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Envio-Skandal

PCB-Grünkohl für Kleingärtner im Dortmunder Hafen tabu

22.05.2011 | 06:00 Uhr
Heinrich Schomberg (re.) mit seinem Schwiegersohn Sandy Bartholome: Nach dem PCB-Skandal bei der Firma Envio bauen die Kleingärtner in der KGV Hafenwiese wieder Gemüse und Salate an. Fotos: Franz Luthe

Dortmund. Vom Hafen nebenan wehen Geräusche rüber, der BVB-Fahne am Mast des Kleingartens von Heinrich Schomberg reicht das aber nicht, um in die gewohnte Feierstimmung der letzten Wochen zu kommen. Sie hängt schlaff über der Anlage „Hafenwiese“. Dafür stehen die Kartoffeln prächtig. Auch die Nachricht vom erneuten Anstieg der PCB-Werte durch den „Umweltdienstleister“ Interseroh bringt Schomberg nicht durcheinander.

Durchwachsene Stimmung im Kleingartenverein Hafenwiese in Dortmund. Heinrich Schomberg hat sich entschieden: „Wir nehmen’s gelassen.“ Und gegessen wird, was der Garten hergibt - außer Grünkohl.

Was sagt sein Schwiegersohn Sandy Bartholome? „Es gibt so viele Sachen, die einen belasten. Und jetzt noch Japan.“ Die Pfingstrosen blühen, und Heinrich Schomberg hat Blumen gekauft. Die müssen in die Erde.

Im Februar kam die Freigabe von den Behörden, für Bohnen, Möhren und Zwiebeln gilt nun wieder die Unschuldsvermutung. Brigitte Okunick gibt zu, nicht mehr alles anzupflanzen, was sonst so ihre Küche zierte, aber ganz ohne Gemüse geht es auch bei ihr nicht.

Aufatmen kann man noch nicht - aber graben kann man

Natürlich war auch sie erschrocken, als der Skandal ruchbar wurde. Selbstverständlich hat sie sich geändert und beäugt nun jede Information vorsichtig. Auch wenn sie von den Behörden kommen. „Warum ist Envio denn noch mit einem Umweltengel ausgezeichnet worden?“, fragt sie sich nicht allein. „Bei solchen Unternehmen muss man doch genauer hingucken.“ Und? Guckt sie jetzt genauer hin?

Brigitte Okunick in ihrem Kleingarten.

„Aufatmen kann man nicht“, sagt Brigitte Okunick. Aber man kann auf Grünkohl, Zucchini, Kürbis, Mangold und Spinat verzichten, die gewissermaßen unter Dauerverdacht stehen, sich mit PCB über die Maßen anzureichern. Und was wächst da, Mangold? „Ja, aber ob ich den genießen kann, weiß ich noch nicht.“

 So arbeitet jeder vor sich hin und versucht, schlechten Gedanken das Wasser abzugraben. Wenn auch der ein oder andere Garten einen verlassenen Eindruck macht, weg will hier kaum einer. „Wir haben hier Zuwachs ohne Ende“, meint Sandy Bartholome.

Weg will Okunick auch nicht . „Wir sind seit 28 Jahren hier“, meint sie, „hier steckt viel Arbeit und viel Geld drin. Das gibt man nicht so schnell auf.“ Weil zwischen Schützenstraße und Industriegebiet so viel Idylle passt.

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400 Dortmunder Kleingärtner dürfen keinen Kohl mehr ernten: Er ist mit krebserregendem PCB belastet.

Ingo Mertens hat die Füße hochgelegt. Er erinnert an den Dioxin-Skandal von vor Jahren, als Nico-Metall die Anwohner hochschrecken ließ. „Das haben wir auch überlebt“, meint er. Das klingt anders, als er es meint. Er nimmt den PCB-Skandal durchaus ernst, aber was soll man tun - außer nichts? Es gab einen Bericht, 74 Seiten mit Tabellen und Messwerten. Mertens hat sich entschieden, dem Bericht Glauben zu schenken. Also: kein Grünkohl. Er kennt allerdings zwei, drei Kollegen, die gut durchgegessen haben, „die waren aber auch schon ziemlich alt“.

„Trotz des ganzen Drecks von da hinten“, sagt Brigitte Okunick und nickt in Richtung Envio, „schmeckt es immer noch besser als gekauft.“ Kleingärtner sind Menschen der Tat. Praktisch veranlagt - und sie denken auch so.

Dirk Berger

Kommentare
25.05.2011
16:52
So arrangieren sich die Kleingärtner mit PCB in Dortmund - Grünkohl steht noch unter Anklage
von kostinkt | #6

@ vaikl,

danke, der Link hat mir jetzt schon sehr geholfen.

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PCB-Grünkohl für Kleingärtner im Dortmunder Hafen tabu
PCB-Grünkohl für Kleingärtner im Dortmunder Hafen tabu
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2011-05-22 06:00
Dortmund