Totes Baby in Kirchlinde: Mutter ist voll schuldfähig

Die wegen Totschlags angeklagte 22-jährige Mutter aus Kirchlinde ist voll schuldfähig - das sagte eine psychiatrische Gutachterin am Mittwoch vor dem Schwurgericht aus. Die Angeklagte hatte ihr Neugeborenes im Keller ihres Hauses zum Sterben zurückgelassen.

Kirchlinde.. Sollten die Richter der Einschätzung der Sachverständigen Dr. Marianne Miller folgen, könnte die Angeklagte im Falle einer Verurteilung nicht mit einer besonders milden Strafe rechnen. Es gebe zwar deutliche Auffälligkeiten in der Persönlichkeit der 22-Jährigen, sagte Miller. Diese würden aber den für die Feststellung einer verminderten Schuldfähigkeit erforderlichen Schweregrad bei weitem nicht erreichen.

Die Angeklagte ist nach Einschätzung der Psychiaterin eine in sich gekehrte Person, die jede Einmischung in ihr Leben strikt ablehne. "Sie will nur das tun, was sie für richtig hält", sagte Marianne Miller. In der Tat hatte die Halbschwester der Angeklagten die 22-Jährige zuvor so beschrieben: "Sie lebt in ihrer eigenen Welt. Sie hat eine Mauer um sich errichtet und lässt keinen richtig an sich heran."

Zeugin: Mutter kümmerte sich besser um Tiere als um Kinder

Dass die junge Mutter während der ungewollten Schwangerschaft im vergangenen Jahr an einer schweren Depression erkrankt ist, schließt die Psychiaterin ebenfalls aus. Hätte eine solche Störung bestanden, hätte sich dies auf ihren gesamten Alltag ausgewirkt.

Tatsächlich aber soll die 22-Jährige während der gesamten Zeit zum Beispiel ihre Haustiere bestens und fürsorglich gepflegt haben. Ein Hund, drei Katzen, elf Ratten, zahlreiche Mäuse, zwei Schlangen, eine Spinne und ein Kaninchen tummelten sich in der kleinen Wohnung in Kirchlinde. Eine Familienpflegerin schilderte die Situation als Zeugin so: "Die Tiere waren gut ernährt und wurden gut betreut. Ehrlich gesagt, hat sich die Angeklagte um die Tiere fast besser gekümmert als um ihre Kinder."

Ex-Freund wohnt jetzt bei Halbschwester der Angeklagten

Im Oktober soll die Angeklagte schließlich im Keller ein Mädchen geboren und einfach zum Sterben zurückgelassen haben. Ihre Halbschwester ist seitdem überhaupt nicht mehr gut auf die 22-Jährige zu sprechen. "Wir haben ihr immer unsere Hilfe angeboten, aber sie hat uns gegenüber ja immer abgestritten, schwanger zu sein."

Auch privat musste die Angeklagte zuletzt einen Rückschlag verkraften. Nur wenige Tage nach ihrer Festnahme ist ihr Lebensgefährte offenbar ausgerechnet bei ihrer Halbschwester eingezogen. "Wir haben jetzt eine Beziehung", bestätigte die Zeugin vor Gericht.