Per Quote in die Chefetage?
24.08.2009 | 18:09 Uhr 2009-08-24T18:09:00+0200
Frauen in Führung sind „einsame Spitze” sagt das Ergebnis einer Studie mit Schwerpunkt in Dortmund und Hamm. Die Frauen-Union will Geschlechtsgenossinnen notfalls per Quote in die Chefetagen boxen.
- Angela Feuerstein ist Diplom-Informatikerin und Mitglied der Geschäftsleitung des Softwarehauses SMF KG, die sie zusammen mit ihrem Mann und einem Partner führt. „Entscheidungen fallen zu dritt”.
- Das eigene Unternehmen war vor 24 Jahren für sie Möglichkeit, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen.
- Feuerstein setzt sich auch auf gesellschaftlichen Ebenen dafür ein, dass Frauen gehört werden: Sie ist u.a. Sprecherin des Netzwerkes Ladies Goal (www.ladiesgoal.de).
Das, winkt Angela Feuerstein, Dortmunder Unternehmerin und gestandene Frau in einem noch immer so genannten „Männer”-Beruf ab, wollen Frauen nicht. Sie wollen auf Augenhöhe mitmischen, mitentscheiden.
Natürlich fehlen Frauen in Führungspositionen. Gastgewerbe, verarbeitendes Gewerbe, öffentliche Verwaltung: hier begegnet man weiblichen Chefs nur durch Zufall – Quote: einstellig. Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen haben sich Frauen immerhin einen Anteil von 24 Prozent in den oberen Etagen erobert. Mehr nicht.
»Sprache prägt. Es gibt ja auch keinen Krankenbruder«
„Notfalls per Gesetz”: Die Forderung der CDU-Politikerinnen auf ihrem Bundeskongress bezog sich auf Wirtschaftsunternehmen. Ist wohl aber auch ein Aufruf in eigener Sache: Schließlich haben Frauen es nicht nur in den Männer durchsetzten Strukturen von Kohle, Stahl, Bier schwer. Auch in der Politik fehlen sie in Spitzenpositionen. Und gerade in der Union seien Frauen völlig unterrepräsentiert, schüttelt Angela Feuerstein (51) den Kopf. Die Farbe, die eine Angela Merkel in die Gipfel-Gruppenbilder bringe, mache das sichtbar.
Sie ist keine lila-bewegte Emanze, diese Feuerstein. Sie ist eine dieser kraftvollen Frauen, die selbstbestimmt entscheiden und sehr bewusst hinsehen. Durchaus auch auf den Sprachgebrauch: „Sprache prägt”, sagt sie und neutralisiert männliche Begrifflichkeit, ohne es kompliziert zu machen. Beispiel: die Studierenden. „Geht doch”, lacht sie: „Es gibt ja auch keinen Krankenbruder...”
Ihre Kinder sind Studierende, heute. Und waren damals mit ein Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ihr Nachfolger wird ein Mann”, habe ihr damaliger Chef ihr zum Abschied in die Familienpause mitgegeben. Sie hatte gekontert: „Wer sonst soll die Kinder denn kriegen?”
Die eigene Karriere – geprägt von Biss. Hauptschule, zehnte Klasse, Betriebspraktikum. „Da habe ich Lochkarten eingegeben und es kamen Rechnungen raus. Faszinierend”, grinst sie.
Der Bruder studierte Informatik, sie machte eine Banklehre. Damals noch als Bankkaufm a n n. „Und was kann ich hier werden? Als Frau?” Sachbearbeiterin. Ende der Fahnenstange. Nichts für den Feuerstein'schen Ehrgeiz. Sie machte die 12 nach und biss sich in sieben Semestern durchs Informatikstudium. „Meine Herren!” äh: „Alle Achtung!”
Es ist schwer, sagt sie. Und sieht das gerade am eigenen Beruf: Schwache 15 Prozent Frauen in der Informatik. In ihrer Firma haben Frauen beste Chancen. Wenn sie gut sind. „Eingestellt wird nur nach Qualität”. Eine Quote von 25 Prozent im IT-Bereich – das kann sich schon sehen lassen.
