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Geschichte

Skandal um die „Bismarckeiche“

24.08.2012 | 17:26 Uhr
Skandal um die „Bismarckeiche“
Wilhem Mohrenstecher, Lütgendortmunds Original, führte durch den historischen Ortskern. Vor dem Gesetzeshüter aus lämgst vergangenen Tagen blieben sogar die Autos stehenFoto: Helmut Matzanke

Lütgendortmund.   Wie sich die Zeiten doch ändern. Das zeigte das Lütgendortmunder Original Wilhelm Mohrenstecher bei einem historischen Rundgang durch seinen Stadtteil.

Wie sich die Zeiten doch ändern. Die Mitglieder der evangelischen Frauenhilfe Lütgendortmund (Leitung Annegret Lerch), Holte Kreta (Leitung Martina Diederich) und Somborn (Leitung Helga Harrold) wollten es wissen und begaben sich auf die Pfaden der Vergangenheit. Unterstützung fanden die Frauen beim sachkundigen Bürger und Lütgendortmund Original Wilhelm Mohrenstecher, der die Geschichte Lütgendortmunds zu seinem Hobby gemacht hat.

Von 1892 bis heute

Wilhelm Mohrenstecher schlüpfte in die Uniform eines preußischen Polizisten und führte seine begleitenden Damen vorbei an historischen Gebäuden des Ortsteils. Ausgehend vom „Café Blickpunkt“ erfuhren die Wissens hungrigen Teilnehmerinnen viele historische Details über die Entwicklung Lütgendortmunds ab 1892 bis heute – ein Zeitraum von 120 Jahren. Damals war Deutschland noch Kaiserreich, Kaiser Wilhelm II. regierte und Graf Leo von Caprivi war von 1890 bis 1894 Reichskanzler. In den folgenden Jahren machte der sprunghafte Anstieg der Bevölkerung, die sich durch den Zuzug von Arbeitern innerhalb von 20 Jahren verdreifachte, das dörfliche Lütgendortmund innerhalb weniger Jahrzehnte zum aufstrebenden Zentrum des Verwaltungsbezirks.

Wilhelm Mohrenstecher, immer eine lustige Anekdote auf seinen Lippen, führte seine begleitenden Damen über die Westricher Straße, damals Amtsstraße, wo zur Kaiserzeit Post, Amtshaus und Polizeiwache untergebracht waren. Auch die Straße Klosterbredde kann Historisches vermelden. Hier wurde nämlich im Jahre 1888 die erste Lütgendortmunder Zeitung gedruckt. Und die Westermannstraße, benannt nach dem ehemaligen Amtmann Westermann, trug damals die Bezeichnung Bismarckstraße. Hier angekommen, schilderte Wilhelm Mohrenstecher den schrecklichen Skandal um die Pflanzung der „Bismarckeiche“ im Jahre 1895. Unbekannte hatten den von 1871 bis 1890 im Amt stehenden Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck in einem anonymen Brief beschimpft und eine verunglimpfende Karikatur seiner Person beigefügt. Dazu Wilhelm Mohrenstecher: Ein bis zum heutigen Tage ungelöster Kriminalfall.

Auch kleine, kaum wahrnehmbare dörfliche Kostbarkeiten, fanden das Interesse der Gruppe. So stehen zum Beispiel an der Einmündung Herta-/Berta-Straße zur Einmündung Limbecker Straße zwei so genannte Prellsteine, die Hausecken vor Beschädigungen durch Fuhrwerke schützen sollten. Vom historischen Rundgang wieder in Dorfmitte angekommen, informierte Wilhelm Mohrenstecher die Gruppe mit weiteren Details zum Amtshaus-Umzug, der Post und Druckerei sowie über die Geschichte des Lütgendortmunder Handels.

Zum Ausklang dieser Führung verweilten alle noch ein paar Stunden bei hochsommerlichen Temperaturen im „Blickpunkt Straßencafé“ und ließen bei selbstgebackenen Pflaumenkuchen das Geschehene noch einmal Revue passieren.

Helmut Matzanke



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