Das aktuelle Wetter Dortmund 11°C
BVB-Fans

Offener Brief an Dietmar Hopp

18.08.2011 | 15:24 Uhr
Offener Brief an Dietmar Hopp
Dietmar Hopp wurde von BVB-Fans zu einer Diskussion eingeladen.

Dortmund.Das BVB-Fanzine schwatzgelb.de hat sich in einem offenen Brief an Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp gewandt und den Milliardär zu einer Diskussion nach Dortmund eingeladen . Der Brief im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Hopp,

angesichts der aktuellen Entwicklungen möchten wir als schwatzgelb.de uns direkt an Sie wenden.

Immer und immer wieder ist zu lesen, dass Sie von beleidigenden und zweifelsfrei niveaulosen Sprechchören, Gesängen und Transparenten gegen Ihre Person tief getroffen werden. Sie betonen immer und immer wieder, wie weh Ihnen das tut.

Dass Sie diese Schmährufe derart persönlich nehmen, ist schade und vor allem völlig unangebracht.

Mit dem Schritt in den großen Profi-Fußball haben Sie und auch die TSG Hoffenheim sich auf ein völlig neues Terrain gewagt. Doch während man bundesligataugliche Spieler mit Geld kaufen und eine bundesligataugliche Infrastruktur mit Geld bauen kann, kann man ein Umfeld, das mit der Mentalität, die in den höheren Spielklassen herrscht, umzugehen weiß, nicht kaufen. Um auf den Rängen mithalten zu können, braucht es Erfahrung, viel Erfahrung. Und ein dickes Fell. Denn Beleidigungen gehören auf den Rängen eines Fußballstadions so zum Alltag wie Fouls auf dem Rasen.

Verbale Fouls und solche in Form von Tritten in die Wade gehen doch im Fußball Hand in Hand. Nimmt es denn Spieler A persönlich, wenn Spieler B ihm gerade mit einem Foul eine Torchance geraubt hat? Nein! In jedem Foul steckt doch quasi die Metabotschaft: „Sorry, ist nicht persönlich, aber ich muss dir jetzt die Beine wegtreten, weil ich nicht verantworten kann, dass du ein Tor gegen meine Mannschaft schießt.“ Das ist doch Konsens. Das wissen alle Spieler.

Auf den Rängen ist es identisch. Glauben Sie etwa, auch nur ein BVB-Fan fühlt sich persönlich beleidigt, wenn er in Gladbach, Köln, Frankfurt… und sogar in Hoffenheim das Lied von den „BVB-Hurensöhnen“ hören muss? Wo kämen wir denn da hin? Das perlt ab, weil doch jeder weiß, wie es gemeint ist. Hat Ihnen das wirklich niemand gesagt? War Ihnen das mit all Ihrer Erfahrung und der Weisheit des Alters wirklich nicht bewusst?

Eines ist aber auch klar: Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen der Diffamierung einer ganzen Gruppe und einer einzelnen Person. In Ihrem Falle ist es doch aber so, dass Fans aller Vereine, außer vermutlich Leverkusen, Wolfsburg und RB Leipzig, das Projekt Hoffenheim konsequent ablehnen. Diese Ablehnung betrifft aber in ähnlichem oder gleichem Maße Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und ganz besonders RB Leipzig. Es gibt zwischen den drei genannten Klubs und der TSG Hoffenheim allerdings einen feinen, aber wichtigen Unterschied: Sie.

Sie, Herr Hopp, sind das Gesicht der TSG Hoffenheim. Sie sind das Gesicht des Projekts Hoffenheim. Sie sind das Gesicht einer Entwicklung, die wir Fans ablehnen. Darum fokussieren sich Schmähgesänge auf Sie als Person. Weil bei keinem der anderen genannten Vereine ein einzelner Mensch so sinnbildlich für diese – wie wir finden – gefährliche Entwicklung für den Fußball steht. Wir wollen keine Klubs aus der Retorte. Und wir wollen keine Mäzene, die einen Klub hätscheln und großziehen und ihm von jetzt auf gleich Dinge ermöglichen (Jugendleistungszentren zum Beispiel), die sich andere Vereine sauer verdienen müssen.

