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Opferberatung in Dortmund - 28 Fälle rechter Gewalt seit November

19.12.2011 | 10:52 Uhr
Opferberatung in Dortmund - 28 Fälle rechter Gewalt seit November
Rechte Gewalt in Dortmund ist ein alltägliches Phänomen - das ist das Ergebnis einer Diskussion von „Grüne im Diaolog: Auf dem rechten Auge blind?“ mit Claudia Luzar (Opferberatung „Back up“), Monika Düker (Grüne), Renate Künast (Grüne) und dem NRW-Chefermittler Dieter Schürmann.Foto: Michael Printz

Dortmund.  Rechte Gewalt ist in Dortmund ein alltägliches Problem - das ist das Fazit der Diskussionsrunde „Grüne im Dialog“. Die Opferberatungsstelle „Back Up“ betreut kurz nach ihrer Gründung bereits 28 Fälle. Eine Mutter im Publikum berichtete, ihr Sohn habe wegen Anfeindungen ins Ausland gehen müssen.

Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe –diese Namen stehen für die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) . Diese Namen stehen aber auch für ein Versagen von Verfassungsschutz und Polizei. So jedenfalls äußern sich viele Zuschauer im Dietrich-Keuning-Haus. Bündnis ‘90/Die Grünen in Dortmund diskutieren zum Thema: „Was tun gegen rechte Gewalt: Auf dem rechten Auge blind?“

Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann, ranghöchster Vertreter der Polizei im Land und einer der von den Grünen eingeladenen Podiumsteilnehmer, kämpft. Er will nichts verharmlosen. „Ich bin leidenschaftlicher Demokrat“, sagt er. Applaus brandet beim Publikum – die Reihen sind nicht voll besetzt – nicht auf.

Polizei "im Mark getroffen"

Schürmann sieht die Polizei in NRW „im Mark“ getroffen, weil es trotz „intensivster Ermittlungen“ nicht gelungen sei, dem rechten Terror-Trio früher das Handwerk zu legen. Eine „Krise der Polizei “ mag Schürmann jedoch nicht erkennen. „Was ist an Informationen übersehen oder falsch verarbeitet worden“, sagt er mit fester Stimme. Das gelte es nun aufzuarbeiten. „Wir holen alle Akten wieder aus dem Schrank“, fügt er hinzu.

Rechte Szene im Jahr 2011

Das hält Claudia Luzar, die mit dem Landeskriminaldirektor auf dem Podium sitzt, für notwendig: „Rechtsextreme Gewalt ist alltäglich.“ Die Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin am „Heitmeyer-Institut“ der Uni Bielefeld hat die Beratungsstelle Opferperspektive mitbegründet. Diese Organisation will Opfern rechter Gewalt beistehen: beispielsweise Anwälte für die Nebenklage organisieren oder über Entschädigungsleistungen beraten. 28 Fälle liegen schon auf dem Tisch.

"Ausländerfeindlichkeit in allen Schichten"

Mit Zahlen geht es weiter: „30 Prozent der Befragten fühlen sich fremd im eigenen Land“, zitiert die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast , die neben Dieter Schürmann auf dem Podium sitzt, eine Studie und stellt fest: „Ausländerfeindlichkeit gibt es in allen Schichten.“ Ein Dortmunder Rechtsanwalt aus dem Publikum grenzt ein: „Ich habe noch nie etwas von einer Feindseligkeit gegen Holländer oder Briten gehört.“ Alle sind sich einig: Es geht gegen Moslems, Farbige, Schwule und andere Minderheiten.

"Dortmund hat ein Nazi-Problem"

„Dortmund hat ein Nazi-Problem“, meint eine Dortmunderin. Ihr Sohn sei ein Opfer rechter Gewalt. „Zehn Übergriffe haben wir zur Anzeige gebracht.“ Alle Verfahren seien eingestellt worden. Stille im Saal. Die Frau ringt nach Luft: „Mein Sohn musste ins Ausland gehen.“

„Wir haben mit den Methoden nicht das erreicht, was wir wollten“, gibt Landeskriminaler Schürmann zu und verspricht: „Wir werden Lehren daraus ziehen.“ Renate Künast regt eine Bundesstiftung an, um „Projekte (gegen rechte Gewalt, d. Red.) anders oder besser abzusichern“. „Die Jugendarbeit sollte verbessert werden“, kritisiert ein Zuhörer und bringt die Diskussion auf den Punkt: „Wir müssen endlich etwas tun!“

Sebastian Schulte

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