NSU-Ausschussvorsitzende Lüders kannte Polizisten-Mörder

Nadja Lüders - Abgeordnete, Ausschussvorsitzende und Anwältin. Wegen eines früheren Mandanten muss sie sich jetzt erklären.
Nadja Lüders - Abgeordnete, Ausschussvorsitzende und Anwältin. Wegen eines früheren Mandanten muss sie sich jetzt erklären.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Ist die Dortmunder SPD-Abgeordnete und Anwältin befangen? Ihr früherer Mandant soll in den NSU-Terror verstrickt gewesen sein, den Lüders untersucht.

Düsseldorf.. Die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im Düsseldorfer Landtag, Nadja Lüders (SPD), ist am Donnerstagabend Spekulationen über eine mögliche Befangenheit entgegengetreten. Die Dortmunder Rechtsanwältin hatte vor mehr als 15 Jahren den späteren Polizisten-Mörder Michael Berger in einem arbeitsrechtlichen Verfahren vertreten. Bergers spätere Verstrickungen in die Neonazi-Szene hätten bei diesem Mandat, bei dem es aus anderen Gründen um dessen fristlose Kündigung als Angestellter in einem Autohaus ging, keine Rolle gespielt, erläuterte Lüders in einer persönlichen Erklärung.

Mord geschah 2000 bei einer Polizeikontrolle

Berger tötete im Sommer 2000 zwei Polizisten, nachdem er in einer Verkehrskontrolle unangeschnallt erwischt worden war. Kurz darauf richtete er sich selbst. Der Fall beschäftigt den NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags, da Berger zur Neonazi-Szene des Ruhrgebiets gehörte und eine Verbindung zur NSU-Mordserie untersucht werden soll.

Nadja Lüders Als in der vergangenen Woche die entsprechenden Aktenberge der Behörden zum Fall des Polizistenmörders dem Landtagsausschuss nach Düsseldorf übermittelt wurden, wurde offenkundig, dass die Ausschussvorsitzende Lüders als junge Anwältin noch mit ihrem Mädchennamen den Täter in anderer Sache vertreten hatte.

Lüders machte diese Vergangenheit mit ihrer persönlichen Erklärung wohl auch deshalb schnell öffentlich, um Spekulationen über eine zu große Nähe zu einem der untersuchten Fälle im Keim zu ersticken. Der „Spiegel“ hatte schließlich bereits 2011 in einer Geschichte über den Polizisten-Mörder davon berichtet, dass Berger einmal uneingeladen auf einer Kanzleiparty seiner Anwältin aufgetaucht und Gästen wegen eines Hakenkreuz-Rings negativ aufgefallen sein soll. Die damalige Gastgeberin war die heutige Ausschussvorsitzende Lüders.