„Frauen haben eine andere Blickrichtung auf das Unternehmen und auf Menschen, andere Strategieansätze.” Die Kombination von Männern und Frauen in Führungspositionen: erstrebenswert. Verhältnis? „50:50. So wie im Leben!” In welchem Leben? Gerade werfen die Dortmunder Grünen der IHK vor, sie sei ein Dinosaurier in Sachen Frauen in Führungspositionen. Weder auf Geschäftsführungs- noch Abteilungsleiterebene werden Röcke getragen.
Leicht wird's nicht, nickt auch Angela Feuerstein. Der verkrusteten und tradierten Strukturen wegen.
»Wenn Frauen in eine Männerriege kommen geht das Gehabe los«
- Die Statistik Dortmund zeigte von 2002 bis 04 eine Zunahme arbeitsloser Akademikerinnen von plus 40 % gegenüber 10 % Männern.
- 80 Prozent der privatwirtschaftlichen Betriebe in NRW werden ausschließlich von Männern geführt – in Dortmund sogar 82 %.
- Über 80 % der Top-Führungsfrauen aus Dortmund benennen vorallem „männergeprägte Unternehmensstrukturen” sowie ein entsprechendes Management-Verständnis als zentrale Hindernisse für den Aufstieg von Frauen.
- Das Projekt „Frauen in Führungspositionen”/Claudia Veltkamp beleuchtete für Dortmund, Hamm und Teile der Märkischen Region den Status Quo von Frauen in Führungspositionen.
- Mehr: www.gib.nrw.de
„Wenn Frauen in eine Männerriege kommen, dann geht dieses Gehabe wieder los. Eroberungsspiele. Auch solche Höflichkeiten wie das Tür aufhalten - das hat keine Notwendigkeit mehr”. Wobei, kurze Pause, ein herzliches Lachen: „Männer haben einfach die besseren Muskelproportionen zum Kisten schleppen”.
Johnny Weissmüller war prädestiniert für seine Karriere. Kein Wunder, dass er als Tarzan Chef im Urwald war. Tarzan konnte trommeln. Sich auf die Brust. Und zwar ziemlich laut. Das nämlich ist wichtigste Spielregel im Dschungel und in Deutschlands Chefetagen: die Selbstdarstellung.
- Klappern gehört zum Handwerk, sagt man heute gern. Und diese Form von Selbstmarketing ist eine Sprosse, die vielen Frauen bei der Klettertour auf der Karriereleiter schlicht fehlt. Weil Frauen auf ihr Talent und ihre Leistung setzen. Voraussetzen, dass das gesehen wird. Und dass sie ihren Verzicht auf das Klappern und Trommeln getrost unter Energiesparvorschlägen auflisten können. Falsch. Wenn Frauen – gerade in der Doppelrolle – gehört und gesehen werden wollen, müssen sie ihr Können selbstbewusst darstellen. Sie müssen Macht wollen, dabei authentisch bleiben – schon allein, damit sie gegen jegliche Form von Imponiergehabe gefeit sind. Und: Sie müssen sich zusammen schließen. Eine Frau, zwei - das sind gerne „die Ausnahmen”. Exotische Vorzeigemodelle in männerbestimmten Unternehmensstrukturen. Ein Bündnis, wie z.B. von neun Frauenclubs in Dortmund: das ist eine Hausnummer, an der die Männerwelt nicht vorbei kommt. Ein fein gesponnenes Netzwerk aus Kompetenzen und Wissenssträngen. Dann schaukelt Tarzan an seiner einen Liane ins Leere...
„Wenn der Blick geschärft ist und richtig gute Frauen mit Bewusstsein eingestellt werden - das würde ich mir wünschen”, sagt sie. Ernst. Dann lacht sie wieder: „Die nächsten 200 Jahre habe ich im Blick...”
12:50
So ein Blödsinn! Wenn die Leistung nicht reicht, muss eine Quotenregelung her - oder wie ist das zu verstehen! Hier geht es auch mal wieder nur um Wählerstimmen.
09:15
Wenn man sich die Studiengänge ansieht, aus denen die Wirtschaft in besonderem Maß die kommenden Führungskräfte abschöpft, so wird man feststellen, dass diese gerade mal zu einem Viertel von Studentinnen besucht werden... da liegt ein Teil des Problems, es ist kein rein gesellschaftliches.