Die Nordstadt kann durchatmen
04.07.2011 | 17:13 Uhr 2011-07-04T17:13:23+0200
Dortmund.„Die Entscheidung hat sich aus unserer Sicht bewährt.“ Sechs Wochen nach Inkrafttreten der neuen Sperrbezirksverordnung und nach dem Aus für die Ravensberger Straße ziehen Polizeipräsident Hans Schulze, Betroffene aus der Nordstadt und Hilfsorganisationen Zwischenbilanz.
Tenor: Die Prostitution sei deutlich zurückgegangen. Außer „vereinzelten und meist drogenabhängigen, deutschen Prostituierten“ gebe es keine Auffälligkeiten. Geblieben seien „20 bis 25 Frauen“, die hartnäckig gegen die Sperrgebietsverordnung verstießen. Wo die meist bulgarischen Prostituierten hin sind, darüber darf gerätselt werden. Einen Umzug in andere Stadtteile und in die Nachbarkommunen beobachtet die Polizei nicht.
Damit hatte der Mann nicht gerechnet: In der Absicht, sich schnellen Sex zu erkaufen, winkte der Freier ausgerechnet eine Mitarbeiterin der städtischen Eingreiftruppe („Task force“) zu sich. Auf seine lässige Frage, „Na Kleines, wie viel nimmst du denn?“, kam die trockene Antwort: „123,50 Euro. 100 Euro Geldbuße und 23,50 Euro Verwaltungsgebühr.“ Ingo Moldenhauer, Chef im städtischen Ordnungsamt,, hatte die Lacher auf seiner Seite, als er die Anekdote bei der Pressekonferenz vor breitem Publikum zum Besten gab.
Haben sich die Verhältnisse in der Nordstadt nach dem Straßenstrich-Aus verbessert?
„Wir erobern uns die Normalität zurück.“
Nach den Beobachtungen, die Stadt, Polizei, Hilfeeinrichtungen und sonstige Betroffene machen, kehrt langsam Ruhe in die Nordstadt ein. „Wir erobern die Normalität zurück“, formuliert Thorsten Stumm, Mitglied der Schulkonferenz der Grundschule „Kleine Kielstraße“. Dazu gehört für ihn, dass der Sucherverkehr der Freier deutlich abgenommen habe.„Ich bin positiv überrascht, wie man das Problem gelöst hat“, assistiert Joachim Brune, Inhaber eines Gartencenters an der Bornstraße. „Wir haben jetzt Ruhe“, sagt Brune, weiß allerdings noch von „rund 20 drogenabhängigen Frauen“, die im Bereich Bornstraße anzutreffen seien. Die Stimmung unter den Hauseigentümern sei „so gut wie lange nicht“, meldete Christian Engelbrecht, Sprecher der Eigentümerinitiative Nordstadt. Und Christian Schmitt, Geschäftsführer der Julius Ewald schmitt Grundstücksgesellschaft, sprach „von einem Signal für alle Hauseigentümer, in ihre Bestände zu investieren.“
Als weitere Kronzeugin dafür, dass die Dauerpräsenz von städtischer Eingreiftruppe und Polizei Wirkung zeigt, trat Jutta Geißler-Hehlke auf, Geschäftsführerin der Mitternachtsmission.2010 habe man 362 Frauen beraten, die der Straßenprostitution nachgegangen seien. Davon seien zurzeit „noch 22 unterwegs.“ Man wisse von rund 40 Frauen, die zuvor in der Ravensberger Straße tätig waren und in Clubs, Bars und der Linienstraße anheuern wollten.
Und als schließlich Kober-Leiterin Elke Rehpöhler von nur noch rund 25 Frauen sprach, die Streetworker antreffen, da war jedem klar: Die von den Ordnungsbehörden genannte Zahl von rund 700 Prostituierten, die sich auf dem Strich verdingten, gehört der Vergangenheit an.
Zwar betonten der Polizeipräsident und Polizeiführerin Claudia Kretschmann-Schepanski, dass es eine „Zwischenbilanz“ sei und man Zeit benötige, bis zur endgültigen Einschätzung der Kriminalitätsentwicklung. „Aber allein die Präsenz der Ordnungskräfte führt dazu, dass sich das Milieu ändert.“ Die Quote an Taschendiebstählen etwa sei auf 50 gesunken, im Bereich Drogenhandel komme man auf 76 Delikte. Als Hilfe für die Dortmunder Beamten erweisen sich zwei Kollegen aus Bulgarien, die man nach Dortmund abkommandiert hat und von denen man sich Hinweise verspricht, wie viel Frauen die Rückfahrt in den Herkunftsort Plovdiv angetreten haben.
