Envio-Skandal
PCB-Fischer werfen Netze im Hafen aus
30.08.2010 | 19:37 Uhr 2010-08-30T19:37:00+0200
Dortmund.„Wir werden auf jeden Fall PCB und Dioxin in den Fischen finden. Die Frage ist nur: wie viel?“ Mit dieser Prognose schipperte Dr. Thomas Delschen und seine Mannschaft vom Landesumweltamt (LANUV) am Montag los – beim PCB-Fischzug im Dortmunder Hafen.
Angewandter Verbraucherschutz im Fahrwasser des Envio-Skandals: Die Sorge, giftiger PCB-Staub könnte in die Becken gelangt sein, in Fischen, Schwebstoffen und Sedimenten schlummern – diese Befürchtung rief eine Handvoll Experten an Deck. Ein tuckernder Außenborder brachte das auf 20 000 Euro taxierte Untersuchungsprogramm auf Kurs. Die jüngst vom Dortmunder Umweltamt genommenen Wasserproben im Hafen waren zwar einwandfrei. Doch um etwas über die Qualität der Fische sagen zu können, muss man sie fangen und analysieren.
Aale, Brassen, Rotaugen, Rotfedern und Elritzen
Aale, Brassen, Rotaugen, Rotfedern und Elritzen sollten gestern an Land gezogen werden – fettreiche Fische, denn in Fett reichert sich PCB an. Im Schmiedinghafen und im Containerhafen legten die Umweltbiologen rund 300 Meter Netze und zahlreiche Reusen aus. Jeweils 15 Exemplare einer Art sollten schon zusammenkommen, um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen. Repräsentativ wird es ohnehin kaum werden, denn Zu- und Abwanderung gibt es auch unter Wasser. „Von Schleuse zu Schleuse haben wir einen regelmäßigen Austausch“, sagt Delschen.
3000 Angler haben die Lizenz zum Hafen-Fischen
Würden Sie Fisch aus dem Dortmunder Hafenbecken essen?
Der frische Fang wird „küchenfertig filetiert“. Was sich lecker anhört, ist kühle Vorbereitung für eine High-Tech-Untersuchung. In den Laboren des Hamburger Unternehmens Eurofins geht eine aufwändige Analytik den erwarteten PCB- und Dioxinkonzentrationen im Dortmunder Fisch auf den Grund. Aus den Ergebnissen, die im Spätherbst erwartet werden, ergibt sich eine Verzehrsempfehlung für die rund 3000 Angler, die auf der 35 Hektar großen Wasserfläche im Hafen fischen dürfen.
Zahlreiche Petrijünger werfen ihre Köder für den Eigenbedarf aus. Auch Eugen Krüger. Der Kreisfischereiberater zog vorige Woche einen Aal aus dem Wasser und aß ihn. Gestern wirkte er so, als wäre das möglicherweise verfrüht gewesen. „Man weiß ja nie...“
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Jaja, hydrophil und lipophob, die alten Kollegen lassen so manchen Presse-Onkel stolpern.
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Die eigentliche Aussage dieses Fang-Ausflugs von Dr. Delschen lautete: Da PCB nicht wasserlöslich sind, machen reine Wasserproben-Prüfaufträge, wie sie von der Stadt an das Hauslabor Wessling zur Beruhigung der Bevölkerung vergeben wurden, keinen Sinn. Punkt.
Da ist sogar der WDR mittlerweile etwas aufnahmebereiter als Sie, lieber Herr Brandt.