Schönwetterfenster bei Minusgraden
12.02.2010 | 18:25 Uhr 2010-02-12T18:25:00+0100Rahm. „Schön, hier zu wohnen”, lautet die Eigenwerbung der Deutschen Annington. Doch ihre Mieter an der Boschstraße im Jungferntal haben andere Erfahrungen gemacht: Mangelhafte Fenster sorgen für feuchte Wohnungen, Schimmelbildung und ernsthafte Erkrankungen.
Der einzige Grund dafür, dass die Mieter noch nicht ausgezogen sind: Das Verhältnis untereinander ist gut. Dies betonen die Frauen, die sich jetzt in der Wohnung von Petra Bleidorn an der Boschstraße 163 versammelt haben. Doch das hilft nicht, wenn Mietmängel krank machen. Und die sind offensichtlich: Die Fensterscheiben in der Küche sind nass. Auf der Fensterbank sammelt sich Wasser. Im Kinderzimmer ein ähnliches Bild. Die Wände sind feucht. In der Wohnung der Bleidorns hat sich Schimmel gebildet.
Die Folge: Atemwegsbeschwerden, Juckreiz, Kopfschmerzen. „Man bekommt es mit der Angst zu tun”, sagt Petra Bleidorn. Weil die Deutsche Annington die Mängel bisher nicht beseitigte, obwohl die Mieterin diese schon letzten Winter geltend gemacht hat, denkt sie jetzt über einen Auszug nach: „Ich will nicht noch so einen Winter erleben. Die Gesundheit ist mir wichtiger.” Petra Bleidorn ist nicht die einzige, die sich mit dem Gedanken trägt: 24 Mietparteien an der Boschstraße 163, 165 und 167 sind betroffen, klagen über Beeinträchtigungen. Vor allem ältere Bewohner und Kleinkinder seien Dauergäste bei Fachärzten. Nur zwei Beispiele: Die jeweils sechsjährigen Söhne von Katja Beste und Maria-Rosa Sparta sind „ständig krank”. Der eine hat Bronchialasthma, der andere spastische Bronchitis. Ursache hierfür sind die Fenster der Wohnungen. Diese „sind als mangelhaft zu bewerten”, so Holger Gautzsch vom Mieterverein Dortmund. Der Grund: Die aus den 1970er Jahren stammenden Fenster seien zwar mit Doppelglasscheiben versehen (Thermopane), sodass sie als solche durchaus gut isoliert seien. Doch die Rahmen bestünden aus einem Material, das Kälte 1:1 durchleite. „Bei solchen Fenstern entsteht durch ein normales Nutzen in der Wohnung zwangsläufig ein feuchtes Klima. Mietern droht eine Gefährdung der Gesundheit und die Beschädigung ihres Eigentums”, betont Rechtsanwalt Gautzsch. Er spricht von „Schönwetterfenstern”. Gautzsch hofft,, dass Annington Einsicht zeigt, statt Mietmängel abzustreiten und es auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen. Denn während eine Mieterin Klage eingereicht hat, zog die erste Mietpartei aus. Und das sei nachvollziehbar: Mit solchen Fenstern sei „auf Dauer kein Mieter zu halten”. Doch Annington habe bisher nur ein einziges Fenster an der Boschstraße ausgewechselt. Annington-Pressesprecherin Katja Weisker zu den Vorwürfen: „Der Schimmel wird beseitigt. Zudem werden wir an den Fensterlaibungen einen Ölanstrich aufbringen, damit die Feuchtigkeit besser abgewischt werden kann. Auch sind wir bestrebt, im nächsten Jahr eine Komplett-Modernisierung vorzunehmen. Die Voraussetzungen dafür sind gut.”
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