Nordstadt-Chaoten nehmen Jesus zum Vorbild

Was wir bereits wissen
Die zwei Brüder Wemser (Franziska Mense-Moritz) und Missgeburt (Sandra Schmitz) aus dem Dortmunder Norden finden Jesus cool. Schließlich ist der auch ohne festen Job durchs Leben gekommen.

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, an Geld zu gelangen. Eine der einfachsten Varianten wäre wohl, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Die zwei Brüder Wemser (Franziska Mense-Moritz) und Missgeburt (Sandra Schmitz) aus dem Dortmunder Norden finden da ganz andere Möglichkeiten rentabler. Eher auf chaotische Weise versuchen sie ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sei es durch eine vorgetäuschte Entführung im Sudan, die an einem Sandplatz authentisch umgesetzt werden soll, oder die Vermarktung von gewöhnlichen Steinen als aphrodisierende „Sexenergiesteine“ an verzweifelte Ehepaare. Doch all die krummen Geschäfte klappen nicht wirklich, so versuchen sie trotz aller Misserfolge, ihr Leben am Rande der Gesellschaftsschicht zu regeln.

Die zwei Charaktere selbst sind so unterschiedlich, wie ihr Lebensstil verrückt ist. Wemser, der Massive, der über den Urknall philosophiert und sich fragt, was dieser Unsinn überhaupt sollte und Missgeburt, der kleine Quälgeist, der sich zumindest irgendwie bemüht, eine Lehrstelle zu bekommen. So leben die ungleichen Brüder in den Tag hinein. Dass ihr Vorbild Jesus ist, verwundert auch nicht wirklich, schließlich hat er ja auch nicht gearbeitet.

Satirisches Abbild der Gesellschaft

In dem Stück „Bring mich nicht auf Störung“ (Text und Regie: Günter Rückert) kommen zwei authentische Figuren zum Tragen, die einen mehr als satirischen Blick auf die Gesellschaft unserer Zeit werfen, mit all ihren Absonderlichkeiten. Musikalisch sowie textlich wird der Abend umso mehr die Gesichtsmuskulatur beanspruchen, sobald man gewisse Kuriositäten der Menschheit wiedererkennt und mit eigenen Augen sieht, wie realitätsnah Kabarett doch sein kann.