PCB-Sanierung zieht sich hin
30.07.2010 | 18:49 Uhr 2010-07-30T18:49:00+0200
Dortmund.Stadt und Bezirksregierung bemühen sich um eine zügige Reinigung des immer noch mit PCB verseuchten Envio-Außengeländes. Wann es sauber sein wird, ist nicht absehbar.
Der Plan, diese Woche zum Abschluss zu kommen, scheiterte. „Es gibt ein paar Erschwernisse“, begründet Stadtsprecher Udo Bullerdieck den Verzug. Einige belastete Flächen auf dem 55 000 m²-Gelände seien blockiert – zugestellt mit schwerem Gerät, das als gefährlich gilt.
Autokran angefordert
„Zwei Überseecontainer und ein Großtrafo müssen mindestens zweimal versetzt werden.“ Ehe die Teile bewegt würden, sei eine Außenreinigung fällig. „Ein Autokran ist angefordert, wird aber wohl erst am Dienstag eintreffen.“
Die Bezirksregierung Arnsberg überwacht die Sanierung der befestigten Freiflächen, die Stadt die der unversiegelten Bereiche. Freitagabend hatten die Reinigungskräfte je ein Drittel geschafft. Beide Behörden haben „die Zeitüberschreitung akzeptiert“. Auch am Samstag werde „zügig weitergearbeitet“, so Bullerdieck.
Riesenstaubsauger im Einsatz
Die Nassreinigung auf den befestigten Flächen erfolgt mit Hochdruck und Bürsten, bei gleichzeitiger Unterdruckabsaugung der giftigen Stäube. Zum Einsatz kommen mehrere Systeme mit Arbeitsbreiten von 40 bis 255 Zentimeter Durchmesser. Auf den unbefestigten Flächen wird der Untergrund erst gelockert, dann von einem „Riesenstaubsauger“ (Vakuum-System) auf Lkw gebracht und anschließend in abgedeckten Mulden zwischengelagert. Alle Materialien werden sofort beprobt, um die Entsorgungswege festzulegen. Hochbelastetes Material gelangt in die Sondermüllverbrennung, der Rest auf Deponien.
Dächer und Büros folgen
Nach den Freiflächen stehen Dächer, Innenräume von Bürogebäuden sowie Teile von Halle 55 zur Reinigung an. Bullerdieck: „Der von Envio genutzte Hallenteil ist voll mit Trafos und muss abgetrennt werden, damit dort nichts entweicht und Mieter ihre Bereiche reinigen können.“ Die am Schlimmsten verseuchten Envio-Hallen „werden zuletzt angepackt, wenn ein Gesamtkonzept für die Sanierung der Fläche vorliegt“.
22:09
Envio hat Heute die Reinigungsarbeiten eingestellt.
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2010-08/17671039-envio-gruppe-geforderte-sicherheitsleistung-verhindert-weitere-sanierung-reinigungsarbeiten-bis-auf-weiteres-eingestellt-016.htm
23:23
@2, vaikl
Genaugenommen sind PCB an sich sind weder gasförmig noch flüssig. In welcher Phase PCB auftreten, hängt vom Umgebungsdruck ab. PCB haben einen niedrigen Dampfdruck, sie gelten daher als eher gering flüchtig - der größte Teil der PCB befindet sich daher nicht in der Gasphase, sondern löst sich (selbst in Wasser, daher das Vorkommen u.a. in den Weltmeeren). Das ändert natürlich nichts daran, dass es hier um die riskante PCB-Entsorgung unter freiem Himmel geht, wobei jede Freisetzung (...) unbedingt zu vermeiden ist. Das scheint aber weiterhin nicht Grund genug zu sein, hochprofessionell und mit klarem Konzept die Sache anzugehen.
18:15
mittlerweile können ja viele anwohner besser schlafen
da Envio wohl nicht mehr den betrieb aufnehmen möchte.
die kündigungen an die mitarbeiter ging am 30.07.10 raus.
02:45
Ich kann mich ebenso nur wundern, dass diese Container oder dieser Großtrafo plötzlich eine Erschwernis der Sanierung sein sollen, wo sie doch bislang in fast jedem TV-Beitrag vorkamen.
Das bedeutet ja, dass die Firma Lobbe - diese Edelhoff-Tochter und Envio-Partnerin - in der ersten Sanierung die Hindernisse sauber umsaugt hat und dann Fertig! meldete.
Eine Entsorgungsfachfirma mit Ziele im Auge behalten: das gehört zur Lobbe Philosophie ist da evt. reif für den Augenarzt. Diese Beschwerde von Lobbe über die Reihenfolge von unbefestigt nach versiegelt oder umgekehrt war dann wohl eher Ausflucht oder Ablenkung.
Vielleicht sollte man auch noch darauf hinweisen, dass PCB keinesfalls Staub *ist*, sondern sich nur darauf ablagert. PCB sind gasförmig (Chlorverbindungen halt), schwerer als Luft, leicht in Flüssigkeiten lösbar und demnach ist es für das Gelände schon entscheidend, wie tief man den Untergrund lockern oder evt. auskoffern muss, bis der jahrelang verschluderte Umgang mit PCB-haltigem Isolieröl und Reinigungsflüssigkeit auch aus dem Boden verschwunden ist. Da helfen dann Kehr- und Fegeproben wenig.
22:29
Bullerdieck: Die am Schlimmsten verseuchten Envio-Hallen „werden zuletzt angepackt, wenn ein Gesamtkonzept für die Sanierung der Fläche vorliegt“.
Angepackt klingt tatkräftig - aber ein Gesamtkonzept für die Sanierung der Fläche liegt immer noch nicht vor.
Woran liegt das? Wer erstellt eines? (Btw., dass da Trafos rumstehen, ist ja nicht erst seit gestern so.) Welches Teilkonzept liegt den gegenwärtigen Arbeiten zugrunde? Sind sich die Beteiligten (diesmal) einig, und es hat Hand und Fuß?