Peter Green - ein Konzert wie ein trauriger Blues
05.11.2009 | 10:11 Uhr 2009-11-05T10:11:00+0100
Lütgendortmund. Er sitzt, liest beim Singen die Songtexte ab - und spielt diese sanfte Gitarre, die ihn vor 40 Jahren zu einer wahren Größe im Blues machte: „Fleetwood Mac”-Gründer Peter Green spielte am Dienstag im Lütgendortmunder "Piano".
Er sitzt, die Bühne ist hell erleuchtet, er liest beim Singen die Songtexte ab - und er spielt diese sanfte Gitarre, die ihn vor 40 Jahren zu einer wahren Größe im Blues machte.
Schon immer ein Melancholiker gewesen
Gut, wer „Fleetwood Mac”-Gründer Peter Green sehen will, erwartet nicht die Raumfülle eines Tom Jones, die Präsenz eines Eric Burdon. Dafür war er immer schon zu sehr Melancholiker. Dass aber jemand derartig als Person hinter seinem Spiel, hinter seiner Geschichte verschwindet, wie der 63-Jährige, ist schon außergewöhnlich - und traurig.
Das „Piano” in Lütgendortmund fasste am Dienstagabend kaum die Menge der Besucher. Ein idealer Raum für solche Konzerte. Vielleicht nicht für Peter Green, der mit Mike Dodd (Rhytmus-Gitarre/Gesang), Geraint Watson (Piano/Orgel), Matt Radford (Kontrabass) sowie Andrew Flude (Schlagzeug) solide Begleiter an seiner Seite wusste. Vielleicht noch zu groß.
Freundlich, aber nicht richtig beteiligt
Verhaltener Beginn, Dodd übernahm die Moderation. Green wirkte freundlich, aber nicht so richtig beteiligt. Erst beim sechsten Song („Oh Pretty Woman”) klang die Gitarre lauter. Es war zu lange still um ihn, als dass sich nicht eine Menge Gerüchte um ihn gebildet hätten. Drogen, psychische Probleme (ein LSD-Trip auf einer Party von Uschi Obermaier soll der eine zuviel gewesen sein), als Friedhofsgärtner hat er zeitweise seine musikalische Karriere gleich mit begraben - man musste es 1970 wohl als Absturz eines hochsensiblen Musikers bezeichnen. Überraschend seine musikalische Wiederauferstehung, als er 1978 „In The Skies” vorlegte. Dann wieder Versenkung - erst seit Mitte der 90er Jahre tourt er wieder.
Peter Green war der Klangmagier des Blues, er verhalf „Santana” mit „Black Magic Woman” zu einem Welthit, er spielte mit „Oh Well” und „Albatross” auch gestern seine großen Melodien. Der Gesang allerdings ziemlich kraftlos.
"Er wirkt doch ziemlich angeschlagen"
Das Publikum beklatschte wohl eher die eigene Jugend. „Bei 'Albatross' war ich 15”, erinnert sich Wolfgang Ullrich, „es war die Zeit der ersten Freundin. Aber er wirkt doch ziemlich angeschlagen.” „Er war einer DER stilbildenden Gitarristen in den 60ern”, sagte ein anderer Besucher. Er hatte Green vor 40 Jahren in Essen gesehen. Und heute? Er zuckt mit den Schultern. „In Momenten hört man noch heraus, was ihn mal berühmt gemacht hat”, sagt Thomas Jordan, „aber es haut einen nicht mehr um.”
Es war nur ein Konzert, man meint nicht das Lebenswerk. Das nächste ist vielleicht besser, so ist das nun mal.
20:10
Offener Brief/Leserbrief zu:
Peter Berger
„Ein Konzert wie ein trauriger Blues“
Peter Green im Piano
Bericht von Donnerstag, 05. 11. 2009 im Ortstreil Dortmund
Sehr geehrter Herr Berger,
es kommt nicht darauf an, wie und mit welcher Präzision Peter Green heute seine Stücke spielt oder überhaupt noch spielen kann, auch ob im Sitzen oder mittels Ablesen seiner Songtexte ist völlig egal. B. B. King sitzt auch, und Bob Dylan kommt trotz Ablesens - und vermutlich wegen Intoxikationen verschiedener Art - schon lange nicht mehr klar. Das interessiert aber kein Schwein!
Ihre Größe haben diese Künstler in lange zurückliegenden Zeiten unter Beweis gestellt.
Wer heute zu solchen Konzerten geht, erwartet keine Perfektion. Er erbietet dem Künstler seine ganz persönliche Ehre und zeigt Respekt für seine auch lange zurückliegenden außergewöhnlichen Leistungen, die uns damals in vielfältiger Weise inspiriert haben.
Hierfür bedanken wir uns heute durch unseren Besuch und freuen uns, daß ein Peter Green überhaupt noch da ist und sich uns zeigt und einen Abend mit uns verbringt. Die, die seine alte Größe vor Jahrzehnten erleben durften, scheren sich nicht darum, daß er nicht mehr ganz so kann wie früher. Sie freuen sich, daß er überhaupt wieder kann!
Wir heutigen Besucher helfen darüber hinaus durch den Kauf einer Eintrittskarte diesen Künstlern vielleicht, heute einigermaßen würdevoll leben zu können.
Ich hoffe, Sie haben nicht trotz des schlechten Konzerts versucht, hinter die Bühne zu kommen und „Hi Peter“ gerufen, statt „Good evening, Mr. Green“.
Zeigen Sie Reue, wachsen Sie mit Ihren Fehlern, und schreiben Sie in Zukunft mit mehr Ehrfurcht vor den alten Künstlern. Stellen Sie die alte Größe heraus und freuen Sie sich, daß es sie überhaupt noch gibt! Flunkern Sie ruhig etwas, das wird Ihnen niemand übelnehmen.
Ihr
Dr. Matthias Delvo
Castrop-Rauxel