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Opfer rechter Gewalt aus der Region erhalten Hilfe bei „Back up“ in Dortmund

17.11.2011 | 18:02 Uhr
Opfer rechter Gewalt aus der Region erhalten Hilfe bei „Back up“ in Dortmund
Für Opfer rechter Gewalt gibt es nun in Dortmund eine Anlaufstelle.

Dortmund.   In Dortmund gibt es ab sofort Hilfe für Opfer rechter Gewalt. Die Beratungsstelle „Back Up“ hat ihre Arbeit aufgenommen, die langfristige Finanzierung dieser ersten Einrichtung in Westdeutschland ist gesichert. Betroffene aus ganz Westfalen können sich hier beraten lassen.

„Es ist schon ein Skandal, dass es eine solche Beratungsstelle überhaupt geben muss.“ Mit sehr emotionalen Worten stellte am Donnerstag Hartmut Anders-Hoepgen, Sonderbeauftragter für den Aktionsplan „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ der Stadt, die neue Beratungsstelle „Back Up“ vor, eine Anlaufstelle für Opfer rechter Gewalt. Sie ist die erste in Westdeutschland, ist nicht nur zuständig für die Stadt Dortmund, sondern für Westfalen.

Lange wurde eine solche Stelle gefordert. Am 1. November hat Rechtsanwalt Ulf Märtens seine Arbeit aufgenommen. „Obwohl wir noch nicht offiziell an den Start gegangen sind, kümmern wir uns bereits um zehn Familien“, erklärte Claudia Luzar vom Institut für interdisziplinäre Konflikte und Gewaltforschung in Bielefeld. Sie hat die allererste Beratungsstelle 1998 in Brandenburg mit aufgebaut, ist zuständig für das Coaching der Mitarbeiter und ihre wissenschaftliche Begleitung. Sie betonte, dass das keine Eintagsfliege werden soll, sondern eine langfristig angelegte Einrichtung. Künftig sollen sich drei bis vier Mitarbeiter um die Opfer rechter Gewalt kümmern.

Claudia Luzar stellte mit ihren Mitstreitern die neue Beratungsstelle „Back Up“ vor. Foto: Ralf Rottmann

Wie Ulf Märtens erklärte, handelt es sich um eine kostenlose, umfassende Hilfe von der juristischen Beratung, der Begleitung bei Aussagen zur Polizei, der Prozessbegleitung bis hin zur psychosozialen Betreuung.

Zudem wolle man Öffentlichkeit herstellen, um die Isolation der Opfer zu durchbrechen. Auch die Nachbarschaft informieren. Das alles sei jedoch abhängig von dem Willen der Betroffenen, die sich auch anonym melden können. „Auch die Anträge auf Entschädigung der Opfer, denen oft ein materieller Schaden durch Sachbeschädigungen entstanden ist, nehmen wir vor,“ sagte Claudia Luzar. Im Fall einer Dortmunder Familie sei das schon geschehen.

Landeszentrale für Politische Bildung finanziert

Finanziert wird die Beratungsstelle in diesem Jahr durch die Landeszentrale für Politische Bildung. Für die Landeszentrale betonte Dr. Hans Wupper-Tewes, dass die Finanzierung langfristig gesichert sei. Neben der Beratungsstelle für Westfalen soll eine zweite im Rheinland entstehen. Er betonte, dass die Arbeit einzelfallorientiert ablaufe, dass eine hohe Empathie für die Opfer vorhanden sei. Wichtig, dass die Anlaufstelle in der Zivilgesellschaft verankert sei und in freier Trägerschaft des PariSozial, einer Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Hartmut Anders-Hoepgen erklärte, „dass Dortmund nur die Spitze des Eisbergs ist.“ Er hoffte, dass Justiz und Polizei künftig sorgsamer mit den Menschen umgingen, die Opfer rechter Gewalt geworden seien. Man werde versuchen, verstärkt einer „Vernormalisierung des rechten Auftretens entgegenzutreten“.

Kontakt und Info

Kontakt zu „Back Up“ kann telefonisch unter 0172/1045432 oder per E-Mail unter contact@back-up-nrw.org erfolgen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Beratungsstelle.

Andreas Winkelsträter

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