Vogelsiedlung blickt auf 100 Jahre

Die Vogelsiedlung in Oestrich wird in diesen Tagen 100 Jahre. Die Bewohner freuen sich auf ihr Straßenfest. Foto: Privat
Die Vogelsiedlung in Oestrich wird in diesen Tagen 100 Jahre. Die Bewohner freuen sich auf ihr Straßenfest. Foto: Privat
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Oestrich.. Die Vogelsiedlung in Oestrich blickt in diesen Tagen auf eine 100-jährige Geschichte zurück. Anwohner haben ihr vor langer Zeit den Namen gegeben. Wann, lässt sich zwar nicht mehr nachvollziehen. Ganz sicher aber die Ableitung. Man muss nur die Straßennamen dort lesen: Schwalbenbrink, Bussard-, Habicht- und Dohlenstraße. Die Menschen dort freuen sich nun auf ihr anstehendes 10. Straßenfest. Doch nach Feiern war den Bewohnern nicht immer zumute. Schon gar nicht Ende der 90er Jahre.

Die Viterra AG als Eigentümerin, erinnert Anwohner Gerald Barthen, gab im Mai 2000 ihre Absicht bekannt, eine Privatisierung der Vogelsiedlung vorzunehmen. Mietergärten sollten bebaut, Häuser verkauft und Erschließungsstraßen errichtet werden. Heftige Proteste gegen die Privatisierungs-Pläne folgten. Die Mieter zeigten sich geschockt, gründeten einen Beirat und schalteten den heutigen OB und damaligen Planungsdezernenten Ullrich Sierau ein. Barthen rückblickend: „Das war unser Glück. Herr Sierau holte alle Beteiligten an einen Runden Tisch. Später sind mit Viterra Kompromissregelungen - wie etwa Kündigungsschutz, Anerkennung der Eigenarbeiten, 300.000 Euro für Fassaden-Neugestaltung, Gasanschlüsse für jedes Haus, Mitgestaltung der Baugebiete - getroffen worden, die sogar für andere Siedlungen Vorbildcharakter haben.“ Barthen hat sich nicht nur privat, sondern auch beruflich-akademisch mit „seiner“ Siedlung befasst. Der Ingenieur hat früher Raumplanung studiert und eine Diplom-Arbeit über „Die Privatisierung von Bergarbeiter-Siedlungen am Beispiel der Vogelsiedlung“ geschrieben.

Die Vogelsiedlung zählt heute zwischen 250 und 260 Wohnungen. Nach der Privatisierung befindet sich etwa die Hälfte der Gebäude in Privatbesitz. Die andere Hälfte gehört mittlerweile der Deutschen Annington. Gerald Barthen ist erleichtert, damals einen Mieterbeirat aus der Taufe gehoben zu haben. Der habe 1999 für eine „Auffrischung der Kontakte“ gesorgt. Überdies habe „ein in der Siedlung erstmalig initiiertes Straßenfest eine gemeinschaftliche Präsentation der Mieter nach außen bewirkt und die Gemeinschaft untereinander gestärkt“. Gespräche, Aktionen und Initiativen des Mieterbeirates hätten zudem eine „Wiederbelebung“ der in den Hintergrund getretenen Nachbarschaften ausgelöst. In diesem Zusammenhang lobte Barthen die Annington als heutige Eigentümerin der Siedlung: „Die fördert unser Straßenfest finanziell und trägt dazu bei, dass eine vorbildliche Nachbarschaft weiter fortbesteht.“