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Landgericht

PCB-Nachweis durch Tierversuch

27.11.2012 | 17:20 Uhr
PCB-Nachweis durch Tierversuch
Ex-Envio-Chef DR. Dirk Neupert (r.) mit einem seiner Verteidiger Dr. Christian Tünesen-Harmes. Foto: Knut VahlensieckFoto: Vahlensieck

Dortmund.   Im Prozess gegen Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und weitere drei Mitarbeiter der Recyclingfirma hatte am Dienstag ein weiterer Gutachter das Wort. Auch seine Ausführungen brachten keine Klarheit zu der Frage, zu welchen gesundheitlichen Schäden der Umgang mit PCB führen kann.

Von den 51 in der Anklage aufgeführten Envio-Arbeitern, die in der Recyclingfirma durch das Isoliermittel PCB gesundheitliche Schäden erlitten haben sollen, haben sich bisher nur mehr als die Hälfte zu einer systematisch geführten Untersuchung bereit erklärt.

„Bis jetzt haben 30 der Betroffenen ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbunden. Das ist erschreckend wenig“, so der Vorsitzende Richter Thomas Kelm. Die Ärzte müssen von der Schweigepflicht entbunden werden, weil bei der Untersuchung auch eventuell vorhandene Vorerkrankungen eine Rolle spielen.

Tierversuche in den USA

Ob es Wege gibt, das in 209 verschiedenen Formen vorkommende PCB zweifelsfrei als Ursache für Krankheiten festzustellen, zu dieser Frage brachte auch ein weiteres Gutachten gestern keine Klarheit. So erklärte der Umweltmediziner und Epidemiologe Prof. Rainer Frentzel-Beyme, je nach Art und Konzentration seien heftige Symptome zu erwarten. Zum Erstaunen der Verfahrensbeteiligten führte er dann diverse Tierversuche aus den USA ins Feld:

So hinterlasse eingeatmetes PCB zum Beispiel Spuren im Gehirn: Das hätte sich gezeigt, nachdem man die toten Tiere seziert habe. Dazu der Vorsitzende Richter trocken: „Ohne, dass hier irgend etwas ins Lächerliche gezogen wird: Aber das verbietet sich hier.“ Ebenso die von dem Gutachter angeführten Gallenausgangsmessungen. „Zur Beruhigung aller: So etwas können wir gar nicht einfordern.“

Die Anklage wirft Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und einem weiteren Manager 51-fache Körperverletzung sowie schwere Umweltverstöße vor, zwei weitere Mitarbeiter sind wegen Beihilfe zu Umweltverstößen angeklagt.

Kathrin Melliwa



Kommentare
27.11.2012
22:19
PCB-Nachweis durch Tierversuch
von xxyz | #2

Was ist denn an den Ergebnissen von Tierversuchen ("Tiermodellen") so ungewöhnlich?

Wie werden denn Medikamente getestet?

Als Gelegenheitsleser, der nicht alle Details kennt, kann ich die Betroffenen für ihr Durchhaltevermögen und ihren Kampf nur bewundern.

Unterstützung erhalten sie ja kaum.

27.11.2012
21:48
"Das ist erschreckend wenig"
von vaikl2 | #1

Richter Kelm sollte sich eher überrascht zeigen, dass sich trotz aller chaotischen Erstuntersuchungen, trotz teilweise verhöhnender Aussagen aus dem Kreise des "Runden Tisches" des Gesundheitsamtes, trotz aller bisherigen Ablehnungen von Seiten der Berufsgenossenschaft und der Rententräger sich immer noch 30 Kläger finden, die den Ärzten vertrauen.

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