Sollte die Schall-Attacke in Hoffenheim wirklich das Werk zweier übereifriger Männer gewesen sein, macht das die Sache im Übrigen auch nicht besser. Vielmehr spräche diese Aktion Bände darüber, welches Klima bei der TSG herrscht, dass sich Mitarbeiter im vorauseilenden Gehorsam zu Ihren Vollstreckern machen und zur Selbstjustiz greifen und dabei nicht nur möglicherweise gegen DFL-Statuten verstoßen, sondern in die körperliche Unversehrtheit von Fans eingreifen. Ist man Ihnen bei der TSG dermaßen hörig? Ist das das Klima, das Sie haben wollen?

Wenn Mäzene und Konzerne sich nach Belieben in Vereine „einkaufen“ und die Bundesliga erobern können, dann muss das all den Fans sauer aufstoßen, die seit Jahren und Jahrzehnten mit ihren Vereinen fiebern, Abstiege betrauern mussten und Meisterschaften bejubeln durften. Die den ganzen Fußball mit seiner Emotionalität und Unkalkulierbarkeit so sehr lieben.

Man muss kein ewiggestriger Nostalgiker sein, wenn man fordert, dass im Fußball bitte jeder Verein nur mit den Mitteln arbeitet, die er sich erarbeitet. Als BVB-Fans wissen wir, wovon wir reden, denn wir sind beinahe Opfer der Hybris eines Präsidenten geworden. Blind sind wir ihm gefolgt und wären beinahe in unser Verderben gerannt. Viele sagen, der BVB habe damals Glück gehabt. Das stimmt. Aber dass der BVB damals von Sponsoren und Gläubigern gerettet wurde, hat er sich in gewisser Weise auch erarbeitet. Nämlich durch Tradition und die daraus erwachsene Verwurzelung nicht nur in Dortmund, sondern in den Köpfen und Herzen des ganzen Landes.

Wer würde der TSG Hoffenheim in ähnlicher Situation helfen, wenn Sie einmal nicht mehr da sind?

Viele Fans würden sicherlich gerne einmal sachlich über Ihre Rolle im Fußball diskutieren und darüber, warum Modelle wie Hoffenheim oder Leipzig auf so viel Abneigung stoßen. Allein: Wären Sie dazu bereit? Haben Sie jemals in Erwägung gezogen, sich einer größeren Fanrunde zu stellen und zu diskutieren? Hat es jemals eine Reaktion auf humorige und kreative Plakate gegen das Projekt Hoffenheim gegeben? Nein. Keine Beleidigung, keine Reaktion. Auf „Sohn einer Hure“ kommt sofort eine Reaktion, was offenbar viele zu der Ansicht bringt, dass Sie und die TSG nur auf Schläge mit der großen Keule reagieren, während Sie aber gleichzeitig nicht in der Lage sind, die Ängste der Fans anderer Klubs ernst zu nehmen.

Herr Hopp, wir laden Sie hiermit herzlich nach Dortmund ein, um mit Fans von Borussia Dortmund, vielleicht im Rahmen einer Podiumsdiskussion, über das Projekt Hoffenheim und Ihre Rolle im Fußball zu diskutieren. Wir würden uns freuen, wenn Sie unserer Einladung Folge leisten würden.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleiben wir.

Hochachtungsvoll,

Ihre schwatzgelb.de-Redaktion

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
18.08.2011
21:14
Offener Brief an Dietmar Hopp
von k0lja | #4

#1

perfekter kommentar. super!

18.08.2011
20:10
Offener Brief an Dietmar Hopp
von lapsus | #3

Zensoren,kann es sein das Euch die Objektivität fehlt?

Das hier subjektiv gelöscht wird,ist sicherlich jeden hier klar,aber was ihr hier veranstaltet,ist dümmlich lächerlich.Der eine pöbelt in einer Art und Weise rum,dass man an seinem Verstand zweifeln muss und andere die bestimmte Sachen
auf den Punkt bringen,werden rigeros gelöscht.
Ihr sägt euch wirklich den eigenen Ast ab,es werden immer weniger User hier, ehemals treue Leser haben wegen Euch ihre Abos gekündigt.
Ich frage mich,seid ihr eingeschleust worden von der Blöd,dann könnte ich es verstehen.Nomen est Omen.

