PCB-Untersuchung dauert Jahre

Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert im Dortmunder Landgericht zwischen seinen Anwälten Dr. Christian Tünnesen-Harmes (l) und Prof. Ralf Neuhaus (r) .
Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert im Dortmunder Landgericht zwischen seinen Anwälten Dr. Christian Tünnesen-Harmes (l) und Prof. Ralf Neuhaus (r) .
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Im Envio-Verfahren gegen Ex-Chef Dr. Dirk Neupert und weitere drei Mitarbeiter hatte am 20. Dezember Prof. Thomas Kraus das Wort. Der Arbeitsmediziner leitet eine große Reihenuntersichung zu möglichen Auswirkungen erhöhter PCB-Werte.

Dortmund.. Es ist eine der größten Studien zu den möglichen gesundheitsschädlichen Folgen von PCB, die es je gegeben hat. Rund 300 frühere Beschäftigte der Recyclingfirma Envio, ihre Familien sowie Anwohner aus dem Umfeld des geschlossenen Unternehmens nehmen seit August 2010 daran teil.

Ob diese riesig angelegte Reihenuntersuchung der Universität Aachen allerdings die Frage erhellt, ob Ex-Envio Chef Dr. Dirk Neupert und ein weiterer Manager sich der Körperverletzung von 51 Arbeitern schuldig machten, ist zweifelhaft. Zwei weiteren Mitarbeitern wird Beihilfe zu Umweltverstößen vorgeworfen.

"Individuelle Feststellungen sind ein Problem"

„Unser Ziel ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, mögliche gesundheitliche Auswirkungen frühzeitig zu erfassen und den Leuten eine Therapie zuzuführen“, erklärte Prof. Thomas Kraus, Leiter des Instituts für Arbeits,- und Sozialmedizin der Universität Aachen. In 51 Fällen habe man einen Verdacht äußern müssen, so Prof. Kraus. „Es ist ein erster Verdacht, das heißt noch nicht, dass es so ist.“

Eine „Kausalitäts-Prüfung“ zwischen dem Vorhandensein erhöhter PCB-Werte im Blut und möglichen gesundheitlichen Schädigungen sei noch längst nicht abgeschlossen, das könne noch Jahre dauern.

Und dann sagt der Arbeitsmediziner, der als „sachverständiger Zeuge“ gehört wurde, einen Satz, der in abgeänderter Form immer wieder in diesem seit Mai laufenden Mammutverfahren fällt: „Individuelle Feststellungen sind ein Problem.“ Doch gerade darum geht es: Um den Nachweis einer möglichen Erkrankung einzelner Arbeiter, verursacht durch die Aufnahme des Isoliermittels PCB.

Jede Untersuchung kostet 5200 Euro

Die rund 300 Betroffenen, so erklärte Prof. Kraus, werden zurzeit von Ärzten verschiedenster Fachrichtungen untersucht und auch zu ihren Lebensumständen befragt. Dazu gehörten Fragen zur Ernährung und zum Wohnumfeld, sowie zu der Frage, wo sie vorher gearbeitet haben. Ein zweiter Komplex umfasse eine umfassende Analyse des Blutes. Und zwar nicht nur auf Spuren von PCB, sondern auch auf Furane und Dioxine. Jede Untersuchung, so der Arbeitsmediziner auf Nachfrage von Verteidiger Prof. Ralf Neuhaus, koste 5200 Euro.

Gestern wurde nur das bisherige Ergebnis eines einzigen Arbeiters vorgestellt. Bei ihm wurden eine Überpigmentierung der Haut sowie erhöhte Werte der Schilddrüse diagnostiziert. Ob letztere auf eine PCB-Belastung zurückzuführen seien, so der Experte, könne man „an dieser Stelle nicht feststellen“. Das Gericht wird Prof. Kraus ab Januar noch mehrmals hören.