PCB-Sünder bis zum Sommer eingrenzen
03.02.2010 | 21:30 Uhr 2010-02-03T21:30:00+0100
Dortmund. Im Gift-Skandal treibt die Politik die Untersuchungsbehörden an. Laut und deutlich fordert der Umweltausschuss eine rasche Ermittlung und angemessene Bestrafung der Betriebe, die krebserregendes PCB und Dioxin in die Umwelt blasen.
Die Hauptbetroffenen in den Kleingartenanlagen Hafenwiese, Westerholz und Hobertsburg, auch die Spaziergänger im Fredenbaum, mögen es als kleinen Hoffnungsschimmer auffassen: Inhaltlich nahezu gleichlautende Anträge von SPD, CDU, Grünen und Linken wurden Mittwochabend einstimmig verabschiedet.
Keine Grenzen, nur Ziele
Die Lage ist ernst – das betonten alle Fraktionen. Wie gefährlich sie ist, darüber gingen die Einschätzungen auseinander. Ein Grund: Der Vortrag des Landesumweltamtes, von dem sich der Ausschuss Antworten erhofft hatte, warf neue Fragen auf. Etwa die nach den Grenzwerten für PCB und Dioxin. Es gebe keine Grenzwerte, nur „Zielwerte”, beschied Ludwig Radermacher – und auch die „nur für Dioxin, nicht für PCB”. Eine Bewertung der Tatsache, dass die Dioxin-Zielmarke in Spitzen um das 50-fache überschritten wird – unter diesen Umständen fast unmöglich.
„Die grüne Idylle ist zerstört”, sprach Ulrike Märkel für die Grünen und für 400 betroffene Kleingärtner. Was sie überhaupt nicht versteht: Dass die Gewerbeaufsicht bei jeder kleinen Pommes-Bude unvermutet auftauche, „Überraschungsbesuche bei Umweltsündern” aber offenbar meide.
Auch Dr. Marita Hetmeier leuchtet vieles nicht ein. Einerseits heiße es, Grünkohl und Blattgemüse aus den Gärten „sind nicht schädlich, aber essen darf man es auch nicht – das ist für die Betroffenen nicht nachvollziehbar”, so die SPD-Ratsvertreterin.
"Wir essen kein Gras"
Einige Äußerungen waren schwer verdaulich. „Wir essen kein Gras”, sagte etwa Dr. Jürgen Eigenbrod (CDU). Ziel: den Nutzen der Graskulturen anzuzweifeln, in denen das krebserregende PCB nachgewiesen wurde. „Das ist nicht hilfreich und wird dem Anlass nicht gerecht”, rügte Martin Tönnes. Der Grüne nahm sich auch Dr. Uta Ulbrich vom Gesundheitsamt zur Brust – für deren Spagat. „Die Werte sind hoch, und sie gehören da nicht hin”, sagte sie erst. Und dann: Man müsse „weder vom Einatmen noch vom Verzehr abraten”. Tönnes' Reaktion: „Ich bin erschrocken. Die Sachen sind doch nicht umsonst verboten worden.”
Verwaltung prüft dauerhafte Messstation
Helmut Harnisch (SPD) sähe am liebsten eine dauerhafte Messstation im Norden eingerichtet, „von Staats wegen” kontrollierter Gemüseanbau quasi – „als Sicherheit für die Bürger”. Dem fachlichen Einwand, derlei sei technisch schwierig, weil davon abhängig, was man denn suche, folgte die Aufforderung an die Verwaltung, das Ansinnen zu prüfen. Die Antwort soll bis zum dritten Quartal vorliegen.
Weitere Termine gab Dezernent Wilhelm Steitz bekannt: aktuelle Analysen von Kohl und Endivie im ersten Quartal, ein lückenloses Betriebskataster des Hafens Ende Februar. Im Sommer sollen dann „Ergebnisse vorliegen, die die PCB-Quellen erkennen lassen” – im Sommer 2010.
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