18.08.2011
16:17
Offener Brief an Dietmar Hopp
von Tolli | #2

Also ich als Schalker kann das so unterschreiben! :) lol

18.08.2011
16:07
Offener Brief an Dietmar Hopp
von EbbesRache | #1

Gut gemeint, korrekt formuliert, und dennoch wüsste ich nicht, was es da zu diskutieren gibt.
Wenn Hopp schon jegliches Gespür für die politisch nicht korrekten Fangesänge fehlt, wie soll er dann gar kritischen Äußerungen gegenüber seinem ach so tollen Projekt offen sein?
Er versteht es nicht, und er wird es in diesem Leben auch nicht mehr verstehen.
Da treffen einfach 2 Welten aufeinander, die nicht zusammenpassen.
Hopp stellt sich zum Teil ja sogar hin und stellt den Sinn von Tradition im Fußball generell in Frage. Dabei geht es gar nicht um Tradition an sich.
Mainz oder Freiburg beispielsweise sind alles andere als klassische Traditionsvereine. Dennoch ist es ihnen gelungen, durch cleveres Wirtschaften zumindest einen Großteil ihres sportlichen Daseins der letzten Jahre in der ersten Liga zu verbringen. Vor 20 Jahren waren beide Vereine im chancenlose Clubs, die bestenfalls in der 2.Liga kickten.
Beide Clubs haben sich aber eine Identität erarbeitet, welche jedem Fußballfan, auch denen des BVB sicher Respekt abnötigt.
Wo ist diese Identität bei Hoffenheim?
Ich sehe auch kein dolles Nachwuchskonzept, das WIRKLICH greift. Wo sind denn die eigenen Jugendspieler? Die sind doch im großen Stil von anderen Clubs eingekauft worden, und zwar mit reichlich aggressiven Abwerbemethoden.
Ein in dieser Hinsicht vorbildlicher Verein wie der VfB Stuttgart kann davon ein Lied singen.
Was viele Fans beunruhigt ist , dass sich in Hoffenheim ein gesellschaftliches Phänomen auf den Fußball ausbreitet, dass es in der Form bisher noch nicht gegeben hat: Dass man mit Geld nämlich alles kaufen kann. Nun werden viele sagen: Gibts doch schon seit Ewigkeiten, Bayern lässt grüßen. Dazu die Beinahe-Pleiten von Schalke und Dortmund, die sind doch genauso!
Das ist aber falsch. Denn alles genannten Clubs werden von einer großen Menge Menschen getragen, die ihr Herz an diese Clubs verloren haben.
Nirgendwo sonst ist so aggressiv ein Verein auf der grünen Wiese gepflanzt worden, nirgendwo sonst ist Geld die Keimzelle für das Entstehen eines Proficlubs.
Sicher entbehrt dieser Ansatz ein gewisses Maß an Sozialromantik, aber genau dieses Maß schützt Clubs wie den BVB, S04, aber auch RWE von dem Untergang. Anders als ein Projekt TSG...
Was zur gefühlten Machtlosigkeit der Fans noch hinzukommt, ist, dass die Medien bisher dermaßen auf Kuschelkurs sind, sodass viele Leute den Unfug mit dem Jugendspieler-Konzept aus der eigenen Region auch noch glauben.
Selbst bei ZEIT-Lesern liest man z.T. Kommentare, die einen vom Glauben abfallen lassen (die holen wenigstens keine teuren Stars!).
Babel, Braafheid, Firminho, Luis Gustavo, Carlos Eduardo, Prince Tagoe, Obasi, Sigurdsson, Ba, alles Hobby-Kicker aus dem Kraichgau...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4974710/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Wohnraum für Arme: Knapp und schlecht saniert
Soziales
Auf dem Wohnungsmarkt haben Menschen mit wenig Geld das Nachsehen. Zum einen gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Zum anderen lassen privater Finanzinvestoren günstige Wohnungen verkommen.
Aus Amerika direkt nach Hörde
Germany's next Topmodel
Model Diana hätte Germanys next Topmodel werden können, Model-Mama Heidi Klum rechnete ihr große Chancen fürs Finale aus. Diana aber entschied sich gegen die Show und schied aus familiären Gründen freiwillig aus. Mit ihrer Familie ist die 17-Jährige nach ihrem Ausstieg von Hagen nach Hörde gezogen.
Foto