PCB-Alarm an der TU Dortmund für 350 Mitarbeiter
06.12.2010 | 19:24 Uhr 2010-12-06T19:24:00+0100
Dortmund.Ab sofort können die rund 350 Uni-Mitarbeiter in den mit krebserregendem PCB belasteten Bauten IV und V auf dem Campus Süd ihr Blut untersuchen lassen – einmal jährlich, kostenlos und anonym. Mit diesem Schritt reagierte die Hochschulleitung am Montag auf den WR-Bericht über die erhöhten Giftwerte in den Gebäuden und bei Langzeitbeschäftigten.
PCB-Alarm an der TU Dortmund: Zwei Gebäude auf dem Campus Süd sind mit dem krebserregenden Gift belastet. In der Raumluft und im Blut von langjährigen Mitarbeitern fanden sich erhöhte PCB-Konzentrationen. Rund 350 betroffenen Beschäftigten bietet die Hochschule jetzt kontinuierliche Blutuntersuchungen an – einmal pro Jahr, kostenlos und anonym.
Seit 15 Jahren ist das Gift-Problem bekannt, geht das PCB-Gespenst an der TU um. Jetzt spitzt es sich zu. Im Reich der Maschinenbauer und Informatiker sowie im Rechenzentrum der Uni wiesen Raumluftmessungen derart hohe Giftkonzentrationen nach, dass nur noch der Abriss der Gebäude bleibt. Messungen wiesen in der Spitze mehr als 2800 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Raumluft nach. Ab 3000 Nanogramm müssten Gebäude sofort geräumt werden. Die belasteten Gebäude sollen abgerissen, zwei Neubauten hochgezogen werden. Geplante Fertigstellung: Herbst 2013. Kosten: 40 Millionen Euro. „Das ist beschlossene Sache“, bestätigt Helmut Heitkamp, Chef des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW in Dortmund.
35 Langzeitbeschäftigte betroffen
Das Gift entweicht vornehmlich aus Fugendichtungen. Und es zirkuliert schon im Blutkreislauf einiger Mitarbeiter. Das belegen Befunde von 35 Langzeitbeschäftigten. Die WR kennt einen Wert, der achtfach über dem der Normalbelastung liegt. Das müsse noch nicht die Spitze sein, warnt der Aachener PCB-Experte Prof. Dr. Thomas Kraus, Chef des Untersuchungsprogramms im Envio-Giftskandal.
Nachdem im Blut von 35 langjährigen Uni-Mitarbeitern zum Teil erhöhte PCB-Mengen gefunden wurden, stehen nun allen 350 Beschäftigten jährliche Bluttests offen. Den Betroffenen versprach die Hochschulleitung gestern eine intensivere Kommunikation und regelmäßige Informationen. „In aller Offenheit“ solle das Gift-Thema behandelt werden.
Verharmlosung?
Das hatten einige jahrelang vermisst. Eine Ex-Beschäftigte beklagt nicht nur „halbherzige Maßnahmen“ wie häufiges Stoßlüften und regelmäßige Reinigungen von Böden und Möbeln. Sie äußert auch den Verdacht, das PCB-Problem sei bewusst verharmlost worden. Eine „Betriebsanweisung“ für das „Verhalten der Beschäftigten“ in den giftbelasteten Bauten aus dem Jahre 2008 könnte tatsächlich den Eindruck vermitteln. Denn die Anleitung nennt „die Nahrung“ als „Hauptquelle der Belastung“ – nicht etwa die Giftkonzentrationen in den Räumen. Die Botschaft: „Schwangere und Stillende sollten erstmal ihre Ernährung umstellen“ – ungeheuerlich sei das, sagt die Kritikerin.
Die Anweisung sei „wohl vertretbar, aber nicht glücklich“ ausgefallen, räumt Holger Bielen vom Personalrat der Nichtwissenschaftler ein. Eine mögliche Erklärung: Vielleicht seien die Ratgeber zum Thema PCB damals „selbst nicht so ganz im Bilde“ gewesen. Immerhin: Die Nichtwissenschaftler schlossen damals noch eine „Dienstvereinbarung zum Schutz vor PCB-Belastungen in den Gebäuden IV und V“ mit dem Kanzler der TU ab. Der Personalrat der wissenschaftlichen Mitarbeiter sah dazu „keine Notwendigkeit“, wie Vorsitzender Günter Krüger bestätigt. Was zähle, sei eine einheitliche PCB-Richtlinie. Eine formale Festlegung „lohnt nicht“.
09:02
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22:12
An apple a day keeps the doctor away. ,-
20:39
Informatikern bleibt aber auch nichts erspart.
18:36
2800ng? Das ist ja nix! An der Bochumer Uni wird da noch nichtmal für saniert.
14:58
seit 15 Jahren werden da Umwelt, Menschen schrittweise vergiftet! Mal eine Frage wurde dafür schon jemand zu Rechenschaft gezogen? Oder wurd den nur mal auf die Hände geklopft???
13:50
@eksom:
Die Baufachleute sitzen in GB I bis III. Diese Gebäude wurden bereits saniert.
13:42
Lieber Herr Lünnemann von der Uni Do: Was ist, wenn die PCB-Werte, die natürlicherweise im Körper vorkommen sollen, höher sind als die PCB-Werte in einem Gebäude? Darf man dann noch zur Arbeit kommen bzw. dort zur Toilette gehen? Werden dadurch die Gebäude-PCB-Werte unnötig in die Höhe getrieben?
13:31
@ #6
Kann man nur bestätigen, wenn man gestern den Kurzbeitrag in der Lokalzeit gesehen hatte. Da schwätzt ein Ole Lünnemann für die Uni was von Jeder von uns hat ja PCB im Körper und da liegen die Belastungen in den Gebäuden nur knapp drüber.
Wunderbar, Herr Lünnemann - vielleicht gibt es ja demnächst PCB als Brausetabletten, damit Jeder von uns knapp drunter liegt und eigentlich garnix passiert ist?
13:22
Campus Süd...
Da studieren und lehren doch die Baufachleute!
Und keine von denen ist bis heute jemals auf die Idee gekommen, mal Ihr Umfeld und die Bausubstanz zu untersuchen?
Armes Deutschland, arme TU-Dortmund und spätere Bauherren...
Solche Leute (Möchtegernexperten) werden dann in der freien Wirschafts später auf die Bauherren/Kunden losgelassen?
Wer zahlt jetzt für die Krebsgeschädigten?
13:12
Als direkt betroffener freue ich mich persönlich sehr, dass dieser Missstand endlich auch öffentlich angeprangert wird. Es ist ja leider allzu häufig so, dass nur auf öffentlichen Druck hin Dinge geändert werden. Leider muss ich sagen, dass der Eindruck von Verharmlosung auch bei näherer Beschäftigung mit dem Problem Bestand hat.