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Onkel Mustafa vom Borsigplatz ist ein Gesicht der Nordstadt

07.01.2012 | 15:00 Uhr
Onkel Mustafa vom Borsigplatz ist ein Gesicht der Nordstadt
Taxifahrer Mustafa Güner, hat fast sein gesamtes Leben am Borsigplatz gewohnt. Er gehört zu den "Gesichtern der Nordstadt".

Dortmund.   Für die Kinder vom Borsigplatz ist er „Mustafa Amca“ – Onkel Mustafa. Wenn sie ihn so auf Türkisch begrüßen, setzten sie noch ein deutsches „Hallo“ davor. Mustafa Güner freut sich darüber, es ist ein Zeichen der Ehre.

Für die Kinder vom Borsigplatz ist er „Mustafa Amca“ – Onkel Mustafa. Wenn sie ihn so auf Türkisch begrüßen, setzten sie noch ein deutsches „Hallo“ davor. Mustafa Güner freut sich darüber, es ist ein Zeichen der Ehre. Und eines dafür, dass ihn alle kennen.

Kein Wunder, denn der 45-Jährige hat nicht nur fast sein gesamtes Leben am Borsigplatz gewohnt – seit er 12 Jahre alt ist an der Bleichmärsch – auch sein Arbeitsplatz ist die Nordstadt. Genauer: Die Straßen des Stadtteils, denn Mustafa Güner ist Taxifahrer.

Der 45-Jährige betreibt ein eigenes Unternehmen, mit seinem Bruder als Partner. Eigentlich hatte er eine Lehre als Bürokaufmann gemacht, doch Güner wollte die Dinge selbst in die Hand nehmen und selbst bestimmen können. Seit 20 Jahren ist er eigenständig.

Ein Mann der Tat

Der in Lünen geborene Mann mit türkischen Wurzeln ist ein Mann der Tat. Er bietet mehr an als nur einen Fahrdienst. Er packt mit an, wenn es darum geht, Koffer oder auch mal Möbel zu tragen. Oder er kauft ein, wenn seine Stammkunden das wünschen. „Taxifahren heißt für mich, flexibel auf die Wünsche der Kunden zu reagieren“, sagt er. Und die wünschen sich Unterstützung im Alltag. „Eben habe ich beim Arzt ein Rezept abgeholt und es gleich eingelöst. Noch zwei Schachteln Zigaretten dazu, dann bringe ich dem Kunden das“, sagt Güner.

Etwa ein Drittel seiner Fahrgäste sind Stammkunden aus der Nordstadt . Dass er nicht nur von A nach B fährt, spricht sich rum. So wenden sich „Landsleute“, wie er sagt, an ihn, wenn sie einen Übersetzer brauchen. Oder Menschen, die überhaupt jemanden brauchen, der sie versteht – auch wenn sie eine ganz andere Sprache sprechen. Ein libanesisches Paar nahm Güner zum Beispiel mit aufs Amt. „Da habe ich ordentliches Deutsch in gebrochenes Deutsch übersetzt“, sagt er lachend.

Von 8 bis 18 Uhr unterwegs

Sein eigener Herr zu sein – das heißt, dass er jeden Tag von 8 bis 18 Uhr unterwegs ist, am Samstag „wenig oder gar nicht“ arbeitet, und Sonntag „nach Lust und Laune“. Er und sein Bruder haben zwei Autos und zwei Angestellte.

Das schafft Zeit, die er für seine Familie braucht. Denn der 45-Jährige hat fünf Kinder: Drei Mädchen und zwei Jungs. Die Älteste ist 21 Jahre alt, studiert Germanistik und Pädagogik auf Lehramt. Der Jüngste ist acht Jahre alt, geht mit seinem elf Jahre alten Bruder auf die Johannes-Wulff-Förderschule. „Der Ältere war ein hyperaktives Kind und hat spät angefangen zu sprechen“, erzählt Güner. Der Jüngste hätte dem Älteren alles nachgeahmt. Beide machen viel Sport: Fußball, Schwimmen, Taekwando, „damit sie ihre Energie los werden, gut schlafen und sich konzentrieren können.“

Kinder aus allen Ländern

Alltag zwischen Familie und Beruf: Morgens bringt Güner die Kinder zum Bus, nachmittags auch mal zum Training. „An Spieltagen bin ich immer dabei“, sagt der stolze Vater, der selbst Fußball gespielt hat – als Kind auf der Straße, „da ging’s um eine Flasche Cola“.

Kinder aus allen Ländern der Welt waren damals die Mannschaftskollegen von Mustafa Güner – und sind heute die Mitspieler der Söhne bei der „DJK Saxonia “.

„Auf Türkisch fluche ich“

Für die Kinder sollte die Stadt mehr tun, findet Güner. Er kritisiert nicht nur, er hat auch Vorschläge: „Ich wünsche mir einen Ort, an dem alle Kinder nach der Schule betreut werden und die richtigen Werte vermittelt bekommen.“ Werte, die in allen Kulturen von Bedeutung sind: Gewaltlosigkeit zum Beispiel.

Der 45-Jährige kennt Unterschiede und Gemeinsames – er führt ein türkisches und ein deutsches Leben zugleich. Ebenso wie beim Gruß der türkischen Kinder regieren auch im Kopf von Mustafa Güner beide Sprachen. „Auf Türkisch fluche ich“, gibt er zu. Die Sprache sei eben viel leidenschaftlicher. „Aber wenn ich etwas Sachliches sagen will, ist die deutsche Sprache besser.“ Das Beste aus zwei Welten.

Christina Römer



Kommentare
07.01.2012
16:33
Onkel Mustafa vom Borsigplatz ist ein Gesicht der Nordstadt
von SusanneStreek | #1

Ja Herr Güner holt gegen entsprechendes Entgeld Rezepte beim Arzt ab und holt noch zwei Schachteln Zigaretten. Das macht aber fast jeder Taxifahrer. I Hörde gibt es Zb. ein Taxiunternehmer der betreibt einen Kiosk, der bringt auch noch Nachts eine Kiste Bier vorbei, und falls erwünscht auch noch zwei Schachteln Zigaretten.

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