NRW-Polizei kontrolliert auf Einbrecher-Jagd über 1000 Autos

"Mobile Täter im Visier": Die Polizei auf der Suche nach Einbrechern und anderen Tätern.
"Mobile Täter im Visier": Die Polizei auf der Suche nach Einbrechern und anderen Tätern.
Was wir bereits wissen
Es war eine großangelegte Aktion mit 700 Beamten: Die NRW-Polizei hat am Donnerstag über 1000 Autos kontrolliert. Im Fokus: mobile Einbrecherbanden.

Dortmund.. Vier Kontrollteams der Polizei sind am Donnerstag (7.5.2015) in Dortmund unterwegs, um mobile Täter ins Visier zu nehmen. 20 bis 30 Jahre alt, Kleintransporter, vielleicht ein ausländisches Kennzeichen, unruhiger Blick hinter der Windschutzscheibe und das richtige Bauchgefühl: Über acht Stunden ziehen die Polizisten diejenigen aus dem Verkehr, die ins Raster passen. Mit Beute vollbepackte Kofferräume erwarten die Polizisten nicht einmal - sie wollen wissen, wann, wo und mit wem die Tatverdächtigen unterwegs sind.

Datenbank informiert über mobile Täter

Die Erkenntnisse fließen in eine Datenbank ein, auf die Kriminalkommissariate in ganz Nordrhein-Westfalen rund um die Uhr zugreifen können. Um Daten einspeisen oder abrufen zu können. "Motiv" - mobile Täter im Visier - heißt der Plan, mit dem die NRW-Polizei die Einbrecher zu überführen versucht. Wer innerhalb von 12 Monaten mit über 5 Taten in den Grenzen von 3 verschiedenen Polizeibehörden auffällt, rutscht automatisch in die Datenbank und erhält das "Intensivpaket": "Bei denen sehen wir besonders genau hin", sagt Kriminaldirektor Walter Kemper über die Aufgabe der auf Eigentumsdelikte spezialisierten Ermittler.

Mit der Datenbank können sie Erkenntnisse zusammenführen und die Akten anreichern, um die Justiz besser zu informieren. Walter Kemper, auch Leiter der Kriminaldirektion 1 im Dortmunder Polizeipräsidium, ist davon überzeugt, dass der Motiv-Plan aufgeht: "Motiv führt zu mehr Verurteilungen, weil wir den Tatverdächtigen mehr nachweisen können."

100 von 480 Tätern in NRW stammen aus Dortmund

Einer der wichtigen Dreh- und Angelpunkte in Nordrhein-Westfalen ist die Dortmunder Nordstadt: "Die Nordstadt ist ein riesiger An- und Verkauf. Da geht viel unter der Ladentheke weg", sagt der Kriminaldirektor über den Bezirk. Etwa 480 Täter stehen bereits in der nordrhein-westfälischen Motiv-Datenbank - allein 100 kommen aus der Dortmunder Nordstadt. Sie sind als Einzeltäter unterwegs oder in Banden organisiert. Taschendiebstähle, Metallklau, Einbrüche - "sie nehmen alles mit, was sich wieder verkaufen lässt", sagt Walter Kemper über das Geschäft mit fremdem Eigentum.

An die Zuständigkeitsgrenzen der Polizeipräsidien halten sich die Täter nicht. Das Motiv-Konzept deshalb auch nicht. Ein in Arnsberg ertappter Täter muss davon ausgehen, dass die Polizei im Rheinland ihm mit nur einem Mausklick auf die Spur kommen und durchleuchten kann - aus einem zunächst nur einen bekannt gewordenen Fall wird am Ermittler-Schreibtisch schnell eine dicke Akte, sodass eine lange Freiheitsstrafe nicht mehr auszuschließen ist. Bei Fluchtgefahr kann das sogar die Untersuchungshaft auslösen.

Moderne Täter sind flexibel

Die Vertriebswege, auf denen die Täter die Beute verhökern, führen quer durch NRW und ins Ausland, manchmal aus dem Ausland auch wieder zurück nach Deutschland. Moderne Täter sind nicht nur mobil, sondern vielseitig ausgebildet. Ob Ladendiebstähle im großen Stil, Buntmetalldiebstähle, klassische Einbrüche oder gezielte Beutezüge mit teuren Baumaschinen im Blick - sie richten enorme Schäden an.

Kontrollen wie am 7. Mai 2015 sollen sie auch spüren lassen, dass die Polizei intensiver gegen sie vorgeht als noch vor einem Jahr. Die Ermittler wissen aber auch, dass ein von der Justiz zu einer Haftstrafe verurteilter Täter auf der Straße schnell einen Nachfolger hat.