PCB-Entwarnung für den Dortmunder Hafen
20.10.2010 | 19:31 Uhr 2010-10-20T19:31:00+0200
Dortmund.„Der Hafen ist keineswegs mit PCB verseucht.“ Keine neue Nachricht, die Hafen-Vorstand Manfred Kossack gestern verkündete. Aber eine beruhigende – gestützt von frischen Messergebnissen.
Hafen AG und Bezirksregierung haben das Areal großräumig auf PCB untersuchen lassen. Zwischen 3. und 21. September nahm das Bochumer Labor Wessling Fegeproben an 68 Stellen – vom Fredenbaum bis zur Mallinckrodtstraße, von der Westfaliastraße bis in die Wohngebiete östlich des Hafens. Der Staub eines jeweils ein Quadratmeter großen Bereichs wurde zusammengefegt, analysiert und auf ein Kilogramm Staub berechnet.
64 grüne Punkte
Drei von der Bezirksregierung genehmigte Trafo-Transporte verlassen in den nächsten Tagen das Envio-Gelände.
Die Firma TSW, bislang Untermieterin auf dem Envio-Gelände, hat ihren Firmensitz nach Bochum verlegt. In der von TSW mitgenutzten Halle 55 lagern noch drei PCB-freie Transformatoren, die in den nächsten Tagen zum neuen Firmensitz transportiert werden sollen.
Die Trafos seien „von einer Fachfirma von außen gereinigt“ worden, teilt die Bezirksregierung mit. Ein Labor habe bestätigt, dass sie PCB-frei seien.
Arnsberg habe daraufhin den Abtransport unter Vorgabe arbeitsschutzrechtlicher Bedingungen genehmigt.
Am heutigen Donnerstag soll ein erster Transformator abtransportiert werden; die beiden weiteren Trafos folgen dann Anfang kommender Woche. bra
64 der 68 Messpunkte auf der Hafenkarte sind grün dargestellt. 43 Proben brachten Ergebnisse unterhalb der Nachweisgrenze von 0,01 Milligramm PCB pro Kilo, darunter auch sämtliche Proben aus dem Grüngürtel und den Wohnbereichen. Bei 21 Proben lagen die PCB-Werte zwischen 0,01 und 2,5 mg/kg. Vier orange Punkte deuten an: Es gibt auch Ausreißer. Sie bewegen sich mit maximal 17 mg/kg aber unterhalb des Abfallgrenzwertes von 50 mg/kg. Die Giftbelastung sei 1000-fach geringer als auf dem verseuchten Envio-Gelände, sagt Umweltamtsleiter Wilhelm Grote. Die vier Ausreißer sprächen für PCB-Ausstöße der Schrottverwerter Interseroh, Hittmeyer und Ahle, heißt es. „In deren Ware ist immer noch PCB, etwa in alten Kühlschränken“, so Grote.
Die Insel Envio
Die Hafen AG, die sich die rund 8500 Euro für die Untersuchung mit der Bezirksregierung teilt – sie atmet auf. „Wir tragen die Verantwortung für dieses Gebiet mit 160 Firmen und 5000 Beschäftigten. Und wir sind froh, dass wir Entwarnung geben können“, freut sich Prokurist Rainer Pubanz. Der Herd, auf dem das skandalöse Giftgemisch kochte, sei eindeutig identifiziert: „Die Insellage von Envio. Wir verurteilen, was da passiert ist. Die Betroffenen haben unser echtes Mitgefühl.“
Pubanz zeigte sich erleichtert, dass es auch für die Belastungen im West- und Nordhafen „eine Erklärung gibt: betriebsbedingte PCB-Anreicherungen“ bei den Schrottverwertern. Die müssten weiter nachbessern, so Grote.
13:32
43 Proben brachten Ergebnisse unterhalb der Nachweisgrenze von 0,01 Milligramm PCB pro Kilo, darunter auch sämtliche Proben aus dem Grüngürtel und den Wohnbereichen.
Für den Standard-Dienstleister der Stadt, das Labor Wesseling, gab es eigentlich *immer* Werte unterhalb der Nachweisgrenze in diesen Gebieten - auch wenn das LANUV zu grundsätzlich anderen Ergebnissen gekommen war. Ein Schelm, wer Komisches dabei denkt, obwohl die Interessenlage der Stadt bzw. der Hafen AG ja klar sein sollte. Schließlich ist sie für die Flächen als Eigentümerin verantwortlich.
Was Hittmeyer und Ahle angeht - anscheinend hat auch Herr Brandt wieder vergessen, dass die beiden Firmen verseuchte Bleche von Envio abgenommen hatten. Und bei Interseroh könnte man ja mal nachprüfen, ob dort ähnliche Beziehungen bestanden.