Opernregisseur stellt Papagenos wahren Vater vor
05.09.2012 | 07:07 Uhr 2012-09-05T07:07:00+0200
Opernregisseur Heinz Lukas-Kindermann stellt Emanuel Schikaneder, den Autor der „Zauberflöte“, im Harenberg City-Center im Jahr seines 200. Todestages vor. Der Stadt ist Lukas-Kindermann sehr verbunden. Trotzdem sagt er: „Dortmund verkauft seine Kultur überregional schlecht.“
„Die Zauberflöte“ ist eine der bekanntesten Opern des deutschsprachigen Raumes. Wolfgang Amadeus Mozart ist auch durch sie zur Berühmtheit gelangt. Doch Papagena und Papageno sind einer anderen Feder entsprungen: Emanuel Schikaneder schrieb das Werk und beauftragte seinen Freund, die Oper zu komponieren. Dennoch ist Schikaneder ein weitestgehend Unbekannter. Opernregisseur und Kulturmanager Heinz Lukas-Kindermann stellt ihn im Harenberg City-Center im Jahr seines 200. Todestages vor. Mit Maike Rellecke sprach Lukas-Kindermann über den ungewöhnlichen Theatermanager.
Sie stellen im HCC Emanuel Schikaneder vor. Wer war er?
Heinz Lukas-Kindermann: Schikaneder war ein Zeitgenosse Wolfgang Amadeus Mozarts. Er hat „Die Zauberflöte “ geschrieben, zu der Mozart dann die Musik komponiert hat. Generell war Schikaneder ein Pionier der Theaterarbeit. Er hat zahlreiche Theaterstücke und Opern geschrieben, war selbst ein glänzender Schauspieler und Liebling des Publikums; er hat sogar ein Theater gegründet: das Theater an der Wien, das heute noch steht.
Warum ist Mozart dann mit der „Zauberflöte“ berühmt geworden und Schikaneder dagegen in Vergessenheit geraten?
Lukas-Kindermann: Ja, einfach, weil die Musik von Mozart genial ist. Theaterleute und Musiker kennen Schikaneder natürlich, aber es stimmt schon: Er ist weitgehend unbekannt. Das ist schade. Ein Teil Mozarts Unsterblichkeit hat auf Schikaneder abgefärbt. Das kann niemanden unberührt lassen.
Was macht Emanuel Schikaneder für Sie so interessant?
Lukas-Kindermann: Schikaneder war ein Multitalent und ein talentierter Manager – im ganz modernen Sinne. Er hat mit seinen Theaterstücken immer auf aktuelle Situationen reagiert, was sie für das Publikum spannend gemacht hat. Etwa in der Tragödie „Agnes Bernauerin“: Im Stück wird eine Frau zur Wasserprobe verurteilt und ertrinkt. Das wurde in Schikaneders Ensemble so realistisch dargestellt, dass das Publikum begann den Schauspieler, der den Richter darstellte, zu ächten. Er konnte nirgends mehr in Salzburg hingehen, ohne verschmäht zu werden. Schikaneder reagierte darauf, indem er bei der nächsten Vorstellung vor den Vorhang trat und verkündete: ,Liebes Publikum, heute schmeißen wir den Richter ins Wasser!’ Und die Leute jubelten.
Im Programm ist der Abend als Mix aus Vortrag und musikalischer Darbietung beschrieben. Wie gestalten Sie ihn?
Lukas-Kindermann: Es wird schon eher ein Vortrag werden. Aber ich gebe auch musikalische Beispiele. Ich habe mich schon mit Schikaneder beschäftigt, als ich noch in Dortmund am Theater gearbeitet habe. Damals – 1994 – habe ich eine Ausstellung über Schikaneder geplant, die dann wegen des Intendantenwechsels nicht zustande gekommen ist. Ich verspreche einen spannenden Abend über einen Mann, der ein abenteuerliches Leben geführt hat.
Sie haben selbst lange Jahre als Kulturschaffender hier gearbeitet. Können Sie verstehen, warum Dortmund beim Kulturstädteranking des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts auf Platz 26 von 30 Städten gelandet ist?
Lukas-Kindermann: Das ist mir völlig unverständlich! Ich kenne zwar die Studie nicht, aber sie muss meiner Meinung nach eine Fälschung sein. Ich kenne Dortmund gut, es ist meine zweite Heimat und ich bin immer wieder zu Premiere hier. Ich freue mich jedes Mal darauf! Dortmund verkauft seine Kultur überregional schlecht, das ist der Punkt.
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