PCB-Skandal um Envio wird zum Millionengrab

Der Giftskandal um den Dortmunder Entsorger Envio kostet den Steuerzahler Millionen. Foto: Rottmann
Der Giftskandal um den Dortmunder Entsorger Envio kostet den Steuerzahler Millionen. Foto: Rottmann
Foto: WR RALF ROTTMANN
Was wir bereits wissen
Der Steuerzahler blutet im PCB-Skandal wegen der Sanierung des Envio-Geländes im Dortmunder Hafen. Die insgesamt nun 65 Gläubiger der zahlungsunfähigen Recycling-Sparte der Giftfirma fordern 21,8 Millionen Euro. Doch der Insolvenzverwalter hat nur Aussicht auf 200.000 Euro.

Dortmund.. Der Envio-Skandal wird den Steuerzahler Millionen kosten. Das verdeutlichte die erste Gläubigerversammlung der insolventen Recycling-Sparte der Giftfirma. Welchen Preis Land und Stadt, Anwohner und Nachbarfirmen für die Sanierung des PCB-verseuchten Envio-Geländes zahlen, ist ungewiss.

65 Gläubiger fordern insgesamt 21,8 Millionen Euro von Envio. 14,5 Millionen wollen die, die am Mittwoch im Dortmunder Amtsgericht die Hand ausstreckten. Die meisten griffen ins Leere. Vor allem das Land, mit rund 6 Millionen der größte Gläubiger in der Runde. Immerhin: Die Bezirksregierung Arnsberg sieht jetzt „die Weichen für eine zügige, vereinfachte und rechtssichere Sanierung gestellt“. Denn die Versammlung billigte den Plan des Insolvenzverwalters, alle werthaltigen Teile des verseuchten Materials auf dem Envio-Gelände zu versilbern – unter strengen Arbeits- und Umweltschutzvorgaben. Was an giftigem Zeug übrig bleibt, entsorgt die Bezirksregierung.

Sie wird wohl auf hohen Kosten sitzen bleiben. Nach Informationen unserer Redaktion gelten nur 1800 Tonnen des Envio-Materials als halbwegs profitabel. Die vom Gelände zu schaffen, zu reinigen und zu verkaufen, das bietet der französische Entsorgungsspezialist Tredi an. Es wäre die wohl sicherste Lösung. Am Ende blieben für den Insolvenzverwalter etwa 200 000 Euro. Viel mehr wird kaum zu holen sein.

Den dreckigen Rest aus der Ära Envio, 1100 Tonnen Giftmüll, hätte die Bezirksregierung Arnsberg am Bein. Allein deren Sanierung kostet rund 1,5 Millionen Euro. Dazu käme der aufwändige Abriss verseuchter Werkshallen. Und dazu noch die Bodensanierung. Je nach Qualität der Ausführung könnten die Kosten in den zweistelligen Millionenbereich gehen.

Finanzielle Reserven

Ein besseres Geschäft macht die Nummer zwei auf der Gläubigerliste: die Berufsgenossenschaft. Sie will 4 Millionen Euro von Envio: eine Million, die bisher in das Betreuungsprogramm für die vergifteten Envio-Arbeiter floss; zwei Millionen, die in den nächsten zehn Jahren folgen sollen; eine weitere Million als Entschädigung für Berufskrankheiten. Hier gibt es finanzielle Reserven: In Verträgen der Betriebshaftpflicht ist Envio-Geld gebunden, mit dem die Berufsgenossenschaft rechnet. Erste Renten für vergiftete Arbeiter könnten im April fließen.

Durch unsachgemäße Behandlung der krebserregenden Chemikalie PCB wurden bei Envio 360 Menschen vergiftet. Seit Mai 2010 ruht der Betrieb in Dortmund.