Es hagelte Anzeigen
„Einen Umzug in die Nachbarstädte hat es jedenfalls nicht gegeben“, zitiert OB Sierau Rückmeldungen aus anderen Kommunen. Die städtischen Kontrolleure haben inzwischen 170 Belehrungen ausgesprochen und 380 Platzverweise. 27 Personen wurden mit der Polizei in Gewahrsam genommen, 43 bekamen Strafanzeigen. Bei 91 Freiern wurden Personalien festgestellt, 71 hatten Ordnungswidrigkeits-Verfahren am Hals. Ähnlich die Polizei: 42 Personen in Gewahrsam und 76 festgenommen - plus 89 Anzeigen. Polizeipräsident Schulze: „Wir wollen nachhaltig wirken. Was wir machen, braucht Zeit. Aber die haben wir.“
13:50
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09:04
#6, das stimmt aber auch nicht was sie schreiben, Wochenmärkte, Cirkus, Kirmes, nutzen auch den öffentlichen Raum, auch viele Kneipen und Cafes setzen Stühle vors Geschäft auf öffentlichen Raum, andere geschäfte zb. Blumenläden haben teilweise Ware dort stehen, auch werbung verschiedener Geschäfte befindet sich dort.
Natürlich wird dafür gezahlt, aber das machten die Huren ja auch, 6€ täglich hat der Zuhälter Stadt Dortmund pro Person genommen!
13:03
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08:45
An HagenNeinDanke: Bevor Sie hier Dinge behaupten die nicht der Wahrheit entsprechen, vielleicht mal schlau machen in der Dortmunder Bordellszene???
10:52
Das Durchatmen der Nordsatdt hört sich vor Ort eher wie ein asthmatisches Keuchen an. Hoffentlich wächst sich das nicht doch zur praemortalen Schnappatmung aus.
10:12
@4 hagenneindanke:
Zum einen meine ich gelesen zu haben, dass die Zimmerpreise bspw. in der Dortmunder Linienstraße deutlich günstiger sind, als Sie es hier darstellen. Zum anderen muss auch jeder Supermarkt oder Zahnarzt zunächst einmal seine Miete bezahlen. Muss man ausgerechnet dem horizontalen Gewerbe Sonderkonditionen einräumen, damit die Geschäfte ohne entsprechende Kosten getätigt werden können? Ich meine, dass wäre eher eine Subvention in die falsche Richtung!
06:30
Beschäftigungsangebote hätten sich die Planer, die den Straßenstrich nun schließlich erst einmal eingerichtet hatten, vor der Abschaffung ausdenken und publik machen können.
Ich denke ohnehin, ein geeigneterer Standtort wäre Hohensyburg gewesen, wegen der Spielbank und der gesünderen Umgebung - für die Mädels und die Freier.
23:47
Es läuft jetzt halt in den sozial Wohnungen, ganz einfach!
Spart den Kunden Sprit, ist gemütlicher, und bequemer als im Auto, so einfach ist das !
#3, um im Bordell die Miete zu zahlen muss eine Frau die ersten 5 Kunden bedienen, wenn kein sechster kommt, dann war der Tag umsonst!
Das die Politpfeiffen Ihr Vorgehen nun als Erfolg verkaufen wollen , ist doch klar, aber wann lügen Politiker denn nicht?
21:44
@#2: Auch Prostituierte können in anderen Jobs arbeiten. Ich gehe davon aus, dass Bordelle sicherer sind.
Wenn insgesamt die Kriminalität sinkt, ist dies ein gutes Zeichen und ein Erfolg der Ordnungskräfte. Ebenfalls ist es schön, dass es weniger Opfer gibt.
Ich wüsste gerne, wie sich die Kriminalität auf das Stadtgebiet verteilt. Gibt es hierzu Infos?
19:42
Ich kann die Erleichterung der vom Suchverkehr betroffenen Anwohner verstehen. Es deutet aber m. E. vieles darauf hin, dass viele der Frauen nunmehr in Arbeits-, Wohn- und Abhängigkeitsverhältnissen weiterarbeiten, die aus Angst vor Strafverfolgung der Beobachtung entzogen werden. Unter solchen Bedingungen kann es leicht geschehen, dass wieder, wie vor einigen Jahren in Dortmund, Prostituierte Gewalttaten zum Opfer fallen.