Personalrat klagt über Chaos in der Verwaltung
26.01.2010 | 12:48 Uhr 2010-01-26T12:48:00+0100
Dortmund. Führungsschwäche, Informationsdefizit, Kompetenzwirrwarr - der Personalrat zeichnet nach Langemeyers Abtritt ein düsteres Bild von der Lage der Stadtverwaltung. An solch konfuse Verhältnisse könne sich niemand erinnern, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitung "EinBlick".
Führungsschwäche, Entscheidungs- und Informationsdefizite, Kompetenzwirrwarr - der Personalrat ein so düsteres Bild wie noch niemals zuvor zeichnet der städtische Personalrat von der Lage der Stadtverwaltung nach dem Abtritt OB Langemeyers. „Auch 'ältere' Mitglieder des Personalrates können sich nicht an solch konfuse Verhältnisse erinnern, wie wir sie gegenwärtig erleben”, heißt es wörtlich im Resümee der jüngsten Sonderausgabe des Mitarbeiterorgans „EinBlick” .
Dieses „Chaos” hätten nicht die Beschäftigten zu verantworten. Die Lage sei vor allem so „unerträglich”, weil „der von der Verwaltungsführung proklamierte und auch von uns geforderte Neuanfang zurzeit tagtäglich von neuen ,Abstürzen' überschattet wird.”
Seit 19. Januar hat Dortmund keinen OB mehr. Wer hat in der Verwaltung nun das Sagen? Stadtdirektor Pogadl? Oder stehen Regierungspräsident Diegel und Innenminister Wolf mit am Ruder? Der Personalrat tappt - wie die meisten Bediensteten, deren Interessen er vertritt - im Dunklen.
„Wenn auch die Verwaltungsführung nur einen Teil der Schuld an dieser Entwicklung trägt, so sollte sie alles daransetzen, ihre unbestritten verbleibenden Handlungs- und Gegensteuerungsmöglichkeiten zu nutzen, um weiteren Schaden von den Beschäftigen abzuwenden”, fordert die Arbeitnehmervertretung im gleichen Atemzug, wie sie die Politik an deren Verantwortung erinnert. Alle Ratsfraktionen seien gefordert, „dieser Verantwortung durch unterstützende Maßnahmen gerecht zu werden.”
Nach wie vor bereitet dem Personalrat das konzeptlose und noch wenig durchdachte Sparen (nach der Devise: „Zuerst bei uns selbst”) großes Kopfzerbrechen. Gar als „Unverschämtheit” bewerte man die Vorgabe des Top-Managements, nach dem Gießkannen-Prinzip allen Fachbereichen pauschal 15 Prozent ihrer Ausgaben zu kürzen, „ohne ihnen auch nur den geringsten konkreten Hinweis zur Umsetzung zu geben”. Das habe „nichts mit dezentraler Budgetverantwortung und schon gar nichts mit Transparenz zu tun, sondern ist offenkundig Ausdruck absoluter Hilf- und Ratlosigkeit unserer derzeitigen Verwaltungsführung”.
Mit den „Projekten”, die Ullrich Sierau in den Wochen auf die Beine stellte, als er OB war, geht der Personalrat kritisch ins Gericht. Die Agentur mit der Aufgabe, die Personalentwicklung zu professionalisieren und „Rationalisierungs-
opfer” für andere Aufgaben zu qualifizieren, könne bestenfalls in der Aufbauphase als Projekt unterhalb der Amtsleitung geführt werden. Danach sei die Agentur schnell mit autonomen Kompetenzen auszustatten und dauerhaft zu verselbständigen.
Auf gar keinen Fall will sich der städtische Personalrat schon jetzt in jenem von Sierau aufgelegten Projekt engagieren, das ein neues Leitbild für das Selbstverständnis und das Handeln der Stadverwaltung sucht. „Nach unserem Verständnis haben sich alle Theorien an der systematischen Auswertung der Praxis zu orientieren”, schreibt der Personalrat. Erst nach dem Abarbeiten aller anderen praxisorientierten Projekte mache die Debatte über ein theorielastiges Leitbild Sinn. „Nur am Rande” wird erwähnt, dass „ein Leitbild keine fehlenden Vorbilder ersetzen kann”.
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