Schlaflos in Dorstfeld

Karl-Heinz Engel, dessen Immobilien unweit des Werkes von Hoesch-Spundwand und Profil liegen, ist genervt.
Karl-Heinz Engel, dessen Immobilien unweit des Werkes von Hoesch-Spundwand und Profil liegen, ist genervt.
Foto: PHOTOZEPPELIN.COM

Dorstfeld..  Er hat akribisch Buch geführt. Tag und Nacht. „Um vier Uhr morgens tat es einen Schlag“, erinnert sich Karl-Heinz Engel, „als wäre jemand erschossen worden.“ Tatort Dorotheenstraße. Und doch kein Krimi im Fernsehen, sondern Realität – wie der Anwohner versichert. Lärm am Sonntag von früh morgens bis mittags. Schlagen, Hämmern, Quietschen und schließlich ein „Pfeifton im hohen Frequenzbereich“. Sagt Karl-Heinz Engel, der den Verursacher des Lärms am liebsten zum Teufel schicken würde. Und wer Schuld an seinen schlaflosen Nächten und ruhegestörten Tagen hat, steht für den Geplagten fest: die nur 900 Meter Luftlinie von seiner Wohnung entfernte Firma Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP).

Schon damals gab sich das Unternehmen, das zum Salzgitter-Konzern gehört, eher zugeknöpft.

Engel ist von Pontius nach Pilatus gelaufen, aber dann hat er doch die zuständige Aufsichtsbehörde ermittelt: die Bezirksregierung in Arnsberg. Und er hat sich an die Stadtteil-Zeitung gewandt, die bereits im Januar darüber berichtete. Arnsberg hat inzwischen nachgemessen. Der Prüfbericht liegt der Stadtteil-Zeitung vor. „Die haben nur Vogelgezwitscher mit ihren Mikrofonen aufgenommen“, empört sich der Beschwerdeführer, wie Engel im Bericht der Bezirksregierung genannt wird. Dass es Probleme durch Lärmbelästigung gibt, bestätigt auch ein Friseur aus der benachbarten Adlerstraße, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Er hat früher jedoch vor allem gegen „den Krach, der von ThyssenKrupp kommt“, gekämpft. Denn seine Wohnung liegt nahe am Betriebsgelände des Konzerns. „Aber mein Anwalt hat mich nur abgezockt“, vermutet der Friseur. Gebessert habe sich nichts.

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Das ist auch Engels Meinung in Sachen HSP. Er wird laut, ereifert sich, will zu seinem Recht kommen. Verständlich, wenn jemand seines Schlafs beraubt wird. Die Prüfer aus Arnsberg nehmen seine „subjektiv als belastend empfundenen (Lärm-)Immissionen“ durchaus ernst, wie der Pressesprecher der Bezirksregierung, Dr. Christian Chmel-Menges, bestätigt. Die Messungen hätten „selbstverständlich die Zeiträume berücksichtigt (…), die der Beschwerdeführer (…) als besonders belästigend beschrieben hatte“.

Vorher informiert

Karl-Heinz Engel will das nicht wahr haben. „Die Behörde hat das Unternehmen vorher über die Messungen informiert“, kritisiert er. Potemkin’sche Dörfer also? Natürlich nicht – sagt die Bezirksregierung. Aber es habe schon vorher einen Kontakt zwischen Engel und der Firma gegeben, wirft Arnsberg den Ball zurück. Dass Messungen vorgenommen würden, sei HSP wohl klar gewesen. Nur nicht, wann genau.

Bei der Bezirksregierung habe sich, wie deren Pressesprecher betont, außer Karl-Heinz Engel niemand beschwert. „Im Gegensatz zu einer subjektiven Wahrnehmung von Geräuschen“, meint dazu die zuständige Arnsberger Dezernentin Heike Farsbotter, „ist eine Messung immer eine objektive Darstellung einer Lärmsituation.“ Will heißen: Gemessen wurde nichts, und Karl-Heinz Engel wird weiter aus dem Schlaf gerissen – wenn’s nachts schlägt oder quietscht.