„Standortauswahl erfolgte sehr sorgfältig“

Thema:KV-Anlage. DSW21-Projektleiterin Kristina Rummeld hält den alten Hafenbahnhof als Standort für geeignet. Foto: Linz
Thema:KV-Anlage. DSW21-Projektleiterin Kristina Rummeld hält den alten Hafenbahnhof als Standort für geeignet. Foto: Linz
Foto: WR

Huckarde..  Die von Investor DSW21 geplante KV-Anlage (Kombinierter Verkehr Schiene/Straße) am alten Hafenbahnhof in Huckarde spaltet die Gemüter. Ein Zusammenschluss von Bürgern, Siedlern, Politikern und Gewerbetreibenden geht seit Wochen auf die Barrikaden und protestiert vehement gegen den angedachten Standort der Container-Umschlagsanlage. Unsere Zeitung sprach mit Projektleiterin Kristina Rummeld über den gegenwärtigen Stand der Planungen, Standort-Alternativen, Fördermittel, Verkehrsprobleme und neue Arbeitsplätze.

Frau Rummeld, DSW21 will die Anlage zum Kombinierten Verkehr (KV) erweitern und hat sich als Standort den alten Hafenbahnhof in Huckarde ausgeguckt. Was spricht für dieses Areal?

Kristina Rummeld: Die auserwählte Fläche ist absolut an den Planungszielen und Erfordernissen orientiert. Es lassen sich dort die beiden Verkehrsträger Schiene/Straße miteinander zu einer sogenannten bimodalen Anlage verknüpfen. Die Standortauswahl für die KV-Anlage erfolgte sehr sorgfältig und wurde von einem umfassenden Abwägungsprozess begleitet.

Die Gegner fürchten mehr Verkehr, mehr Lärm und ortsansässige Geschäftsleute sogar den Verlust ihrer Firma. Insgesamt gibt es gut 400 Einwände. Können Sie deren Ängste nachvollziehen?

Die Ängste vor etwas Neuem und in diesem Sinne einer Veränderung kann ich gut nachvollziehen. Es ist das typische, subjektive Empfinden, das jeder von uns kennt, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten.

Was ist mit Alternativ-Standorten? Die Westfaliastraße etwa. Oder die Westfalenhütte.

Zur Nutzung des Geländes auf dem Grundstück des ehemaligen Güterbahnhofs der DB AG an der Westfaliastraße konnte zwischen DSW21 und der Liegenschaftsverwaltung der DB keine Einigkeit erzielt werden. Auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte wurden viele Flächen veräußert und stehen nicht mehr zur Verfügung. Weiterhin besteht kein Planrecht. Vor der Umnutzung müssten aufwändige Bodenaufbereitungsmaßnahmen durchgeführt und ein neuer Gleisanschluss hergestellt werden.

Der Zusammenschluss der Protestler spricht davon, mehr als 640 Lkw würden pro Tag durch die Wohngebiete fahren. Übertrieben?

Die Zahl ist korrekt und wurde vom Verkehrsgutachter ermittelt. Die Zahl von 640 Lkw/Tag ergibt sich für den Auslastungszustand der KV-Anlage im Jahr 2025. Viele dieser Lkw befahren heute schon das Stadtgebiet Dortmunds und sind insofern nicht „neu“. Durch die KV-Anlage bündeln sie sich in diesem Bereich. Darüber hinaus werden durch eine KV-Anlage angesichts der intelligenten Verknüpfung von Verkehrsträgern die Straßen erheblich entlastet.

Wie hoch sind die Fördermittel, die DSW21 durch den Bau einer KV-Anlage erhält? Und woher kommt das Geld?

Es handelt sich um Fördermittel des Bundes. Ansprechpartner ist das Eisenbahnbundesamt. Die Höhe beträgt nach der alten Förderrichtlinie 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten.

Entstehen neue Arbeitsplätze. Und wenn ja, wie viel?

Auf dem Terminal selbst entstehen um die 20 neue Arbeitsplätze. Einen viel größeren Effekt aber wird es erfahrungsgemäß durch Unternehmensansiedlungen, neue Geschäftsbeziehungen und Geschäftsfelder geben, die durch die KV-Anlage ausgelöst werden.

Wie geht DSW21 konzeptionell weiter vor?

Wir bereiten uns auf einen Baubeginn noch in diesem Jahr vor. In diesem Sinne werden Ausschreibungsinhalte und Bauabläufe erarbeitet.

Ist eine Erweiterung der KV-Anlage überhaupt notwendig?

Die bestehende KV-Anlage im Dortmunder Hafen mit 170.000 Ladeeinheiten/Jahr stößt an ihre Grenzen. Am vorhandenen Standort ist ein Ausbau mangels verfügbarer Flächen nicht möglich. Ziel ist es, bestehende Geschäftsbeziehungen zu erhalten und auszubauen und hierdurch die wirtschaftlichen Vorteile für den Logistikstandort Dortmund zu sichern. Da die neue Anlage neben Containern auch Wechselbrücken und Sattelauflieger aufnehmen soll, kann mit dieser Erweiterung des Leistungsportfolios gleichzeitig wirkungsvoll auf die Wettbewerbssituation im Transportgeschäft reagiert werden. Der Wirtschaftsstandort Dortmund wird gestärkt und Arbeitsplätze werden nachhaltig gesichert.