Organisatoren des Schweige-Protests sind "total überwältigt"
28.11.2012 | 15:28 Uhr 2012-11-28T15:28:41+0100
Dortmund. In den vergangenen Wochen zeigen sich Fußball-Fans als äußerst kreativ, wenn es darum geht, ihre Interessen zu vertreten. Am 14. Spieltag schweigen Fans aus Protest gegen drohende Auflagen. Im Internet sammeln sie Stimmen, die sagen: "Ich fühle mich sicher".
Fußball-Fans eilt ein negativer Ruf voraus. Proletenhaftes Verhalten, Randale, Pyrotchnik, Alkohol - ein Zerrbild des deutschen Stadionalltags. Doch in den Fankurven regt sich Protest. So setzten Fans in ganz Deutschland ein eindrucksvolles Zeichen - indem sie einfach schwiegen.
Eines der Epizentren im Engagement gegen strenge und einengende Sicherheitskonzepte ist Dortmund. BVB-Fans initiierten die Aktion "Kein Zwanni" , um für faire Ticketpreise zu kämpfen. Jetzt regt sich Protest gegen das von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aufgelegte Papier "Sicheres Stadionerlebnis" . "Wir Fans sind beim Börsengang des BVB überrollt worden", sagt Jan-Henrik Gruszeki, ein Kenner der Dortmunder Fanszene und Urgestein der Ultraszene. Damals, im Jahr 2000, habe sich ein Teil der Dortmunder Fans politisiert. Gleichzeitig hatte das damalige BVB-Präsidium unter Gerd Niebaum Satzungsänderungen durchgedrückt, so dass einige kritische Mitglieder ihren Einfluss schwinden sahen. Als der Verein dann in den Jahren 2004 und 2005 kurz vor der endgültigen Pleite stand , regte sich lautstarker Protest. Unter dem Motto "Not for Sale" gingen BVB-Fans auf die Straße und protestierten unter anderem gegen die Verpfändung des Vereinslogos.
Und jetzt also zwölf Minuten und zwölf Sekunden langes Schweigen. Die Stille legte sich bleiern über Deutschlands lautestes Stadion. Gemurmel, ab und zu ein Ruf, gelegentliches Raunen, wenn sich auf dem Rasen eine Torchance anbahnte. Ansonsten: Stille.
Vorsänger wurden Vorschweiger
Unten auf dem Podest zwischen den Blöcken 12 und 13 der gigantischen Südtribüne stand Vorsänger Oliver Ricken. Gemeinsam mit seinem Kollegen Claas gibt er normalerweise die Lieder vor, die vom größten Chor der Welt gesungen werden. Gegen Düsseldorf waren die beiden zwölf Minuten lang die Vorschweiger. "Das war eine Atmosphäre wie beim Tennis", sagt Ricken. Die zwölf Minuten hätten sich "wie Kaugummi" gezogen. Das Vorstandsmitglied der Ultra-Gruppe "The Unity" zeigt sich überwältigt von der Geschlossenheit, mit der die Fans auf der Südtribüne still protestiert hatten. "Ich hätte niemals erwartet, dass das so gut wird", gibt Ricken zu.
80.100 Zuschauer schwiegen. Bis die großen Anzeigetafeln exakt zwölf Minuten und zwei Sekunden anzeigten - Auftakt zum Countdown. Vorsänger Ricken: "Ich habe mich gefühlt, als wären die Blicke von 80.000 Leuten nur auf uns beide auf dem Podest gerichtet." Dann, mit Schlag 12:12 Minuten, brach es aus den Fans auf der Südtribüne heraus: "Borussia, wir sind immer für dich daaaaaaaa!", nach der Melodie von "Im Wagen vor mir". Auf der gegenüberliegenden Seite feuerten die Gäste aus Düsseldorf ihre Fortuna an, auch sie hatten sich an die selbstauferlegten Schweigeminuten gehalten. Die Fans zeigten anschaulich, wie die Stimmung in Fußballstadien im schlimmsten Fall sein könnte und wie sie eigentlich immer sein sollte.
Sebastian Kehl fand das stille Stadion "komisch"
"Die ersten zwölf Minuten waren schon komisch", gestand auch BVB-Kapitän Sebastian Kehl nach dem Spiel . Die Mannschaft war unter der Woche von den Fans informiert worden . Dennoch sei es der Mannschaft natürlich lieber, "wenn die Fans ab der ersten Minute da sind". Beobachter hatten denn auch das Gefühl, dass mit dem Lärm im Stadion auch mehr Tempo in die Partie kam.
-
Seite 1: Organisatoren des Schweige-Protests sind "total überwältigt" -
Seite 2: 60.000 Fans bekennen: "Ich fühl mich sicher"
|
|
1 | 2 |
17:28
Super,
12min schweigen und danach so weitermachen wie bisher. Konsequent wäre es einfach mal 90min. den Mund zu halten oder erst nach 12min. auf seinen Platz zu gehen.
Naja, dafür wurde die restlichen 78min. die Fahnen wie noch nie geschwenkt. Schlechtes Gewissen?
Ein Zeichen gegen Rechts wäre mir da lieber, aber wieso sollte man sich ins eigene Nest kacken?
Sei nicht so hysterisch, ins Dortmunder Westfalenstadion passen so viel Zuschauer wie Castrop-Rauxel Einwohner hat. Dass es darunter auch ein paar Verstrahlte gibt, ist mehr als wahrscheinlich.
C-R hat keinen NWDO und auch keinen "SS-Siggi", dessen braune Kameraden sich jahrzehntelang *hier* bei div. Ultragruppen verstecken konnten. Bis ihr das begriffen habt und euch wehrt, muss man anscheinend immer wieder von außen drauf aufmerksam machen.
17:13
Boah, was machen die ein Brimborium, wir standen von den 70ern bis in die 90er auch im Block 13, da gab es solche Probleme nicht und wenn doch, dann haben wir sie unter uns gelöst. Also Jungs, lasst die Fackeln aus dem Stadion, dann wird alles gut. ;-)
So ist es! Das habe ich den Jungs vorm Block, die die Flyer verteilt haben, auch gesagt. Freundlich, aber doch klar. Auch im 13er nachher habe ich allen, die mit uns oben stehen gesagt, dass wir Fans auch eine Gegenleistung erbringen müssen. Warum nicht mit einem klaren "Nein" zu Bengalos. Was mich ein wenig gewundert hat, es gab keinen Widerspruch, allerdings aber auch keine Bejahen. Ich glaube aber, die "Pro Bangalo" Einstellung bröckelt so langsam massiv. Die mesten wollen das auch nicht, nur sagt es kaum einer deutlich. Aber wir "Altgedienten" im 13er können das sehr wohl. Stehe seit den 80ern im 13er.
Die Jungs haben sich mehr wegen dieser Nacktscannen-Thematik aufgeregt.