorwürfen äußert.
Dreieinhalb Jahre Gefängnisstrafe in Aussicht gestellt
Im Falle eines Geständnisses, so sagte Verteidiger Rechtsanwalt Clemens Louis am Randes des Prozesses, seien seinem Mandanten in einem Rechtsgespräch dreieinhalb Jahre Gefängnisstrafe in Aussicht gestellt worden.
Eines der Mädchen kam als Vierjährige Ende 2001 in die Pflegefamilie – nachdem es mitansehen musste, wie sein Bruder bei einem Wohnungsbrand ums Leben kam: Die Kinder waren damals im gleichen Zimmer eingesperrt. Das Kind kam in jene Pflegefamilie – und soll später in der Schule diesen Satz gesagt haben: „Der Papa macht schlimme Sachen mit mir.“
Satz in der Schule löste Ermittlungslawine aus
Ein Satz, der eine Lawine auslöste: Die Polizei befragte jetzt alle Kinder, die irgendwann in der Pflegefamilie lebten. Das behinderte Mädchen soll der Angeklagte damit eingeschüchtert haben, sie werde fürchterlichen Ärger mit der Pflegemutter bekommen, wenn sie etwas erzählt.
Auch jenes Mädchen, das den Stein ins Rollen brachte, hat sechs Jahre geschwiegen, hat niemanden in ihre Seele schauen lassen. Auch nicht ihre Großmutter, die gleichzeitig Vormund ist: „Sie hat regelmäßig bei mir übernachtet, und sie war ganz normal. Mir ist wirklich nichts aufgefallen“, sagte die 59-Jährige. Daher sah das Jugendamt auch keinen Anlass, die Familie unter die Lupe zu nehmen...
Pflegemutter ließ sich scheiden
Als die Vorwürfe bekannt wurden, ließ sich die Pflegemutter scheiden. Das inzwischen 14-jährige Mädchen lebt noch immer bei ihr: „Sie fühlt sich dort wohl, hängt sehr an Frau R.“, erzählte die Oma. „Und sie hat Angst, fragt mich oft: Muss ich da jetzt etwa weg?“ Auch nach ihren leiblichen Eltern frage sie – der Kontakt ist völlig abgebrochen. Am 8. Februar geht der Prozess weiter.
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