PCB-verseuchte Fläche zwei Wochen ungesichert
07.10.2010 | 19:38 Uhr 2010-10-07T19:38:00+0200
Dortmund.Nach den gescheiterten Reinigungsversuchen hat die Bezirksregierung die Sicherung des nach wie vor verseuchten Envio-Geländes versäumt. Erst auf gezielte Fragen der WR wurde Arnsberg aktiv – und ließ am Donnerstag eine große kontaminierte Fläche mit einer Schutzfolie bedecken.
Nach dem letzten fehlgeschlagenen Sanierungsanlauf wehte der Wind zwei Wochen lang über das ungeschützte 55 000 Quadratmeter-Areal. Jetzt stellt sich heraus: Mindestens 650 Quadratmeter Boden sind weiterhin schwer mit krebserregendem PCB belastet. Das räumt die Bezirksregierung ein und bestätigt entsprechende Messergebnisse.
Risse im Asphalt
Eine Reinigung dieser Giftzone erscheint unmöglich. Der Problembereich muss wohl ausgekoffert werden. „Da diese Flächen stark porös sind, werden weitere Reinigungsversuche hier keinen Erfolg bringen“, sagt Behördensprecher Christoph Söbbeler. Alarmierend: Durch Risse im Asphalt sickert giftiges PCB tief in den Boden. Beim Einsatz von Reinigungsgerät hatten sich „immer wieder Teile der Asphaltdecke gelöst“. Am Donnerstag ordnete Arnsberg die Abdeckung der 650 Quadratmeter an.
Wie sicher oder gefährlich der Rest des Geländes ist, dessen Sanierung im besten Falle Ende November beginnen könnte, steht dahin. Arnsberg verweist auf den Zaun und den Pförtner. Mitarbeiter der Bezirksregierung seien „derzeit regelmäßig, zum Teil zweimal täglich, vor Ort, um anfallende Überwachungsarbeiten zu begleiten“, heißt es.
Rot-weißes Flatterband
Ein Ingenieurbüro nehme den Bestand an Geräten auf – „mit Erfassung der PCB-Belastung“. Die Envio-Bereiche seien „mit rot-weißem Band abgesperrt“. Das hochgradig verseuchte Zelt sei „mit einem Vorhängeschloss gesichert“, das Haupttor der Halle 55 „mit schwerem Gerät blockiert“. Andere Zugänge auf das Gelände, auch die hochbelastete Halle 1 und die Freiflächen, lägen innerhalb des Flatterband-Bereiches. Untersuchungen von Gegenständen vor Hallen und Zelt hätten „keine Hinweise auf kritische PCB-Belastungen ergeben“. „Eine umfassende Fotodokumentation“ erschwere Materialmanipulationen.
Bezirksregierung, Stadt und Envio haben Zutritt zum Gelände.
21:43
@#10
Nö - ich meinte was ich schrieb: AUSWACHSEN - in bissiger Anspielung auf den Spruch der Leiterin des Dortmunder Gesundheitsamts Dr. Annette Düsterhaus PCB - das wächst sich aus
http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Envio-Nachbarn-Mehr-PCB-im-Blut-als-gedacht-id3379564.html
19:43
@ #5
Normalerweise werden solche Pachtverträge auf 40 oder 50 Jahre abgeschlossen.
Wer nun letztlich für z.B. den Bodenaushub blechen muss, regelt das Bundes-Bodenschutzgesetz und da sind sowohl Nutzer/Verursacher als auch Eigentümer gleichermaßen im Boot. Die müssen das also untereinander ausboxen und da sehe ich auch wieder nur eine gerichtliche Auseinandersetzung kommen.
Über den Inhalt des Pachtvertrages müsste ein gewiefter Journalist mal im Liegenschaftsamt nachfragen - oder bei Ernst Prüsse, der damals die Ausschuss-Sitzung des Rats zum Pachtvertrag leitete.
19:29
@ vaikl
Danke, dass Sie hier gut im Thema sind.
Da kann man nur hoffen, dass der Pachtvertrag der Stadt Klauseln hat die den Zustand des Geländes bei Beendigung der Pachtzeit wiederherzustellen beinhalten.
Wann endet eigentlich die Pacht?
Oder lässt die sich wegen Fehlverhaltens (Klauseln) kündigen?
19:16
Grundsätzlich sind PCB nicht wasserlöslich, deswegen ist die Gefahr einer Grundwasser-Kontamination eher gering.
Trotzdem musste schon einmal in 2007 auf dem Envio-Gelände verseuchter Boden abgetragen werden; Auftraggeber war der damalige Pächter ABB.
Erst Ende 2008 ging das Gelände per vom Rat genehmigtem Erbpachtvertrag auf Neupert über, Eigentümer ist aber immer noch die Stadt.
17:00
@9
Jeder einzelne (zusätzliche) Tag spielt eine Rolle. Dieses extreme Gift sammeln Mensch und Tier ständig ein, es lagert sich in fetthaltigem Körpergewebe an, u.a. in Zellwänden, und Sie werden es nicht mehr los. Jeder einzelne Tag der PCB-Emission ist ein nicht wieder gutzumachender Skandal.
Jeden Tag auf die Titelseite damit! Unfähige Behörden sind fast so schlimm wie bestechliche oder untätige Behörden.
16:54
@7
Sie meinten wohl auswaschen möge.
Und das sieht ja auch so aus.
Man misst alle paar Jahre und hofft das das PCB sich in tiefere Erdschichten verzieht.
Der im Grundbuch eingetragene Eigentümer haftet und hat alle Rechte und Pflichten vom vorigen Eigentümer übernommen.
Wer Grundstücke ohne Bodengutachten kauft handelt halt Fahrlässig und muss dann halt haften.
Wenn das PCB tiefer ins Erdreich eingedrungen ist wird die Dekontamination halt etwas teurer.
14:41
Diese Überschrift von H. Brandt war völlig Banane. Ganz schlechter Stil; denn so weit ich weiß, ist die Fläche die vorher mit PCB sehr stark verseucht war, jetzt nicht mehr so stark belastet - aber wohl immer noch über den Grenzwerten. Deshalb die Abdeckung. Daraus aber schon wieder einen skandal zu machen ist so dreist und durchschaubar, dass man sich schon schämen muss, in Dortmund zu wohnen. Vielleicht sollte der Schreiber mal etwas vorsichtiger formulieren. Sorry, ich sehe das so.
14:30
Satz 1 in #7 sollte enden mit ???
14:29
#5
liegt die latente Kontamination nicht schon bis in ABB-Zeiten zurück.
Was hat der uns allen bekannte Grundstückseigentümer bislang unternommen, um die Dortmunder Bevölkerung vor (weiterer) mutmaßlicher Grundwasservergiftung zu schützen?
Oder vertraut man hier darauf, dass sich das PCB doch bitteschön endlich auswachsen möge?
14:23
Ich lach mich schlapp.
Die Diegel-muß-weg-Fraktion müßte jetzt folgerichtig Bollermann muß weg keifen.
Nanu - nichts dergleichen erfolgt.
Muß wohl am richtigen bollermannschen Parteibuch liegen.
Mein Vorschlag:
aus dem ganzen kontaminierten Dreck einen hübschen Knast für Neupert und Harks bauen, nach außen natürlich versiegelt. So kämen die mutmaßlichen Envio-Oberspitzbuben in den auskömmlichen Genuß der eigenen Medizin.