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Ballett

Nussknacker mit eiskaltem Satan

21.01.2013 | 19:00 Uhr
Nussknacker mit eiskaltem Satan
Schüler der Ballettschule „Die Tanzstelle“ führen den Nussknacker auf.Foto: Klaus Hartmann

Gierig zieht sie die Luft ein, Jana Riesenbergs Atem ist deutlich zu hören, wenn sie ihren gesamten Körper reckt, anspannt und in einer Pose verharrt. Die 14-Jährige tanzt an diesem Sonntag die Rolle der Clara, die Protagonistin des Ballettstücks „Der Nussknacker“.

Gierig zieht sie die Luft ein, Jana Riesenbergs Atem ist deutlich zu hören, wenn sie ihren gesamten Körper reckt, anspannt und in einer Pose verharrt. Die 14-Jährige tanzt an diesem Sonntag die Rolle der Clara, die Protagonistin des Ballettstücks „Der Nussknacker“ nach Piotr Iljitsch Tschaikowski und E.T.A Hoffmann. Im Saal der Rudolf-Steiner Schule, ohne stark erhöhte Bühne und abgesetzte Ränge, wird der enorme Kraftakt, den die 38 Schüler der Ballettschule „Die Tanzstelle“ nach zweieinhalb Monaten intensiver Probe leisten, förmlich greifbar. Das ist gut.

Mahnaz und Wojtek Hankiewicz haben für ihre fünf bis 17-jährigen Schüler und Schülerinnen die Adaption des Stückes nach Youri Vàmos aufbereitet, die den Nussknacker mit „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens verbindet. So macht Dickens Charakter Ebenezer Scrooge, ein geiziger Kauz, bei dem fast die gesamte Stadt Schulden hat, zunächst Hoffmanns Heldin Clara das Leben schwer. Er schürt Angst in der Stadt und zerstört Claras Ein und Alles, eine Nussknackerpuppe. Nachts darauf suchen ihn allerdings teuflische Kreaturen heim, woraufhin er seine Einstellung grundlegend ändert und Clara ihren Traumprinzen bekommt.

Stärken kommen zur Geltung

Die Version bietet Chancen für alle jungen Tänzer, mit ihren persönlichen Stärken zur Geltung zu kommen. Die sind durchaus unterschiedlich gelagert, was das Team der Tanzstelle auch durch die passgenauen, sehr individuellen Kostüme unterstreicht.

Jana Riesenberg tanzt sowohl ihre intensiven Soli als auch die Grand Pas de Deux genannten Duette mit dem Profi Nour Eldesouki vom Essener Aalto Theater sehr akkurat. Spitzenkombinationen, beeindruckende Hebe- und Sprungelemente – sie gibt sich der Herausforderung ganz und gar hin, auch wenn sie dadurch ab und an aus dem Takt kommt.

Während Riesenbergs Parts sehr klassisch sind – inklusive des aufgesetzten Dauerlächelns einer Prima-Ballerina – geben andere Charaktere dem Abend die nötige Würze. So füllt Vivien Marenberg die eckigen und doch geschmeidigen Bewegungen des verbitterten Ebenezer Scrooge bestens aus. Lea Höckes tritt in der Rolle des Satans als eiskalte Grazie auf. In ihrem hautengen roten Jumpsuit spielt sie auch moderne Tanzelemente aus, etwa wenn sie über die Leiber ihrer Mittänzer wie über eine lebendige Treppe herabsteigt, um Scrooge zu bestrafen.

„Wenn die Kinder die klassischen Grundlagen verinnerlicht haben, können sie eine Stufe höher gehen, und verschiedene Stile kombinieren“, sagt Probenleiterin Mahnaz Hankiewicz. Das steigere die Motivation. An der mangelt es der jungen Kompanie sichtbar nicht.

Von Karen Grass


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